Alle Sinne wieder spüren

Angela Amann bietet Wanderwochen für Kleinkinder an.
Röns „Die Natur bietet ein gewaltiges Potenzial – zur Erholung, zum Entschleunigen und zur Fokussierung auf sich selber. Ich bin möglichst jeden Tag im Freien unterwegs, selbst wenn es windet, regnet oder schneit“, sagt Angela Amann. Die diplomierte Tourismusfachfrau kommt sichtlich ins Schwärmen, wenn sie von den positiven Wirkungen der Natur berichtet: „Nach einem anstrengenden Arbeitsalltag bietet ein Spaziergang in der Natur einen wertvollen Ausgleich. Ich konzentriere mich dabei auf jeden einzelnen Schritt, das ist fast schon meditativ. Meine Gedanken ordnen sich dadurch von selbst, durch die Gleichmäßigkeit der Schritte komme ich in die Ruhe.“ Manchmal ziehe sie auch einfach die Schuhe aus und stelle sich in einen Bach: „Es ist ein schönes Gefühl, weil ich dann alle fünf Sinne wieder eindrücklich spüre.“
Zurück in die Natur
Dieses Naturerlebnis möchte Amann in diesem Sommer auch Kindern im Vorschulalter in Form von Wanderwochen näherbringen: „Zahlreiche Kinder beschäftigen sich fast ausschließlich mit den neuen Medien. Sie werden von elektronischen Reizen überflutet. Der ganz einfache Zugang zur Natur geht dabei verloren“, sagt sie. „Dabei ist die freie Bewegung in der Natur, das Erforschen und Entdecken wesentlich für die kindliche Entwicklung.“ Kinder sind sehr kreativ, mit ein paar Steinen, Stöcken und Pflanzen wird die Fantasie angeregt und es entstehen die unterschiedlichsten Gebilde. „Ich habe auch mit meinen eigenen Kindern erlebt, dass sie ihre Kreativität in der Natur voll entfalten konnten“, sagt sie. Dieses genaue Hinschauen und Wahrnehmen brauche die nötige Zeit, die im vielfach hektischen Alltag ansonsten nicht gegeben ist.
Eigentlich war die Wanderführerin schon familiär vorbelastet, was das Naheverhältnis zur Natur anbelangt: Sowohl ihr Urgroßvater Walther Flaig als auch ihr Großvater Günther Flaig sind bekannte Autoren von Wanderführern. Sie selber habe die Freude am Wandern aber erst durch ihren Mann Markus entdeckt, der ein begeisterter Bergsteiger ist: „Mir war schon immer bewusst, dass wir hier in Vorarlberg in einer wunderschönen Gegend leben. Markus steckte mich mit seiner Faszination für die Berge an. Wobei ich lieber wandere als klettere. Mir geht es nicht darum, Gipfel zu ersteigen, sondern um die Wahrnehmung der Natur in allen Facetten.“ Nachdem die engagierte junge Frau zuerst im Tourismusbüro in Dalaas gearbeitet hatte, folgte ein Umzug nach Lech. Dort arbeitete sie ein Jahr in einer Spielgruppe und war dann wiederum im Tourismusbereich tätig.
Vor rund zwölf Jahren absolvierte die dreifache Mutter eine Wanderführer-Ausbildung. Kunstwanderungen anlässlich der Ausstellung „Horizon Fields“ von Anthony Gromley bildeten ihr erstes Anwendungsgebiet. Ihre profunden Sprachkenntnisse in Englisch, Italienisch und Deutsch kamen ihr dabei zugute.
Seit einigen Jahren lebt sie nun mit ihrer Familie in Röns. Die Idee zu den Kinder-Wanderwochen entstand während der Maßnahmen durch die Corona-Pandemie: „Ich war in diesen Monaten viel mit Emma draußen. Sie war durch diese Unternehmungen viel zufriedener.“ Ihr Konzept ist denkbar einfach: In Kleingruppen von sechs Kindern wird die Natur rund um Röns, Düns und Schnifis erkundet. Dabei wird vor allem auf die spontanen Ideen der kleinen Teilnehmer Rücksicht genommen – in aller Ruhe und Einfachheit. BI
„Es ist ein schönes Gefühl, wenn ich alle fünf Sinne wieder eindrücklich spüre.“
Zur Person
Angela Amann
bietet im Sommer Wanderführungen für Kinder an.
Geboren 23. Dezember 1974
Familie verheiratet, drei Töchter (Theresa, Lena, Emma)
Hobbys Wandern, Natur, Lesen, Skifahren, Langlaufen, Nordic Walking, Reisen
Kontakt angela.amann@aon.at, 0664 2022355