Der Siebträger‑Boom: So macht man aus der Bohne mehr als nur Kaffee

Siebträgermaschinen liegen im Trend. Doch guter Kaffee entsteht nicht auf Knopfdruck – sondern mit der richtigen Bohne, Technik und viel Übung. Kaffee‑Expertin Carmen Bitschnau zeigt, worauf es wirklich ankommt.
Von Pia Prodinger
Dornbirn. Während früher Filterkaffee oder der Vollautomat in vielen Haushalten Standard waren, greifen immer mehr Kaffeeliebhaber heute bewusst zur Siebträgermaschine. Der Grund ist ganz einfach mehr Kontrolle, mehr Qualität – und mehr Genuss in der Tasse.
Mehr als ein Knopfdruck
Carmen Bitschnau beschäftigt sich seit 22 Jahren beruflich mit Kaffee und arbeitet in der Kaffeebohne in Dornbirn. Sie ist überzeugt, wer einen “echten” Espresso oder Cappuccino will, wird mit einem Vollautomaten nicht glücklich. „Wenn ich einen normalen Verlängerten trinke, bin ich mit einem Vollautomaten gut gestellt. Will ich aber Espresso oder Cappuccino, komme ich am Siebträger nicht vorbei“, ist sie überzeugt.
Doch guter Kaffee aus der Siebträgermaschine braucht mehr als nur das richtige Gerät. „Man muss wissen wie man damit umgeht”, betont Bitschnau. Entscheidend seien der richtige Mahlgrad, die Durchlaufzeit und ein wenig Übung.

Die Pflege ist Teil des Handwerks
Auch die Pflege spiele eine große Rolle. „Alle Teile mit Kaffeefett oder Öl müssen regelmäßig fettlösend gereinigt werden“, erklärt Bitschnau. Die wöchentliche Reinigung der Brühgruppe sei dabei genauso wichtig wie das Entkalken, je nach Wasserhärte, ein- bis zweimal im Jahr.
Warum gerade jetzt so viele Menschen auf den Siebträger setzen, kann auch Bitschnau nicht eindeutig erklären. „Das hat sich einfach entwickelt“, sagt sie. Nach Filterkaffee und Vollautomat werde Kaffee heute wieder mehr zelebriert – ähnlich wie beim aktuellen Filterkaffee‑Comeback.
Der Weg zum guten Kaffee

Guter Kaffee aus der Siebträgermaschine beginnt bei der Bohne. „Du kannst nur einen guten Kaffee bekommen, wenn du eine gute Bohne nimmst“, sagt Carmen Bitschnau. Hochlandbohnen, die langsam und schonend geröstet werden, können ihr volles Aromaspektrum entfalten. Entscheidend ist dabei die richtige Röstdauer: Sie darf weder zu kurz noch zu lang sein, denn eine Röstzeit von rund 20 Minuten gilt als ideal, damit sich der Geschmack voll entfalten kann.

Genauso wichtig sind eine gute Mühle, der richtige Mahlgrad und die passende Menge. Der Mahlgrad beschreibt, wie grob oder fein der Kaffee gemahlen wird. „Mahlgrad, Menge und der Anpressdruck bestimmen am Ende die Laufzeit“, erklärt Bitschnau. Erst wenn alles zusammenpasst, gelingt ein guter Espresso.


Ein guter Espresso läuft idealerweise rund 25 Sekunden. „Zwischen 20 und 30 Sekunden ist okay“, sagt Carmen Bitschnau – darunter wird der Kaffee sauer, darüber bitter. Läuft er zu schnell oder zu langsam, muss der Mahlgrad angepasst werden, oft sogar mehrmals täglich. „Das merkst du je nach Wetter und Luftdruck“, erklärt sie. Genau dieses Nachjustieren gehört für sie zum Arbeiten mit der Siebträgermaschine dazu.

Guter Milchschaum braucht etwas Übung. „Milch aufschäumen ist ein bisschen schwieriger“, sagt Carmen Bitschnau. Wichtig sei, immer kalte Milch und genug Menge zu verwenden, damit sie Zeit hat, Luft aufzunehmen und das Volumen sich verdoppeln kann.
Vor dem Aufschäumen sollte Kondenswasser aus der Dampfdüse abgelassen werden. Nach dem Schäumen gilt: sofort reinigen und nochmals abdampfen, damit keine Milchreste zurückbleiben.


Zu einem guten Kaffee gehört vor allem Qualität und Geduld. „Eine gute Rohware, die richtige Pflege der Maschine und ein bisschen Übung“ – das sind laut Carmen Bitschnau die wichtigsten Zutaten für wirklich guten Kaffeegenuss.
