Wie es mit dem Schoren-Areal weitergeht: “Wir haben eine coole Idee”

Dornbirns Bürgermeister Markus Fäßler ist seit einem Jahr im Amt. Zeit für eine erste Bilanz und einen Blick in die Zukunft.
Dornbirn Seit einem Jahr wird Dornbirn erstmalig von einem roten Bürgermeister regiert. Markus Fäßler übernahm am 9. April 2025 das Zepter von Andrea Kaufmann (ÖVP). Im VN-Interview zieht er Bilanz, spricht über das Volksbegehren zur Geburtenstation, seine Pläne für das Schoren-Areal und erzählt, wie es der Stadt finanziell geht.
Kaum waren Sie im Amt, ging es mit der Diskussion um die Geburtenstation direkt los. Haben Sie mit der Wucht der Diskussion gerechnet?
Fäßler Martina Rüscher hat ja schon vor der konstituierenden Sitzung im VN-Interview angekündigt, dass es viel Wirbel geben wird. Da war schon klar, dass das Dornbirner Spital mit betroffen sein wird. Dass es die Geburtenstation ist, hat mich dann aber überrascht.

Werden Sie das Volksbegehren unterschreiben?
Fäßler Mich hat fasziniert, in welcher kurzen Zeit 57.000 Unterschriften gesammelt wurden. Man muss die Unterschriften ernst nehmen, was die Landesregierung aus meiner Sicht zu wenig getan hat. Es gab zu Beginn wahnsinnig viel Unruhe in der Spitalsbelegschaft. Ich bin froh, dass wir es geschafft haben, wieder Ruhe und Stabilität reinzubringen. Deshalb möchte ich nicht, dass ich Erwartungen wecke, die am Ende nicht halten.
War das ein Nein?
Fäßler Als Bürgermeister werde ich es nicht unterschreiben.
Man hört aus Ihrer Antwort, dass Sie nicht glauben, dass das Land das Vorhaben noch einmal ändert.
Fäßler Diese Signale sind aus dem Land gekommen, ja.
Wie geht es Dornbirn finanziell?
Fäßler Der Rechnungsabschluss stellt sich etwas negativer dar als geplant. Das hat mit der Krankenhausabrechnung zu tun, dafür wird der 2026er wesentlich besser ausfallen. Dornbirn geht es relativ gut im Vergleich zu anderen Gemeinden, trotzdem ist es wichtig, dass wir den Konsolidierungskurs beibehalten.

Welche Investitionen musste Dornbirn aufgrund des Sparkurses zurückstellen?
Fäßler Bei den Investitionen geht es jetzt darum, dass das Dringendste vor dem Notwendigen gemacht wird. Die Kategorie “Das hätte ich gerne” muss leider weit nach hinten verschoben werden. Persönlich hat mich wahnsinnig geschmerzt, dass sich der Kunstrasenplatz im Forach nicht finanzieren lässt. Auch der Bau der Feuerwehrzentrale Süd muss nach hinten verlegt werden. Als Sozialdemokrat ist mir ganz wichtig, dass ich nicht mehr Geld ausgebe, als wir haben.
Warum verzichtet Dornbirn auf die Leerstandsabgabe?
Fäßler Dornbirn verzichtet nicht darauf, sondern sieht sich ganz genau an, wie sie in den anderen Gemeinden funktioniert. Sie ist noch nicht ganz durchdacht. Ich bin nicht abgeneigt. Aber wenn der Verwaltungsaufwand mehr kostet, als man damit einnimmt, macht sie nicht viel Sinn.

Wäre die Erhöhung der Grundsteuer hilfreich?
Fäßler Die letzte Angleichung ist über 50 Jahre her. Eine Neubewertung wäre dringend notwendig.
Sie haben im Wahlkampf versprochen, dass Sie das leistbare Wohnen auf Ihrer Agenda ganz nach oben setzen. Konnten Sie im ersten Jahr Akzente setzen?
Fäßler Wir sind in vielen Gesprächen mit den Wohnbauträgern, wir haben Aufholbedarf. Die ÖSW hat innerhalb kürzester Zeit ein Projekt aufgestellt, das sind über 30 neue Wohnungen.
Ein Thema im Wahlkampf war die Sicherheit am Bahnhof. Mittlerweile ist es ruhig geworden. Hat sich das Thema erledigt?
Fäßler Nein, aber es hat sich sehr viel getan. Als Erstes haben wir gleich die trennenden Elemente abgebaut. Die Polizei kontrolliert weiterhin, die Waffenverbotszone ist ein gutes Instrument. Auch die offene Jugendarbeit am Bahnhof wurde gestärkt. Ausschließlich mehr Polizei und Sicherheitsdienst bringen nichts, man muss mit den Menschen dort arbeiten.
Viele moderne Städte haben eine Markthalle. Auch in Dornbirn war sie einmal Thema. Ist das Projekt gestorben?
Fäßler Ich bin prinzipiell dem Thema gegenüber offen. Aber wir sprachen schon über Investitionen. Wenn wir sie finanzieren könnten, dann gerne.

Beim Badesee ist es ähnlich?
Fäßler Ja, wobei dort noch mehr Gründe derzeit dagegen sprechen. Es gibt noch keinen geeigneten Ort. Wenn er irgendwo relativ leicht und kostengünstig machbar wäre, dann gerne. Aber wir haben auch den Stauffensee. Er ist zwar zu kalt zum Baden, aber er soll ein Aufenthaltsort für Dornbirner werden, ohne Konsumzwang, mit Grillstellen. Darauf freue ich mich.
Sind Investitionen ins Schorenareal auch nur ein Nice-to-have? Es liegt immer noch brach.
Fäßler Das müssen wir unbedingt angehen. Halb Vorarlberg fährt jeden Tag mit dem Zug daran vorbei, außerdem ist es ein zentraler Ort für alle Dornbirner. Aber wir haben eine coole Idee.
Also tut sich etwas?
Fäßler Wir werden am 25. April konkretere Pläne präsentieren. Wir werden als Übergangsprojekt einen wunderschönen großen Sandkasten mit Sand aus dem Rappenloch-Stausee errichten. Wir haben ganz kreative Köpfe im Rathaus, die diese Idee entwickelt haben, der Bauhof macht die nötigen Änderungen selbst. Eine kostengünstige Übergangslösung für alle Dornbirner. Kinder können spielen, Jugendliche können sich aufhalten und eine feine Zeit dort verbringen. Wobei ich gleich dazu sagen möchte, dass es wichtig wird, dass alle miteinander darauf schauen, dass es sauber und aufgeräumt bleibt.

Gibt es mittel- und langfristig auch Pläne?
Fäßler Wir haben viele Überlegungen, für die Jugendarbeit, vielleicht eine Turnhalle, eine Tiefgarage. Es ist ein großer Schulbezirk, das Areal kann man wunderbar nützen.
Hätten Sie gedacht, dass Sie der Bürgermeister sind, der Ikea nach Vorarlberg bringt?
Fäßler Vor dem 30. März 2025 hätte ich nicht gedacht, dass ich Bürgermeister bin (lacht). Mich hat es natürlich gefreut, dass Ikea die Kika-Ruine übernimmt. Der Ikea soll offen, grün und schön gestaltet werden, zeigen die ersten Pläne.

Sie haben es gerade gesagt: Sie wurden doch recht überraschend Bürgermeister. Wie hat sich Ihr Leben seitdem verändert?
Fäßler Wenn ich mit meiner Frau in Ruhe ausgehen möchte, dann kann ich das nicht mehr in Dornbirn tun (lacht). Aber mein Leben hat sich nicht dramatisch verändert. Ich habe weniger Zeit für Familie und Freunde. Das ist aber der einzige Wermutstropfen.
