“Wir sind gut vorbereitet”

Wetter / 24.03.2020 • 18:27 Uhr
Primarärztin Ruth Krumpholz erwartet Patientenströme. LKH Bludenz
Primarärztin Ruth Krumpholz erwartet Patientenströme. LKH Bludenz

Intensivmedizinerin Krumpholz steht vor größter Herausforderung.

Bludenz In den vergangenen zwei Wochen war Ruth Krumpholz, die Chefärztin des Krankenhauses Bludenz, damit beschäftigt, ihr Haus in ein Covid-Spital umzuwandeln. „Wir haben alle Routine-Operationen abgesagt, unsere Intensivstation erweitert und eine Triage-Ambulanz aufgebaut. Jetzt wird bei jedem Patienten, der das Spital betritt, zuerst abgeklärt, ob er infektiös ist.“ Krumpholz sorgte auch dafür, dass ausreichend Schutzbekleidung vorhanden ist. „Wir sind gut ausgerüstet mit Masken, Handschuhen, Brillen und Übermänteln. Das ist wichtig, denn nur so kann ich meine Mitarbeiter schützen.“ Die Primarärztin ist der Meinung, „dass wir sehr gut vorbereitet sind. Aber es werden trotzdem Menschen sterben, weil sie alt oder krank sind. Solche Menschen werden diese Infektion wahrscheinlich nicht überleben“.

Krumpholz und ihr Team erwarten Patientenströme. „Die ersten zwei Schwerkranken sind bereits in der Nacht auf Dienstag gekommen. Wir mussten sie beatmen.“ Die Intensivmedizinerin hofft, „dass der Ansturm langsam kommt und es kein Tsunami wie in Italien wird“. Die Bilder aus Italien stimmen sie sehr traurig. „Es ist ganz schlimm zum Anschauen.“ Dennoch bleibt Krumpholz zuversichtlich. „Wir werden es schon schaffen.“ Die Chefärztin steht vor großen Herausforderungen. Um ihnen gewachsen zu sein, achtet sie jetzt besonders gut auf sich. „Ich schaue, dass es mir gut geht und ich täglich einen kleinen Spaziergang machen kann.“

Stärke bewies Krumpholz schon oft in ihrem Leben. Als Schülerin – sie war eine sehr gute Schülerin – musste sich die Kärntnerin gegen ihren Vater durchsetzen. „Er wollte nicht, dass ich ein Studium absolviere. Er meinte, Frauen sollten heiraten und nicht studieren.“ Warum sie ausgerechnet Medizin studierte, erklärt sie so: „Als 14-Jährige war ich ziemlich krank. Ich musste zwölf Wochen im Spital verbringen. Die Arbeit der Ärzte faszinierte mir. Ich dachte mir: ,Diesen Beruf möchte ich auch einmal ausüben.‘“

Krumpholz studierte in Wien. Während des Studiums schenkte sie zwei Kindern das Leben. Dennoch meisterte sie das Medizinstudium in nur sechs Jahren. „Meine Mutter unterstützte mich. Außerdem bin ich ein sehr gut organisierter Mensch“, erklärt sie, wie ihr das gelang. Das dritte und letzte Kind kam, als sie den Turnus absolvierte. Danach ließ sich die dreifache Mutter im LKH Klagenfurt zur Fachärztin für Anästhesie und Intensivmedizin ausbilden. Dort arbeitete sie dann mehrere Jahre als Oberärztin. Als ausgebildete Gesundheitsmanagerin war sie zudem maßgeblich am Aufbau des OP-Managements am LKH Klagenfurt beteiligt.

Die Liebe verschlug Krumpholz im Jahr 2003 nach Vorarlberg. Hier arbeitete sie sich zur ersten Primarärztin Vorarlbergs hoch. Zunächst war sie fünf Jahre lang im LKH Feldkirch als Anästhesistin tätig. Als man 2008 im Spital in Bludenz einen Leiter für die Anästhesie suchte, bewarb sie sich, „weil ich einmal in der ersten Reihe stehen und mitgestalten wollte“. Zu ihrer Freude war ihre Bewerbung von Erfolg gekrönt. In Bludenz baute sie eine Überwachungsstation mit sechs Betten auf. Außerdem setzte sie sich für einen persönlicheren Umgang mit den Patienten und Angehörigen ein. Menschlichkeit, so ist sie der Meinung, sollte gerade im Krankenhaus nicht zu kurz kommen. „Deshalb beziehen wir Pflegekräfte bei Gesprächen mit Patienten und Angehörigen ein.“ 2013 übergab man Krumpholz die Verantwortung für das gesamte LKH Bludenz.

Und nun steht die Chefärztin vor ihrer bisher größten beruflichen Herausforderung: Es gilt, so viele Menschenleben wie möglich zu retten im Kampf gegen das Corona-virus. VN-kum

Zur Person

Ruth Krumpholz
wandelte in den vergangenen zwei Wochen das LKH Bludenz zu einem Covid-Spital um.

Geboren 30. November 1960 in Sankt Veit an der Glan

Wohnort Götzis

Hobbys joggen, lesen, in die Berge gehen

Familie drei erwachsene Kinder