Nie aufgehört zu lernen

Johanna Hefel (55): Erfolgreich dank unbändigem Wissensdurst.
Dornbirn Eine außergewöhnliche Wissbegierde – das zeichnete Johanna Hefel schon als Kind aus. „Ich habe meinen Eltern Löcher in den Bauch gefragt.“ Später äußerte sich diese Charaktereigenschaft in dem Drang, immer wieder Neues zu lernen. Das brachte die Arzttochter beruflich weit. Heute ist Hefel Professorin für Soziale Arbeit an der Fachhochschule Dornbirn. Bis dahin durchlief sie mehrere berufliche Stationen. Zunächst ließ sich die Dornbirnerin zur medizinisch-kaufmännischen Assistentin ausbilden. In diesem Beruf war die zweifache Mutter zehn Jahre tätig.
Als Arztassistentin erkannte sie, dass Gesundheit auch von sozialen Faktoren wie Bildung, Einkommen und Wohnumfeld abhängt. Bei ihr kam der Wunsch auf, Menschen in schwierigen Lebensverhältnissen zu unterstützen. Deshalb beschloss sie, sich zur Sozialarbeiterin ausbilden zu lassen. Während des berufsbegleitenden Studiums kündigte sie ihren Job und wechselte in die Sozialarbeit. Im Zuge eines EU-Projektes zum Thema Sex-Arbeit bekam sie eine Stelle in der Drogenberatungsstelle Hiob. „Ich machte Straßensozialarbeit und hatte mit süchtigen Frauen zu tun, die anschaffen gingen.“ Gleichzeitig arbeitete sie nächtens in einer Notschlafstelle. „Die soziale Arbeit gab mir Einblick in ganz andere Leben. Mich haben diese Menschen berührt, weil sie schon so viel überlebt und erlebt haben.“ Als das Projekt nach drei Jahren auslief, begann die Sozialarbeiterin beim IfS zu arbeiten. „Ich begleitete Jugendliche im Alltag.“ Ihre Wissbegierde mündete im Jahr 2000 darin, dass sie begann, berufsbegleitend Bildungs- und Erziehungswissenschaften und die Grundlagen der Psychotherapie zu studieren. „Ich wollte mehr übers Menschsein erfahren“, begründet sie diese Entscheidung.
Ihren ersten Schritt in Richtung Fachhochschule (FH) Dornbirn setzte Hefel im Jahr 2002. „Ich bekam einen Lehrauftrag und unterrichtete zum Thema ,Qualitätssicherung in der sozialen Arbeit‘.“ Zwei Jahre später bewarb sich die Erziehungswissenschaftlerin mit Erfolg an der FH Dornbirn als Hochschullehrerin im Fachbereich Soziales und Gesundheit. Als solche investierte sie viel Zeit und Energie in den Aufbau des Studienganges Soziale Arbeit. „Mir lag viel daran, die soziale Arbeit als Disziplin an der Hochschule einzuführen.“ Diese Pionierarbeit bereitete ihr viel Freude. Denn: „Ich liebe es, Neues aufzubauen.“ Auch die Mitgestaltung des Master-Studiums und der Aufbau fachlicher Netzwerke auf nationaler und internationaler Ebene waren für sie „tolle Herausforderungen“.
Hefel wäre nicht Hefel, hätte sie nicht einen höheren akademischen Grad angestrebt. Der Doktorats-Abschluss im Jahr 2017 war für sie „ein Meilenstein“ in der akademischen Laufbahn. Eigentlich wollte sie die Dissertation bereits im Jahre 2007 schreiben. Aber aufgrund einer schweren Erkrankung musste sie diesen Plan vorerst ad acta legen. „Die Krankheit zwang mich, mich mit der eigenen Endlichkeit auseinander zu setzen.“ Das Thema Verlust, Sterben und Tod rückte aber auch deshalb ins Zentrum ihres Interesses, weil sie ihre Eltern und einen Freund bis zum Tod begleitet hat. Das gipfelte schließlich darin, dass sie, einige Jahre später, zu diesem Thema die Doktorarbeit schrieb. Für ihre ausgezeichnete Dissertation „Verlust, Sterben und Tod“ wurde ihr der Österreichische Wissenschaftspreis für Soziale Arbeit verliehen.
Die Professorin, die gerade von einem mehrwöchigen Aufenthalt aus England zurückgekommen ist, wo sie zum Thema Gesellschaft und Sterben forschte, hat ein Ziel: „Ich möchte dieses Thema in die Lehre implementieren. Denn Sozialarbeiter sollen keine Scheu haben, mit ihren Klienten über das Sterben zu sprechen und sie bis ans Lebensende zu begleiten. VN-kum
Zur Person
Johanna Hefel
ist Hochschulprofessorin an der Fachhochschule Vorarlberg im Fachbereich Soziales und Gesundheit.
Geboren 5. Juni 1964
Wohnort Dornbirn
Familie geschieden, zwei Kinder
Hobbys Wandern, Radfahren, Lesen, Saxophon spielen