Im Dialog mit der Natur

Brandolf Höß aus Mäder lebt das Vorarlberger Alamannentum wie kein anderer.
Mäder. (VN-gs) Eine Filzkappe auf dem Kopf, einen Fuchspelz um den Hals, Wollgamaschen an den Füßen und ein Rock: So kennt man Brandolf Höß nicht nur in Mäder.
Schon längst wundert sich niemand mehr über seine seltsame, beinahe archaisch anmutende Erscheinung.
Der 42-Jährige trägt diese Kluft, sei es im Auto, im Supermarkt oder beim Zahnarzt. Er ist Alamanne und lebt dieses Leben des sechsten Jahrhunderts in Vorarlberg. Und mit ihm seine Familie. Auch seine Frau Heria und Mutter Valruna sieht man ständig in der Alamannentracht, sehr oft auch Töchterchen Arlind und Sohn Arulf. „Unsere modernen Kleider haben wir vor zwanzig Jahren der Caritas geschenkt“, sagt Brandolf, „jetzt tragen wir nur noch Alamannenkleider. Warum auch nicht? Die Stoffe sind von uns selbst gemacht und äußerst bequem.“ Ein weiterer Schritt aus den Zwängen der modernen Zivilisation.
Fasziniert von Naturvölkern
Der 42-Jährige war immer schon fasziniert von Naturvölkern und von der Art, wie sie mit der Natur sprechen. „So grub ich selbst in der Geschichte und stieß auf die Alamannen. Dieses Volk, ein germanischer Stammesbund, besiedelte um das Jahr 530 Vorarlberg. Das heutige Wissen über die Alamannen wird vor allem von der Archäologie getragen und von Schriftquellen gestützt.“ Die Begeisterung war entflammt und die Möglichkeit eines eigenen Dialogs mit der Natur geboren, wie er es nennt. Brandolf ist „Häuptling“ der „Alamannischen Brauchtums- und Kulturgemeinschaft Vorarlbergs“. Rund vierzehn Mitglieder zählt dieser „Alamannenkreis“ inzwischen, der 1996 als Verein eingetragen wurde. Mitten in der Rheintalgemeinde Mäder stampften die „Urvorarlberger“ ein authentisch rekonstruiertes Alamannendorf aus dem Boden.
Ein Langhaus aus Fachwerk mit Schilfdach, ein Grubenhaus, ein Backofen und ein Dorfheiligtum. Als Vorlage dienten Pläne aus dem Alamannenmuseum Ellwangen. Finanziell beteiligten sich die Gemeinde Mäder, das Land und der Verein selbst. Das Dorf selbst bauten sie jedoch im Schweiße ihres eigenen Angesichts.
Beliebtes Ausflugsziel
Es lohnte sich: Die Objekte sind ein beliebtes Ziel von Ausflüglern und solchen, die ab dem kommenden April wieder einmal im Monat Führungen in Anspruch nehmen.
Im Brotberuf arbeitet der „Häuptling“ als selbstständiger Wildnislehrer, der mehrtägige Programme durchführt, etwa für Schulen. Der Verein der „Alamannischen Brauchtums- und Kulturgemeinschaft Vorarlbergs“ streckt seine Fühler nicht nur im eigenen Land aus. Praktisch im ganzen deutschsprachigen Raum findet das historische Volk seine begeisterten Nachahmer.
Ab und zu werden befreundete Gruppen ins Land eingeladen, schlagen ihr Lager in Mäder auf und verstärken die Vorarlberger bei Aktivitäten wie „Reiseziel Museum“ oder in der „Langen Nacht der Museen“.
Der Vorarlberger Verein selbst trifft sich regelmäßig entweder zum „Thing“ mit Gleichgesinnten etwa in der Schweiz, in Bayern oder im Schwarzwald, zu den Markttagen oder zur Schlacht gegen die Römer der „Legio XXI Rapax“.
Jetzt tragen wir nur noch Alamannenkleidung.
Brandolf Höß
Zur Person
Brandolf Höß
Geboren: 14. November 1973
Wohnort: Mäder
Familie: verheiratet, zwei Kinder
Ausbildung: Fachschule für Landwirtschaft
Beruf: Wildnislehrer
Hobby: Leben als Alamanne