Jungkapitäne übernehmen das Ruder am Bodensee: “Plötzlich kommt der Wind und du hast 300 Menschen an Bord”

16.04.2026 • 14:32 Uhr
Jungkapitäne übernehmen das Ruder am Bodensee: "Plötzlich kommt der Wind und du hast 300 Menschen an Bord"
Die Kapitäne Raimund Rümmele und Stefan Frei-Springer. Roland Paulitsch

Das Wetter am Bodensee kann sich innerhalb von zehn Minuten total verändern. Es gibt keine Routine, nur gute Nerven und Ruhe.

Darum geht’s:

  • Jungkapitäne übernehmen Verantwortung auf Bodensee-Schiffen.
  • Technik und Erfahrung entscheidend bei Wetteränderungen.
  • Bodensee bleibt Anziehungspunkt für Gäste und Einheimische.

BREGENZ Wenn Raimund Rümmele oder Stefan Frei-Springer morgens ihre Schiffe betreten, wissen sie nie genau, wie der Tag endet. “Der Bodensee entscheidet, oft muss man schnell reagieren”, so Jungkapitän Raimund Rümmele. Wenn er über seinen Beruf spricht, klingt es fast selbstverständlich. “Das war schon früh mein Wunsch”, sagt er. Heute steht der gelernte Tischler am Steuer großer Kursschiffe auf dem Bodensee und trägt Verantwortung für Schiff, Crew und Hunderte Passagiere.

Jungkapitäne übernehmen das Ruder am Bodensee: "Plötzlich kommt der Wind und du hast 300 Menschen an Bord"
Raimund Rümmele ist stolzer Kapitän der Schiffe “Stadt Bregenz” und “Alpenstadt Bludenz”.

Seit zehn Jahren ist Rümmele bei der Schifffahrt, ein Quereinsteiger mit handwerklichem Hintergrund. Was ihn bis heute fasziniert, ist nicht nur die Weite des Sees, sondern vor allem das Innenleben der Schiffe: die Motoren, der Antrieb und die Technik faszinieren den jungen Mann. “Für jemanden aus dem Handwerk ist das extrem spannend”, sagt er. Vieles werde an Bord selbst gemacht – vom Service bis zu kleineren Umbauten.

Jungkapitäne übernehmen das Ruder am Bodensee: "Plötzlich kommt der Wind und du hast 300 Menschen an Bord"
Stefan Frei-Springer liebt seine Arbeit als Kapitän und kennt den See sehr gut. Roland Paulitsch

Der Weg zum Kapitän ist kein kurzer. Viele Fahrstunden, Erfahrung auf unterschiedlichen Schiffen und ein geschulter Blick für Wetter und Wasser sind Voraussetzung. “Jede Fahrt ist eine Übungsfahrt”, sagt auch Stefan Frei-Springer, der ebenfalls zur neuen Generation am Steuer zählt. “Der See ist jeden Tag anders, man lernt nie aus.”

Technik und Können gehen Hand in Hand

Diese Unberechenbarkeit ist es, die den Bodensee besonders macht. Innerhalb weniger Minuten kann sich das Wetter ändern, Wind und Wellen entstehen scheinbar aus dem Nichts. Für die Kapitäne bedeutet das: vorausschauend fahren, ständig beobachten, Technik und Erfahrung kombinieren. Radar, Wetter-Apps und Routine greifen ineinander – am Ende entscheidet aber immer auch das Gefühl.

Jungkapitäne übernehmen das Ruder am Bodensee: "Plötzlich kommt der Wind und du hast 300 Menschen an Bord"
Die Jungkapitäne auf ihrem Arbeitsplatz “dem Schiff”. Roland Paulitsch

Mit dem Generationswechsel wächst eine neue Verantwortung. Viele erfahrene Kapitäne sind inzwischen in Pension, Wissen wird weitergegeben. “Es ist eine Ehre, aber auch eine Aufgabe”, sagt Frei-Springer. Besonders wichtig sei das, was die Älteren vorgelebt haben: Ruhe bewahren und Vertrauen in die eigene Entscheidung haben. Große Veränderungen brauche es nicht. “Die Schifffahrt funktioniert seit über 100 Jahren, da wurde viel richtig gemacht.”

Der Beruf ist sowohl körperlich als auch mental sehr fordernd. Gleichzeitig öffnet sich der Blick zunehmend in die Richtung, dass auch Frauen Teil der Crew sind. “Auf dem Bodensee sind Matrosinnen und Kapitäninnen unterwegs”, wissen die Jungkapitäne zu berichten.

Das Panorama als Erfüllung

Und doch sind es oft die stillen Momente, die bleiben. Für Frei-Springer ist es nicht die große Fahrt, sondern der Blick zurück nach Bregenz. “Wenn der Pfänder oder das Ufer im Abendlicht leuchten, die Stadt langsam zur Ruhe kommt – das ist jedes Mal besonders.” Oder wenn nach Regen die Hänge sattgrün erscheinen und Nebel aus den Wäldern zieht. “Das sind die Augenblicke, die man nicht vergisst.”

Jungkapitäne übernehmen das Ruder am Bodensee: "Plötzlich kommt der Wind und du hast 300 Menschen an Bord"
Sonnenuntergang am Kaiserstrand in Lochau. Privat

Und die Zukunft? Die Technik werde sich weiterentwickeln, sagen die Kapitäne. Doch eines werde bleiben: der Bodensee als Anziehungspunkt für Gäste und Einheimische mit vielen Sonnenuntergängen. Ein Ort, der sich ständig verändert und doch vertraut bleibt.

Tag der Schifffahrt

Sonntag, 19. April 2026

Hafen Bregenz

11 bis 17 Uhr