Ganz vernarrt in Bücher

Wetter / 22.02.2015 • 18:36 Uhr
Christa Küng liebt Bücher. Ihre Freude an schönen Geschichten gibt sie mit gleicher Leidenschaft auch an Kinder weiter. Foto: VN/Hartinger

Christa Küng liebt Bücher. Ihre Freude an schönen Geschichten gibt sie mit gleicher Leidenschaft auch an Kinder weiter. Foto: VN/Hartinger

Deshalb engagiert sich Christa Küng beim Caritas-Projekt „Ganz Ohr“ als Lesepatin. 

dornbirn. (VN-mm) Mit sechseinhalb Jahren bekam sie ihr erstes eigenes Buch. Daran erinnert sich Christa Küng noch genau. Sie berichtet von einem Grimm-Märchenbuch, das unter dem Christbaum lag, und das sie so sehr faszinierte, dass sie nicht einmal in die Mette gehen wollte. „Nur damit ich das Buch nicht aus den Händen geben musste“, merkt Christa Küng lächelnd an. Denn dort, wo sie aufwuchs, nämlich auf dem Land, war nicht so leicht an Lesestoff zu kommen. Doch das Christkind hatte den Grundstein für die Leidenschaft zu Büchern und zum Lesen gelegt. Die Saat ging auf und sie gedeiht immer noch. Neben ihrer Arbeit als Buchhändlerin ist Christa Küng ehrenamtlich beim Caritas-Projekt „Ganz Ohr“ als Lesepatin für Kinder engagiert.

Geselligkeit fördern

Demnächst will sie auch noch die Schulung als Lesepatin für Senioren absolvieren. „Durch Erfahrungen im privaten Umfeld ist mir bewusst geworden, wie wichtig es ist, mit alten Menschen in Pflegeheimen in Kommunikation zu treten“, erzählt sie. Vielen Senioren, weiß die patente Frau, ist es nicht mehr möglich, selbst zu lesen. „Aber durch das Vorlesen können sie wieder am gesellschaftlichen Leben teilhaben und sich austauschen.“ Zudem würden durch das Vorlesen der aktive Wortschatz sowie die Konzentration gefördert. „Und vielleicht auch ein bisschen die Geselligkeit“, wünscht sich Christa Küng. An Lektüre fehlt es nicht. Als Buchhändlerin kennt sie die Szene. Viele Verlage reagieren auf Themen wie Demenz und höhere Lebenserwartung und bieten entsprechende Bücher an. Von der Initiative „Ganz Ohr“ hat die Mutter von zwei erwachsenen Kindern vor einigen Jahren gelesen. Sie fühlte sich gleich angesprochen. „Das Interesse an Büchern zu verbreiten, Kinder an Sprache, Bildern und Wörtern teilhaben zu lassen und Brücken zu bauen zwischen Wörtern und Vorstellungen, die Fantasie anzuregen und Gedanken auszudrücken, das wollte ich gerne unterstützen.“ Christa Küng gerät immer noch ins Schwärmen, wenn das Gespräch auf die Aktion kommt.

Zeit und Aufmerksamkeit

Noch etwas hat sie bewogen, sich zu melden. „Vorlesen und Erzählen ist gleichbedeutend mit dem Schenken von Zeit und Aufmerksamkeit. Genau das brauchen Kinder und ältere Menschen“, ist sie überzeugt. Als gute Vorbereitung auf ihre neue Tätigkeit bezeichnet Christa Küng die von der Caritas angebotenen Workshops. „Die Veranstaltungen waren hervorragend organisiert und die Referenten kompetent.“ Da habe es wirklich Spaß gemacht, immer wieder Neues kennenzulernen. Auch die regelmäßigen Austauschtreffen empfindet sie als inspirierend, bereichernd. Ein ganz besonderes Erlebnis sind für die Vorleserin jedoch die Kinder, wie sie erwartungsvoll ihrer Stimme und den Geschichten lauschen.

Sie selbst wurde in der Pubertät so richtig zum Büchernarr. „Narziss und Goldmund“ von Hermann Hesse las Christa Küng mehrere Male. Bücher auch inhaltlich zu erfassen und Gedichte zu interpretieren, hat sie mit Freude erfüllt. So stand bald fest, dass der Beruf etwas mit Büchern zu tun haben musste. „Buchhändlerin, das ist auch heute noch, so kurz vor der Pensionierung, mein Traumberuf“, resümiert die sympathische Blondine. Allerdings fehlt es ihr oft an der Zeit fürs Lesen. So liegen die Biografie über Aung San Suu Kyi und von Schrobsdorff die „Briefe an die Mutter“ ungelesen auf dem Nachttisch. Doch was nicht ist, wird sicher noch.

Vorlesen und Erzählen ist gleichbedeutend mit Zeit schenken.

Christa Küng

Zur Person

Christa Küng

Geboren: Juni 1955

Familie: verheiratet, 2 Kinder

Beruf: Buchhändlerin, seit 1976 in Vorarlberg, vorher in Innsbruck im Buchhandel tätig

Hobbys: Lesen, Singen, Pilgerwege gehen