Venedig verbannt Riesen-Kreuzer

Welt / 26.03.2021 • 22:16 Uhr
Vor der Pandemie haben Kreuzfahrtschiffe jedes Jahr Massen von Besuchern in die Lagunenstadt gebracht. AFP
Vor der Pandemie haben Kreuzfahrtschiffe jedes Jahr Massen von Besuchern in die Lagunenstadt gebracht. AFP

Kreuzfahrtschiffe dürfen künftig nicht mehr in der Nähe des Markusplatzes anlegen.

Venedig Venedig will Kreuzfahrtschiffe nicht mehr so nah an seinen historischen Stätten wie dem Markusplatz ankern lassen. Die großen Schiffe sollten künftig übergangsweise vielmehr in einem Industriehafen der norditalienischen Lagunenstadt anlegen, wie vier Ministerien, darunter die für Infrastruktur und Tourismus,  gemeinsam mitteilten. Auf diese Weise solle ein historisches und kulturelles Erbe nicht nur Italiens, sondern der ganzen Welt geschützt werden. Außerdem hätten die Minister beschlossen, einen Ideenwettbewerb zu starten, um das Problem der Durchfahrt von großen Schiffen in Venedig strukturell und endgültig zu lösen, hieß es in der Mitteilung weiter. Laut Nachrichtenagentur Ansa soll ein neues Kreuzfahrtterminal gebaut werden.

Seit Jahren wird darüber gestritten, dass die Kreuzfahrtschiffe Umwelt und Substanz der Stadt zerstören. Auf nur noch etwa 50.000 Einwohner kommt die Unesco-Welterbestadt. Dafür ist der Tourismus bis zum Ausbruch der Coronapandemie im letzten Jahr kontinuierlich gestiegen. Vor der Coronapandemie kamen jedes Jahr Millionen Besucher nach Venedig. Vor allem Kreuzfahrtschiffe brachten Massen an Reisenden in die Lagunenstadt, was vielen Venezianern zu viel wurde. Von den riesigen Schiffen verursachte Wellen schaden den Fundamenten der zum Weltkulturerbe gehörenden Lagunenstadt Venedig und bedrohen das sensible ökologische Gleichgewicht in der Lagune. Die extrem nah vor der Küste fahrenden Schiffe stellen zudem eine Gefahr für andere Schiffe dar.

Mehr Nachhaltigkeit

Venedig will sich jetzt schon für die kommenden Touristenströme wappnen. Zusammen mit Florenz wollen die beiden Vorzeige-Kunststädte Italiens ihren Tourismus und Nahverkehr nachhaltiger machen und zum Beispiel online vermietete Ferienwohnungen stärker kontrollieren. „Mit den am Donnerstag gestarteten Feierlichkeiten zur Stadtgründung vor 1600 Jahren will Venedig das ganze Jahr Touristen anziehen“, sagt der Kulturreferent Venedigs, Simone Venturini. Verschiedene Feierlichkeiten sind bis März 2022 geplant. 

Marco Gasparinetti, er ist Teil einer Bewegung für die Rechte von Bürgern in Venedig, wünscht sich dagegen, dass die Lagunenstadt wieder mehr Einwohner gewinnt und neue Arbeitsmöglichkeiten entstehen.