Umstrittenes Tunnelprojekt

Archäologen sorgen sich um Weltkulturerbe Stonehenge.
London Gegen die Empfehlung von Experten hat die britische Regierung Pläne für ein Tunnelprojekt nahe dem Weltkulturerbe Stonehenge bewilligt. Am Donnerstag stimmte Verkehrsminister Grant Shapps den insgesamt schätzungsweise umgerechnet etwa 1,8 Milliarden Euro teuren Plänen zu, für die das Erdreich in der Nähe der prähistorischen Stätte aufgebrochen werden muss. Befürworter erhoffen sich von dem Projekt eine Verkehrsentlastung und positive Umwelteffekte. Der Tunnel soll eine Schnellstraße entlasten, die nahe dem Monument nur einspurig verläuft und häufig überlastet ist. Verkehr soll nahe Stonehenge nicht mehr sichtbar sein. Gegner des Projekts – außer der britischen Planungsbehörde insbesondere Anwohner und Archäologen – erwarten teils das Gegenteil: Schäden für Umwelt und Tiere. Vor allem aber sorgen sie sich um Schäden an der Weltkulturerbestätte.
In einem Zeitfenster von sechs Wochen können Gegner gerichtlich Einspruch gegen das Bauvorhaben einlegen. Im Frühjahr soll mit den ersten Arbeiten begonnen werden, 2023 beginnt nach aktueller Planung die Hauptbauphase, die fünf Jahre dauern soll. Am Ende soll ein zwei Meilen, also etwa 3,2 Kilometer langer unterirdischer Tunnel stehen.
Die „Stonehenge Alliance“, eine Gruppe, die gegen das Projekt mobil macht, erklärte ihr tiefes Bedauern und kündigte an, rund um den Globus werde man mit einem „Schock“ auf die Entscheidung reagieren. Der Plan stelle zudem einen Bruch der internationalen Verpflichtung des Vereinigten Königreichs dar, die Weltkulturerbestätte zu schützen.
Der Vorsitzende, Historiker Tom Holland, erklärte, die Entscheidung, riesige Mengen von Asphalt und Beton in Britanniens prähistorisch bedeutsamste Landschaft zu injizieren, sei zugleich verschwenderisch und frevelhaft.