Deswegen ist die S18 noch Jahre von einem Verfahren entfernt

Zwar ist das Vorprojekt praktisch fertig, jedoch nicht die umfangreichen Planungen für das UVP-Verfahren.
Bregenz Die S18. Ein Phantom, das seit Jahrzehnten durch das Rheintal geistert. Bodensee-Schnellstraße wird das Projekt auch genannt. Die Bezeichnung für etwas, das über Generationen Emotionen bündelt, jedoch unvollendet im Planungsstadium verharrt. Klar, den politischen Willen zur Umsetzung der hochrangigen Verbindungsstraße zwischen österreichischer und Schweizer Autobahn bekundeten Bund und Land gerade unlängst wieder.
Landeshauptmann Markus Wallner und Verkehrsminister Peter Hanke sprachen von der Weiterentwicklung des Bauvorhabens, dessen Kosten laut Asfinag bei 2,2 Milliarden Euro liegen. Für die bisherigen Planungen wurden bereits 23,7 Millionen Euro aufgewendet. Aber was ist derzeit Stand der Dinge?
Lustenauer Widerstand
“Wir befinden uns in der Endabwicklung des Vorprojekts. Bis Ende dieses Monats sollten die geforderten Nachjustierungen erledigt sein und das Paket ans Ministerium weitergeleitet werden können”, sagt Günter Fritz (56), Projektleiter der Asfinag-Baumanagement GmbH und seit Jahren mit der Entwicklung der S18 beschäftigt.

Freilich, das Vorprojekt ist die eine Sache. Die Erstellung des umfangreichen Unterlagenkatalogs für den Eintritt ins Verfahren samt UVP eine andere. Zudem hat der Widerstand gegen die S18 in breiten Teilen der Bevölkerung, frisch befeuert durch das klare Ergebnis einer Volksbefragung in Lustenau 2023, eine neue Dimension erreicht. Weit mehr als zwei Drittel der Teilnehmer sprachen sich dabei gegen das Engagement der Gemeinde für die S18 aus.

Die Bodensee-Schnellstraße ist als sogenannte CP-Variante vorgesehen. Eine 8,5 Kilometer lange Trasse, die von der Autobahnausfahrt Dornbirn West Richtung Lustenau führt, auf ungefährer Höhe des Schützenhauses an der L204 nach Osten weitergeht und beim Auer Ried nahe der Zellgasse in die Schweiz mündet. Für die Trasse ist im gesamten Siedlungsbereich bis in die Schweiz eine Untertunnelung vorgesehen.
Gestrichen wurde im aktualisierten Routenplan die ursprünglich vorgesehene Anschlussstelle Hofsteigstraße, bei Höchst ist nur noch ein Halbanschluss geplant.

Baugrund schlecht, aber …
“Wir von der Asfinag haben uns nicht nach dem Ergebnis einer Volksbefragung zu richten. Wir haben einen gesetzlichen Auftrag zu erfüllen. Und der lautet: die Entwicklung der Bodensee-Schnellstraße in der vorliegenden Variante zu bewerkstelligen”, stellt Fritz klar.
Konkret erarbeiten die Planer unter anderem detaillierte Informationen über den Baugrund im Ried, über die Pflanzen- und Tierwelt. Das alles wurde zwar bereits gemacht, doch jetzt geht es um Daten und Fakten auf aktuellstem Stand. “Diese Erkundungen sind alle sehr komplex und müssen eine gesamte Vegetationsperiode berücksichtigen”, erklärt der Experte. Technische Details, exakte Trassenführung, Planungen der Anschlussstellen sind andere Punkte, die sich im umfangreichen Unterlagen-Portfolio finden. Dass der Baugrund im Ried schlecht ist, räumt Fritz ein. “Aber wir können das technisch lösen”, verweist er auf seine Experten.

Gewessler-Route out
Wiederholt betont Fritz den Umstand, “dass im vorliegenden Plan vier Straßen durchs Ried aufgelassen werden. Es sind dies die Senderstraße, die Hofsteigstraße, die Zellgasse und die Höchsterstraße. Ich möchte auch darauf hinweisen, dass derzeit täglich mehr Kraftfahrzeuge durch die zwei Routen durchs Ried fahren als durch den Arlberg-Tunnel.” Laut Asfinag sind es derzeit 16.000 Fahrzeuge, die beim Sender von Hofsteigstraße und Senderstraße das Ried passieren.

Kein Thema mehr für die Planer ist die von der früheren Mobilitätsministerin Leonore Gewessler ins Spiel gebrachte Südvariante 3.1 vom Knoten Dornbirn Süd in die Schweiz.