KLIMA-Wahlen

Vorarlberg / 01.08.2024 • 09:45 Uhr
KLIMA-Wahlen

Am Dienstagmorgen holte ich die VN beim Postkasten. Und da prangte gleich als große Überschrift eine gute Nachricht für den Klimaschutz: „Ölkessel verliert weiter an Bedeutung“. Gleich darunter: „Interesse an Umstieg auf erneuerbare Heizsyteme steigt. Beratungen auf Rekordniveau“. Die meisten Beratungen sind für den Heizungstausch, wohlgemerkt. Dabei ist das Interesse für Wärmepumpen besonders hoch.

„Werden Politikerinnen und Politiker nach echten, konkreten Antworten gefragt werden?“

Eine weitere gute Nachricht ist zwar schon ein paar Wochen alt, aber trotzdem und auch weiterhin oftmals erwähnenswert: Der Nibelungenplatz in Tulln wurde klimafit umgebaut. Wo es vorher einen Parkplatz für über 200 Autos gab, ist jetzt eine Grünoase rund um das Tullner Rathaus entstanden. Für mich ist das in mehrerlei Hinsicht ein Leuchtturmprojekt für ganz Österreich. Vor dem Umbau war der Großteil des Platzes versiegelt, jetzt kann auf 93% der Fläche Wasser versickern. Und 38 Bäume wurden gepflanzt. Das ist wichtig für die Beschattung, und somit für eine hohe Aufenthaltsqualität und zur Bekämpfung der Wärme- und Hitzeinsel in der Stadt.

Aber nicht nur die neue Gestaltung ist für mich so herausragend, sondern auch, dass Bürgermeister Peter Eisenschenk und seine Mitstreiter dieses Projekt gegen bestehende Strukturen umgesetzt haben. Hut ab! Und ganz nebenbei ändert sich durch die neue Nutzung auch das Bewusstsein der Menschen für unsere Städte und das wiederum bringt auch positive Auswirkungen für die Mobiltiätswende!

Diese beiden guten Nachrichten zeigen auf, wie es uns gelingen kann, die Klimakrise in den Griff zu bekommen. Einerseits ist es unerlässlich, den CO2 Ausstoß schnellstmöglich auf null zu bekommen. Andererseits sind Anpassungen an die Folgen der schon vorhandenen Klimaveränderungen nötig.

Denn im Juli haben wir wieder neue Höchstwerte der globalen Temperatur erlebt, Unwetter mit Starkregen, Sturzfluten und Überflutungen sind mehrfach mit nur wenigen Tagen Abstand über Österreich gezogen, und Hitze ist die tödlichste Naturgefahr, wie es Marc Olefs, Leiter der Abteilung Klimaforschung der Geosphere Austria, ausgedrückt hat.

Deshalb bin ich schon sehr gespannt, wie die Klimakrise in den beiden Wahlkämpfen im Herbst in Medien thematisiert werden wird. Werden Politikerinnen und Politiker nach echten, konkreten Antworten gefragt werden? Wird es fundierte Analysen geben, wie sich die skizzierte Politik aufs Klima, auf die Anpassung und somit auf unsere Lebensgrundlage auswirkt? Es geht um nichts weniger als die fünf entscheidenden Jahre in der Klimapolitik, und damit mehr denn je um unsere Zukunft.

Der Vorarlberger Simon Tschannett ist Meteorologe und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema Stadtklimatologie.