Nach einer Krebserkrankung lacht Ela wieder

Vorarlberg / 05.03.2022 • 13:00 Uhr
Nach einer Krebserkrankung lacht Ela wieder
Ela Ates hat schwere Jahre hinter sich. Aber heute kann sie wieder lachen. kum

Ela Ates (16) war ein fröhliches Mädchen, bis ein Tumor in ihrem Kopf entdeckt wurde.

Bregenz Ela Ates (16) war ein fröhliches Mädchen. „Ich habe jeden Tag gelacht.“  Aber dann passierte etwas, das ihre Fröhlichkeit zutiefst erschütterte. 2019 litt die Gymnasiastin immer wieder an Kopfweh. „In den Sommerferien ging es mir richtig schlecht. Mir war übel und schwindelig. Ich sah auch nicht mehr richtig.“ Weil das Mädchen plötzlich schielte und Doppelbilder sah, suchte Ela mit ihrer Mutter Yasemin eine Augenärztin auf. Diese schlug Alarm. „Da ist etwas in deinem Gehirn, das auf den Sehnerv drückt.“ Die Fachärztin riet Ela und ihrer Mutter zu einer sofortigen MRT-Untersuchung im Krankenhaus Feldkirch.

Die Untersuchung brachte Niederschmetterndes zutage. Man entdeckte in Elas Kopf einen Tumor. Die Diagnose schockte das Mädchen. „Ich musste weinen. So etwas Schlimmes hatte ich nicht erwartet.“ Tags darauf wurde die 13-Jährige in der Innsbrucker Klinik operiert. „Die Ärzte konnten nicht den ganzen Tumor herausoperieren.  Aber sie sagten, dass er gutartig ist.“ Im Labor stellte man fest, dass das Gewächs bösartig war. „Das war nochmals ein Schock für mich.“

Halbseitig gelähmt

Das krebskranke Mädchen musste sich einer Strahlen- und Chemotherapie unterziehen. Diese brachten den Tumor an der Hirnanhangdrüse zum Verschwinden. „Aber die Ärzte sagten uns, dass er wiederkommen könne und man dann nichts mehr für mich tun könne,“ sagt Ela und wirkt erstaunlich gefasst. Was hinter ihr liegt, scheint sie stark gemacht zu haben.

Nach der Operation war Ela halbseitig gelähmt, ein „Pflegefall“, wie ihre Mutter erzählt.  „Ela konnte nicht mehr allein duschen und nicht mehr ohne unsere Hilfe gehen. Außerdem war ihr Orientierungssinn schwer beeinträchtigt. Sie hätte allein nicht mehr nach Hause gefunden.“ Das Lachen war aus Elas Leben verschwunden, auch im wörtlichen Sinne. „Weil meine linke Seite gelähmt war, konnte ich nicht mehr richtig lachen.“ Ela war nicht mehr Ela. „Ihr Wesen war nach der Operation verändert. Sie war ungewöhnlich aggressiv und hatte wegen Kleinigkeiten Wutanfälle“, berichtet ihre Mama.

Ela mit ihrer Mutter Yasemin.  Sie war Ela eine große Stütze. Auch Papa Mustafa und ihre sechs Geschwister trugen dazu bei, dass es Ela heute wieder besser geht.
Ela mit ihrer Mutter Yasemin. Sie war Ela eine große Stütze. Auch Papa Mustafa und ihre sechs Geschwister trugen dazu bei, dass es Ela heute wieder besser geht.

Der Teenager versank in einem Sumpf der Negativität und Hoffnungslosigkeit. „Ich konnte meine Krankheit nicht akzeptieren und dachte, dass ich nicht mehr gesund werde.“ Aber dann begann sich ihr körperlicher Zustand schrittweise zu bessern und parallel dazu auch ihr psychischer. Es waren Meilensteine für sie, als sie ihren linken Arm wieder heben konnte, ihre Fremdsprachenkenntnisse und ihr Lachen zurückkamen und sie bei einem Spaziergang mit der Oma plötzlich wieder wusste, wo der Weg nach Hause abzweigte.

Das Leben verlangte Ela in den vergangenen zwei Jahren viel ab. Unter anderem zwang es sie, einen großen Traum zu begraben. „Ich wollte Jus studieren und Rechtsanwältin werden, weil ich gerne Menschen helfe und gut argumentieren kann.“ Aber die ehemals gute Schülerin, die Freunden gerne und oft Nachhilfe gab, musste das Gymnasium abbrechen, weil sie im Unterricht Kopfweh bekam und sich nicht mehr konzentrieren konnte.

Ela mit ihrem Liebling Senta.
Ela mit ihrem Liebling Senta.

Der jungen Bregenzerin gelang das Kunststück, ihre Träume der Wirklichkeit anzupassen. „Ich träume weiter. Jetzt ist es mein Traum, im Verkauf zu arbeiten. Ich suche gerade nach einer Lehrstelle.“ Ela verstand, dass man gegen die Realität nicht ankommt und dass man leidet, wenn man sich im Krieg mit der Wirklichkeit befindet. „Es ist, wie es ist. Ich muss mein Schicksal akzeptieren, weil ich es nicht ändern kann.“ Sie ist erst 16, aber schon sehr weise. „Das Leben ist keine Schokolade. Man hat keine Wahl“, meint die junge Frau, die lebenslang Medikamente einnehmen muss, weil ihre Hirnanhangdrüse nicht mehr richtig funktioniert.

Ela fühlt sich für die Zukunft gewappnet. „Ich habe keine Angst vor dem, was kommt, denn ich bin eine Kämpferin. Wenn was Schlechtes kommt, kämpfe ich wieder.“ Sie findet Gefallen an dem Gedanken, ein Stehauffrauchen zu sein, so sehr, dass sie breit zu lächeln beginnt.