Mit Frauen am Seil hoch hinauf

Vorarlberg / 24.08.2021 • 11:00 Uhr
Mit Frauen am Seil hoch hinauf
Martin Bentele fühlt sich immer wohl in den Bergen, ob bei Schnee oder Sonne.

Martin Bentele engagiert sich für das Frauenbergsteigen.

Bregenz „Warum gibt es so wenige Frauen, die hochalpine Touren führen?“ Martin Bentele (65) beschäftigte sich immer wieder einmal mit dieser Frage. Eine Antwort lautet: „Viele trauen es sich nicht zu“, aber: „Warum eigentlich nicht?“, fügt er an und verweist auf die Geschichte des Alpinismus, die belege, welch großartige Leistungen Frauen in den Bergen schon erbracht hätten und immer noch erbringen. Offenbar spielen aber auch tradierte Rollen mit. „Ich fühle mich bei einem Mann sicherer“, bekam Martin Bentele bei einer Ausbildungswoche der Naturfreunde in der Silvretta von einer Teilnehmerin zu hören. Er will das so nicht stehenlassen und Frauen ermutigen, eine nach wie vor von Männern beherrschte Domäne zumindest ein bisschen aufzumischen. Deshalb führt der inzwischen pensionierte Sozialarbeiter seit einigen Jahren regelmäßig Kurse unter dem Motto „Frauen Berg Steigen“ durch. „Ich bin sicher, dass viele Frauen den Wunsch haben, mit mehr Selbstständigkeit und Kompetenz in die Berge zu gehen“, sagt Bentele.

Wissen weitergeben

Ihn hat es von Kindesbeinen an ins Gelände gezogen. „Mein Bruder und ich waren gerne am Pfänder oder Känzele unterwegs“, erinnert sich Martin Bentele an viele gemeinsame Abenteuer, die in ihm die Liebe zu den Bergen weckten. 1980 absolvierte er bei den Naturfreunden den ersten Alpinkurs und bildete sich in der Folge bis zum Instruktor Hochalpin weiter. In den 1980er-Jahren fanden auf seinen Vorschlag hin auch die ersten Kurse für Frauenbergsteigen in der Silvretta statt. Irgendwann schliefen diese Aktivitäten jedoch ein. Erst vor ein paar Jahren wurden sie wieder reaktiviert. Getan hat sich in der Zwischenzeit wenig. „Es gibt bei den Naturfreunden lediglich zwei Instruktorinnen für alpine Touren“, erzählt Bentele. Ein Umstand, den er mit seinem Engagement gerne ändern möchte. „Gerade das Hochgebirge lockt mit seiner Urspünglichkeit und besonderen Schönheit. Wir erfahren uns tief berührt, oft gefordert, aber auch glücklich“, schildert er seine Erfahrungen, die er, gepaart mit Wissen um das richtige Verhalten in den oft unwirtlichen und gefährlichen Zonen den Frauen weitergeben will.

Martin Bentele schaut genau hin, denn der richtige Griff kann am Berg lebensrettend sein.
Martin Bentele schaut genau hin, denn der richtige Griff kann am Berg lebensrettend sein.

Lernen und erfahren

In dieser einmal jährlich durchgeführten speziellen Ausbildungswoche der Naturfreunde Vorarlberg haben Frauen jeden Alters die Möglichkeit, sich grundlegende Kenntnisse und Fähigkeiten für das Bergsteigen im Hochgebirge anzueignen bzw. zu vertiefen oder auszubauen. Mit gutem Beispiel vorangehend, hat Martin Bentele dabei mit Tamara Rautinger auch eine erfahrene Bergsteigerin an seiner Seite. Gelernt und erfahren wird, was für ein sicheres Steigen im Gelände notwendig ist: Tourenplanung, Wetterkunde, Klettertechnik, Gletscherbegehung, Spaltenbergung, Sicherungstechniken, Erste Hilfe, aber auch Kenntnisse über Blumen, Tiere und Landschaft werden vermittelt. Bentele will die Frauen in einer aktiven Rolle sehen, denn: „Das schafft Selbstbewusstsein und Vertrauen in sich selbst.“ Am diesjährigen „Frauen Berg Steigen“ nahmen sieben Frauen im Alter zwischen 30 und 55 Jahren teil. Im Herbst ist eine gemeinsame Tour auf den Piz Buin geplant. Bentele selbst braucht keine weiten Reisen und Expeditionen. Er fühlt sich in den Bergen vor der Haustür wohl. Eigentlich wollte der Supervisor ja Sportlehrer werden. Doch die beruflichen Pläne änderten sich. „Jetzt bin ich eben Berglehrer“, sagt Martin Bentele mit einem spitzbübischen Lächeln.

Martin Bentele übte mit den Frauen auch richtiges Verhalten auf dem Gletscher.
Martin Bentele übte mit den Frauen auch richtiges Verhalten auf dem Gletscher.