“100 Jahre Luis”: Wandergruppe feiert ihr ältestes Mitglied

Wanderfreunde überraschen Luis Witzemann zum 100er im Café Katrina.
Dornbirn Es ist Dienstag – und damit für Luis Witzemann ein besonderer Tag. Seit Jahren schnürt der Dornbirner an diesem Wochentag seine Wanderschuhe, zieht mit seiner Gruppe durch den Bregenzerwald und Umgebung und genießt danach das gesellige Beisammensein. Dass ausgerechnet dieser “heilige Tag” nun zur Bühne für seinen 100. Geburtstag (den er bereits am 30. März feierte) werden würde, wusste der Jubilar allerdings nicht.

Als Luis Witzemann am 2. April das Café Katrina betritt, staunt er nicht schlecht. Seine Wanderfreunde stehen schon bereit – alle in eigens gestalteten T-Shirts mit seinem Konterfei. Die Überraschung ist gelungen. “Damit habe ich wirklich nicht gerechnet”, erzählt er im Nachgang, und es ist ein Moment, der sinnbildlich für das steht, was ihn durch sein ganzes, langes und erfülltes Leben begleitet: Freundschaft, Bewegung und eine große Portion Lebensfreude.
100 Jahre in Bewegung
Bewegung gehört für ihn einfach dazu – und vielleicht ist genau das das Geheimnis, wie man mit 100 Jahren noch so bemerkenswert fit sein kann. Ein Geheimrezept will bzw. kann er dennoch nicht verraten. “Gute Gene und eine ordentliche Portion Glück”, sagt er bescheiden. “Und vor allem die Freude am Miteinander.”
In der Dienstagswandergruppe, bestehend aus neun Frauen und zwei Männern (alle plus 80), ist er natürlich der älteste Teilnehmer und trotzdem immer noch voller Tatendrang. Den Dienstagstreff in “der Höhe” lässt er so gut wie nie aus, bei Wind und Wetter.
Ein Leben in Bewegung
Seine Wanderleidenschaft hat eine lange Geschichte. Bereits in den 80er-Jahren war Witzemann Teil einer großen Sonntagswandergruppe, die von Luise und Johann Sohm organisiert wurde. Als Wanderführer führten Reinhold und Resi Lintner die teils über 100 Mitglieder zählende Gruppe durch unterschiedlichste Regionen. Ob im Bregenzerwald, in Südtirol oder sogar auf Mallorca – die gemeinsamen Touren waren ebenso vielfältig wie gut besucht.
Aus dieser großen Gemeinschaft ist im Laufe der Zeit die heutige “Dienstagswandergruppe” entstanden, kleiner, aber nicht minder engagiert. Hier wird Woche für Woche gemeinsam entschieden, wohin es geht. Vorschläge sind jederzeit willkommen, organisiert wird unkompliziert aus der Runde heraus. Gerade diese Einfachheit und Verlässlichkeit schätzt der rüstige Senior besonders.
Das Wandern begleitet ihn überhaupt schon sein ganzes Leben. Bereits als Kind zog es ihn in die Berge, später gemeinsam mit seiner Frau Maria, mit der er 69 Jahre verheiratet war. Zwei Zwillingssöhne, zwei Enkel und ein Urenkel gehören heute zur Familie. Seit fünf Jahren ist Witzemann Witwer, lebt aber weiterhin selbstständig in seinem Haus in Haselstauden. “Wenn ich Hilfe brauche, bekomme ich sie – aber ich bin noch recht eigenständig”, erzählt er.
Auch sonntags ist er meist unterwegs. “Da bin ich nie daheim”, verrät er lachend. Ob Lünersee oder diese Woche der Messebesuch – und alles mit den Öffis. Große Reisen stehen keine mehr an – “zu stressig” – und gefährliche Bergtouren waren sowieso nie sein Ding, dafür genießt er umso mehr die vertrauten Wege und die Gesellschaft.
Die Feier mit seiner Wandergruppe war für den Haselstauder ein besonderes Highlight, genau so, wie er es mag: “Unkompliziert, herzlich und voller Leben.” Und eines steht fest: Auch nächsten Dienstag ist Luis wieder am Start, ob bei Regen oder Sonnenschein. “Ma nit’s, wia’s kut.” Und so erfahren wir vielleicht doch noch die 100er-Geheimnis-Formel. cth






