Die Kunst und die Liebe zum Essen

Schauspielerin und Regisseurin Renate Bauer erläutert im Gespräch, wie Künstler durch die Pandemie kommen und wie es nun weitergeht.
Schauspielerin und Regisseurin Renate Bauer (55) spricht im VN-Heimat Interview über ihre Ehe mit einem Weltklassemusiker, Hoffnung in der Pandemie und ihren Wunsch nach einer eigenen Veranstaltungsmöglichkeit.
Frau Bauer, wie läuft es mit Ihrer aktuellen Veranstaltungsreihe in der Bregenzer Seekapelle?
Renate Bauer Die Literatur- und Musikreihe ist derzeit im Gange, mit brandaktuellen Themen, Schriftstellern mit Zivilcourage, Gesprächen mit Witz und Kanten. Musik und Literatur, die glücklich machen, das ist es, was wir in dieser Zeit brauchen. Es macht Spaß, mit Themen, die in mir brennen, prompt zu reagieren. Ich liebe es, mich frei zu fühlen und zu tun und zu lassen, was ich will.
Das ist die Grundlage des künstlerischen Projekts der Literatur- und Musikreihe und das, was mich ausmacht, Dramaturgin, Produzentin, Regisseurin, Salondame und Rezitatorin – alles in einem zu sein. Meine Stärke sehe ich darin, unterschiedlichste Kunstrichtungen und Kunstschaffende auf höchstem Niveau zusammenzuführen.
Da wären wir schon bei Ihrer aktuellen Literaturreihe, die beim Publikum sehr beliebt ist. Was erwartet uns demnächst?
Renate Bauer Ein Abend der besonderen Art findet am Samstag, 15. Mai, statt mit Musiker Michael Wersin und seinem Gregorianik Chor. Ein Highlight ist die Hommage an Duke Ellington am Sonntag, 16. Mai. Drei Musiker von Weltrang, in den Konzerthäusern dieser Welt zu Hause, feiern die Werke des legendären Musikers. Das Trio besteht aus Peter Madsen (Klavier), Fulvio Sigurta (Trompete) und Rosario Bonaccorso (Kontrabass). Am Sonntag, 23. Mai, lassen wir uns mit Gesang von Petra Schöch-Lindner und Gedichten von Rainer Maria Rilke auf eine poetische Reise ein und dann präsentiere ich noch einen Seelenschmeichler „Musik zur Genesung“ am Sonntag 30. Mai, das Werk von Ludwig von Beethoven „Heiliger Dankgesang eines Genesenen an die Gottheit, in der lydischen Tonart“.
Wie geht es danach weiter?
Renate Bauer Ich bekam neulich eine der ganz seltenen Anfragen, nämlich einen Abend zu kreieren über einen Mann, der seliggesprochen wird in Rom. Am 14. Mai um 19 Uhr werde ich in Hörbranz im Salvatorkolleg ein Jazzkonzert mit dem Ensemble Rosario Bonaccorso und mit Texten des Geistlichen Pater Jordan veranstalten. Eine ganz spezielle Herausforderung.
Sie sind Schauspielerin und führen auch in unterschiedlichen Produktionen Regie, was reizt Sie daran?
Renate Bauer Es liegt viel Verantwortung in der Rolle des Regisseurs, es braucht Würde, Disziplin, Kraft. Und vor allem braucht es Liebe zur Sache und zu den Schauspielern. Das hat mir mein damaliger Schauspieldirektor Bruno Felix mitgegeben: Liebe zum Autor und zum Text. Das ist wohl das Geheimnis. Ich liebe es, auszuloten wie der Schauspieler tickt, um aus ihm seine Qualitäten herausholen zu können. Ich liebe es, den anderen zu „fordern“ oder eben ihm „freien Lauf“ zu lassen. Regieführen braucht Präzision im Gedankengang, Geduld und Vertrauen in den Menschen. Ich denke Humor und Menschlichkeit ist für mich das Wichtigste am Theater.
Wie können Bühnenkünstler ohne ihre Kunst auszudrücken überleben in dieser Pandemie?
Renate Bauer Nur durch Hoffnung! Jetzt ist ja alles so unfassbar für Kunstschaffende, aber es ist auch irgendwie fruchtbar. Die Stille, Zeit zum Nachdenken, sich intensiv dem Partner zu widmen und den Tag ganz neu strukturieren zu müssen. Aber das Herz springt dann noch höher in der Brust, wenn ich daran denke, dass es jetzt wieder möglich ist, in die Begegnung mit dem Publikum gehen zu können. Der Energieaustausch ist meine Lebensquelle. Für mich ist es lebensnotwendig, etwas zu erschaffen.
Reichen die Zuschüsse von Land?
Renate Bauer Ich denke, ich nütze die Unterstützung von Stadt und Land in meinem Kunstschaffen bestmöglich. Packendes Theater zu machen, Literatur- und Musikevents zu veranstalten, viele Künstler zu engagieren und trotzdem mit einem Budget auszukommen, das in keiner Weise dem Vorhaben gerecht werden kann. Aber ich habe natürlich größere Zukunftsprojekte in Vorbereitung, die einfach mehr Förderung benötigen.
Was wünschen Sie sich von der Stadt Bregenz, vom Land Vorarlberg?
Renate Bauer Das Theater lebt ja von der Einmaligkeit, von dem Moment, den Zuschauer und Schauspieler in einem Raum erleben. Ich träume seit Jahren von einer „Blackbox“, von einer hochqualitativen erschwinglichen Vorstellungsräumlichkeit. Ich lade regelmäßig hochrangige Musikergäste in meine Literatur- und Musikreihe ein und sie wertschätzen es, gute Instrumente und die beste Backline anzutreffen. Durch meinen Ehemann Rosario Bonaccorso, Kontrabassist und Komponist, der in der internationalen Musikszene tätig ist, habe ich die Möglichkeit, weltberühmte Musikschaffende kennenzulernen und in meine Projekte einzuladen. Dabei entsteht ein Feuerwerk an Kreativität im Zusammentreffen mit Künstlern. Um diese Form des Kunstangebotes auf höchstem Niveau weiter anbieten zu können, ist eine exzellente Infrastruktur sehr willkommen und notwendig.
Ihr Ehemann ist Jazzmusiker Rosario Bonaccorso. Er ist auf den Theater- und Opernbühnen und Jazzfestivals der Welt zuhause. Wie verbringen Sie die Zeit zwischen kreativem Schaffen und privatem Alltag?
Renate Bauer Heute sind wir seit 24 Jahren ein Ehepaar und wenn wir gemeinsam auf der Bühne stehen oder in unserer Küche, da herrscht immer ausgelassene Stimmung, flirrende Kreativität und süditalienische Sinnlichkeit. Aktuell in der Pandemie, wo Rosario nicht auf Tournee sein kann, verbringt er viel Zeit beim Zaubern von köstlichsten Speisen. Die Kochkunst wurde in seiner Familie meisterlich betrieben und ich lasse mich verwöhnen und genieße. Ja, wir Frauen sind von Männern beeindruckt, die etwas vom Kochen verstehen. yas