“Ich habe die Bombe gespürt und gehört” – Lina Amann arbeitet unter Extrembedingungen

Die Vorarlbergerin hatte Einsätze in Krisengebieten, vor denen viele zurückschrecken würden.
Darum geht’s:
- Lina Amann erfüllt sich ihren Traum, bei Ärzte ohne Grenzen zu arbeiten.
- Konfrontiert mit herausfordernden Extremsituationen.
- Liebt kulturelle Begegnungen, gleichzeitig ist sie sehr heimatverbunden.
Schwarzach Lina Amann erlebte in ihrem Beruf einen Bombeneinschlag und verbrachte mehrere Wochen in einem vom Hurrikan zerstörten Gebiet. Die Rede ist von ihren Einsätzen im Libanon und auf Jamaika mit Ärzte ohne Grenzen. „Es war schon immer mein Traumberuf. Dabei ist mir meine Heimat Vorarlberg wichtig – sie erdet mich“, sagt die 28-Jährige.

Inspirierendes Gespräch
Schon Amanns Mutter hatte als junge Frau den Traum, bei Ärzte ohne Grenzen zu arbeiten, sodass ihre Tochter indirekt schon früh damit in Verbindung kam. Als die gebürtige Dornbirnerin mit 22 Jahren für ihr Masterstudium „Öffentliches Management“ nach Wien zog, arbeitete sie nebenbei in einem Krankenhaus. Dort traf sie einen bekannten Arzt aus Dornbirn, der für Ärzte ohne Grenzen tätig war. „Er erzählte mir von seinem Einsatz auf Haiti. Das war der letzte Anstoß, den ich für meinen Traum gebraucht habe.“

Da es zu diesem Zeitpunkt keine offene Stelle in Wien gab, meldete sie sich zunächst als Ehrenamtliche. Aufgrund der Covid-Pandemie konnte sie jedoch nur zwei Monate bleiben. Als zwei Jahre später eine Stelle frei wurde, ergriff sie die Chance sofort.
Herausfordernde Einsätze
Amann hat zwei Hauptaufgaben bei Ärzte ohne Grenzen: Sie ist Junior-Researcherin, wo sie im Büro in Wien zum Beispiel an Evaluierungen arbeitet. Außerdem ist sie ein- bis zweimal im Jahr in anderen Ländern als Projekt-Personalchefin im Einsatz. Im vergangenen Jahr war sie vier Monate im Libanon und einen Monat lang auf Jamaika.

In der Stadt Baalbek im Libanon war Amann für 200 Angestellte zuständig. „Dort war es aufgrund der Situation mit Israel sehr angespannt und herausfordernd“, erinnert sie sich. Einmal schlug in der Nacht rund fünf Autominuten entfernt eine Bombe ein: „Ich habe den Einschlag gehört und gespürt.“
Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Instagram angezeigt.
Im Oktober vergangenen Jahres hat der Hurrikan Melissa mit der höchsten Stufe Fünf gewaltige Schäden auf Jamaika verursacht. Amann löste im November eine andere Kollegin vor Ort ab. „Als ich in der Hauptstadt Kingston landete, dachte ich mir, dass es wie ein schönes Urlaubsland wirkt. Aber als ich dann in den Nordwesten der Insel kam, sah es plötzlich apokalyptisch aus.“ Massiv zerstörte Häuser, ausgerissene Bäume und Überschwemmungen prägten das Bild. „Trotzdem hatten die Menschen vor Ort eine sehr positive Ausstrahlung – ihre Resilienz faszinierte mich zutiefst.“
Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von APA Livecenter angezeigt.
Die Rückkehr in die Heimat ist aufgrund der Extremsituationen nicht immer einfach. Amann hilft dabei der Austausch mit Gleichgesinnten. Deshalb organisiert sie in Wien monatliche Stammtische für Ärzte-ohne-Grenzen-Mitarbeiter. Abseits ihrer Arbeit engagiert sie sich ehrenamtlich bei der Aids-Hilfe und übernimmt dort Aufklärungsarbeit bei Informationsveranstaltungen.

Heimatverbunden
Amann liebt die Begegnungen mit unterschiedlichen Kulturen, den Austausch mit Einheimischen in den Einsatzgebieten und mit Teammitgliedern aus aller Welt. Gleichzeitig ist das Wegsein von daheim die größte Herausforderung für sie. Daheim bedeutet für sie sowohl Wien, wo sie lebt, als auch Vorarlberg, wo ihre Wurzeln liegen und sie eng mit Familie und Kindheitsfreunden verbunden ist. Nach dem Ende ihres Einsatzes auf Jamaika am 24. Dezember reiste Amann zum Beispiel direkt nach Vorarlberg und verbrachte Weihnachten mit ihrer Familie.

Zur Person:
Lina Amann, Mitarbeiterin bei Ärzte ohne Grenzen
- Geboren: 23. Juni 1997
- Wohnort: Wien
- Ausbildung: Master „Öffentliches Management“
- Beruf: Ärzte ohne Grenzen (MSF), spezialisiert auf operative Unterstützung und Forschung mit Expertise in Personalwesen und Finanzen
- Familie: Partnerschaft
- Hobbys: Querflöte spielen, Freunde treffen, Lesen, Sport