Drei Kilo Marihuana im Railjet

Dass da etwas lief, ist sicher, die Rollenverteilung vorerst unklar.
Feldkirch Auf der Anklagebank sitzen ein 27-jährige Afghane, der als Zusteller 1000 Euro im Monat verdient und laut eigenen Angaben gar keine Zeit für Drogengeschäfte hat. Neben ihm ein 21-jähriger Landsmann, der ebenfalls einen Job hat und zumindest 470 Euro im Monat verdient. Beide beteuern, mit Marihuanageschäften in Vorarlberg nichts am Hut zu haben.
Es werden ihnen Namen vorgehalten, belastende Einvernahmen verlesen. Die Verteidigung wiederum zitiert Aussagen, bei denen der ursprüngliche Belastungszeuge zurückrudert. Die beiden wollen die betreffenden Personen höchstens im Zug gesehen oder in einer Flüchtlingsunterkunft kennen gelernt haben.
Alles gelogen
„Das stimmt nicht, im Gegenteil. Der, der mich hier so belastet, der ist immer in meinem Zimmer gesessen und hat bei mir Cannabis geraucht, das habe ich sogar unserem Betreuer melden müssen“, beteuert einer der beiden. Die Staatsanwaltschaft Feldkirch wirft den zwei Afghanen vor, sie hätten an Verkäufen von mehreren Kilo Marihuana in Vorarlberg mitgewirkt. Man sei arbeitsteilig vorgegangen, das Ganze sei gut organisiert gewesen. Die einen hätten die Ware in Ostösterreich bestellt, die anderen hätten sie nach Vorarlberg gebracht, wo sie dann auf der Straße verkauft wurde. Die Qualität soll allerdings schlecht gewesen sein, weshalb sich Konsumenten beschwert hätten.
Im Raum stehen erhebliche Mengen zwischen zehn und zwanzig Kilo Marihuana. Fix ist auch, dass einer der Hintermänner im Railjet nach einer vorangehenden Observierung festgenommen wurde. Er wollte mit dem Zug von Wien über Deutschland nach Vorarlberg und hatte drei Kilo des Rauschmittels dabei. Bei dem Mann handelt es sich um einen 20 Jahre alten Türken, wo er derzeit steckt, weiß niemand, als Zeuge erscheint er jedenfalls nicht. Er ist derjenige, der die beiden anderen zumindest in einer Aussage ziemlich belastet und das, obwohl er dabei selbst nicht gut wegkommt.
Mengen aufteilen?
Verteidiger Alexander Juen vermutet, dass er die großen Mengen etwas „aufteilen“ will, um so selbst besser dazustehen. Der Türke selbst steht in seiner Aussage zu sieben Kilo, die er von einem Albaner übernommen habe. Ob er beim nächsten Prozess erscheint, ist ungewiss. Ohne seine persönliche Aussage sieht es schlecht aus. Die 27 und 21 Jahre alten Afghanen bestreiten die Tat, der Belastungszeuge fehlt. „Die Suppe ist äußerst dünn“, kommentiert der Anwalt die Lage.