Kein Dorfkaiser, sondern Dienstleister

Gert Mayer ist seit wenigen Wochen Bürgermeister von Satteins.
Satteins Als Quereinsteiger schaffte es Gert Mayer auf Anhieb auf den Bürgermeistersessel von Satteins. Was ihn dazu bewogen hat, sich in der Gemeindepolitik zu engagieren, sein Amtsverständnis und warum er trotz Krise zuversichtlich in die Zukunft blickt, verrät Mayer im Interview mit den VN.
Was hat Sie dazu bewogen, das Amt des Bürgermeisters anzustreben? Wollten Sie diesen Job schon immer ausüben?
Mayer Zuerst wurde ich gefragt, ob ich auf die Gemeindeliste komme. Dann hat es etwas gedauert, bis ich wiederum gefragt wurde, ob ich das Amt des Bürgermeisters übernehmen will. Ich habe mir dann etwas Bedenkzeit erbeten, um zunächst auch mit meiner Familie sprechen zu können. Schlussendlich habe ich viele Synergien zwischen meiner bisherigen Tätigkeit bei der Wirtschaftskammer und dem Bürgermeisteramt gesehen und habe mich deshalb entschieden, als Kandidat anzutreten.
Worin unterscheiden Sie sich in Ihrem Amtsverständnis bzw. Agieren von Ihrem Vorgänger?
Mayer Das ist eine schwierige Frage. Ich möchte jedenfalls aus dem Gemeindeamt ein Dienstleistungsunternehmen machen. Wir sind für die Bürger da und wollen daher unseren Service so gut wie möglich ausbauen.
Sie haben bei der Bürgermeisterdirektwahl beinahe 67 Prozent der Stimmen erreicht. Worauf führen Sie diese Zustimmung in der Bevölkerung zurück?
Mayer Ich denke die Satteinser Bürgerinnen und Bürger haben meinen beruflichen Werdegang gesehen und konnten mir dadurch ihr Vertrauen schenken. Um das breite Spektrum der Aufgaben eines Bürgermeisters abdecken zu können braucht es sicher eine gewisse Ausbildung. Ich glaube, dass das schlussendlich ausschlaggebend war.
Welchen Führungsstil darf man von Ihnen erwarten? Wie würden Sie ihn beschreiben – Stichwort Dorfkaiser?
Mayer Dorfkaiser bin ich ganz sicher nicht. Ich bin Dienstleister. Die Zeiten von Bürgermeistern als Dorfkaiser sind schon lange vorbei. Wir sind heute Manager und d.h. wir haben unsere Aufgaben sachgerecht und ordentlich zu machen.
Wie gehen Sie persönlich und als Bürgermeister mit dem Thema Corona um? Wie sehr hat die Pandemie Ihr Leben und das in der Gemeinde auf den Kopf gestellt?
Mayer Es sind vor allem die sozialen Kontakte, die mir privat sehr fehlen. Aus meiner Funktion als Obmann des Turnvereins Satteins kann ich nur berichten, dass wir natürlich alle Trainings und Veranstaltungen abgesagt haben. Das zieht sich auch wie ein roter Faden durch die ganze Gemeinde.
Ist es bei der derzeitigen Nachrichtenlage schwierig für Sie geworden positiv in die Zukunft zu blicken?
Mayer Nein. Wir stehen zwar jetzt vor einer großen Herausforderung und das Thema Corona wird uns noch lange begleiten. Aber wir müssen positiv in die Zukunft blicken.
Zur Politik in Satteins. Sie haben mit ihrer Liste Satteinser Dorfteam mit 12 von 24 Sitzen in der Gemeindevertretung keine Mehrheit, sondern eine Pattstellung. Setzen Sie daher künftig auf das Spiel der freien Kräfte?
Mayer Ja. Ich habe Gespräche mit den anderen Fraktionen geführt und wir sind uns einig, dass wir das freie Spiel der Kräfte walten lassen wollen.
Wie sieht es in Satteins mit den Finanzen aus und welche Probleme sehen Sie dahingehend auf die Kommune zukommen?
Mayer Noch sieht es im Bereich Finanzen sehr gut aus. Im kommenden Jahr steht allerdings ein großes Projekt – der Umbau der Mittelschule – auf dem Plan. Die Kosten hierfür liegen bei rund 15 Millionen Euro, die wir als Gemeinde vorfinanzieren. Wir werden uns daher sicherlich den Rechnungsabschluss ganz genau ansehen und beim Voranschlag vorsichtig agieren müssen.
Welche Projekte wollen Sie als Erstes in Angriff nehmen?
Mayer Wie bereits erwähnt ist ein Projekt der Umbau der Mittelschule. Außerdem möchten wir e5-Gemeinde werden. Diesbezüglich werden sicherlich einige Projekte auf uns zukommen.
Die Tätigkeit als Gemeindechef gilt als zeitraubend und belastend. Wie gehen Sie die Aufgabe an und wo schöpfen Sie Energie?
Mayer Meine Energie bekomme ich von meiner Familie und in der Natur. Es ist wichtig darauf zu achten, dass man in der richtigen Balance bleibt.