Was sich ein Bischof zum Geburtstag wünscht

Vorarlberg / 16.10.2020 • 05:45 Uhr
Was sich ein Bischof zum Geburtstag wünscht
Leutselig und den Menschen zugewandt: Diese Merkmale zeichnen Bischof Benno aus. VN/PAULITSCH

Landesbischof Benno Elbs (60) im VN-Interview über Kirche, Corona und Geburtstagswünsche.

Feldkirch Benno Elbs war 24, als er sich entschloss, sein Leben in den Dienst der Kirche zu stellen. Inzwischen ist er Bischof der Diözese Feldkirch und nicht nur in klerikalen Kreisen hochgeschätzt. Auch die Nähe zum Volk ist etwas, das Bischof Benno auszeichnet. Die Nähe zu den Menschen war und ist ihm wichtig. Er möchte auch als Bischof ein Seelsorger bleiben.

Was bedeutet für Sie altern und das persönliche Alter?

Ehrlich gesagt, 60 ist schon eine relativ hohe Zahl. Das macht mich auch manchmal nachdenklich, und ich frage bewusst nach dem Sinn, dem Ziel des Lebens. Es macht aber auch gelassener, und ich spüre, dass ich nicht mehr überall dabei sein muss. Die innere Freiheit wird größer. Auch das Vertrauen, dass das Leben getragen ist, wächst mit zunehmendem Alter. Ich bin dankbar für die Gesundheit und für eine Aufgabe, die mir Freude bereitet.

Benno Elbs bei seiner Erstkommunion.
Benno Elbs bei seiner Erstkommunion.
Der Firmausflug führte Benno Elbs (r.) auch in die Bregenzer Seeanlagen.
Der Firmausflug führte Benno Elbs (r.) auch in die Bregenzer Seeanlagen.

Denken Sie manchmal darüber nach, wie viel Zeit Ihnen noch bleibt?

Mit vorrückendem Alter wird einem natürlich immer mehr bewusst, dass die Lebenszeit auf dieser Welt nicht unendlich ist. Dieser Gedanke ist jedoch nicht beängstigend, und ich empfinde ihn auch nicht als einengend. Vielmehr führt er mich in die Dankbarkeit für viele wunderbare Dinge, die ich erleben kann und auch erleben durfte und macht mich achtsam für die kleinen Geschenke des Alltags.

In welchem Alter haben Sie sich entschlossen, Priester zu werden?

Es war ein langer Weg, den ich als junger Mensch gegangen bin. Die endgültige Entscheidung habe ich mit 24 Jahren getroffen.

War das Amt des Bischofs auch in Ihrer Lebensplanung enthalten?

An diese Variante habe ich nie gedacht. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, als ich vor sieben Jahren vom Herrn Nuntius angerufen wurde und er mir mitteilte, dass Papst Franziskus möchte, dass ich Bischof werde. Über diesen Anruf bin ich sehr erschrocken, und er hat mich sofort zu der Frage gebracht: Kann ich das überhaupt schaffen? Ist das der Wille Gottes für mein Leben?

Welcher Lebensabschnitt hat Sie besonders geprägt?

Prägend für mich war natürlich eine sehr schöne und wertvolle Kindheit, in der ich das Vertrauen auf Gott lernen durfte und auch das Vertrauen, dass immer jemand da ist, wenn ich ihn brauche. Dieses Grundvertrauen begleitet mich durch das ganze Leben. Oft konnte ich das an verschiedensten Lebenssituationen wieder neu erfahren. Prägend für mich sind und waren immer auch Gespräche mit jungen Menschen, die sehr kritisch nach dem Warum und Wozu des priesterlichen Lebens gefragt haben.

Benno Elbs wurde im Juni 2013  im Feldkircher Dom zum Bischof geweiht. <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Benno Elbs wurde im Juni 2013 im Feldkircher Dom zum Bischof geweiht. VN/Steurer
Aus der Hand von Alois Kothgassner erhielt Benno Elbs den Bischofsstab.
Aus der Hand von Alois Kothgassner erhielt Benno Elbs den Bischofsstab.
Die Weihe zum Priester, die der damalige Bischof Bruno Wechner vollzog.
Die Weihe zum Priester, die der damalige Bischof Bruno Wechner vollzog.
Die Bischofsweihe in Feldkirch wurde von der Bevölkerung wie ein Volksfest zelebriert.
Die Bischofsweihe in Feldkirch wurde von der Bevölkerung wie ein Volksfest zelebriert.

Wie hat Corona Einfluss auf Ihr Leben genommen?

Mir ist die Nähe zu den Menschen sehr wichtig. Und da hat Corona schon vieles verändert. Die Menschen sind vorsichtiger geworden. Wichtig ist mir, den guten Kontakt aufrechtzuerhalten. Wir können bei aller Vorsicht das Leben nicht auf null schalten. Der Rückzug ins eigene Schneckenhaus ist keine Alternative, die uns Menschen glücklich macht und die sinnvoll ist. Es geht, glaube ich, darum, einen guten Weg zu finden zwischen Hysterie und unvorsichtiger Gleichgültigkeit. Das Virus ist vielleicht auch eine Anregung, in die Tiefe des Lebens zu blicken.

Ist Ihr neues Buch als eine Art Mutmacher in dieser schwierigen Zeit gedacht?

Der Satz „Werft eure Zuversicht nicht weg“ aus dem Hebräerbrief im Neuen Testament hat mich mitten im Lockdown sehr berührt. In einigen Gesprächen habe ich gemerkt, wie vielen Menschen die soziale Isolation und ganz besonders auch die Angst vor der Zukunft zugesetzt haben. Diesen Menschen wollte ich eine positive Botschaft mit auf den Weg geben, die ihrem Leben wieder Hoffnung und Freude schenkt. So ist der Gedanke zu diesem Buch entstanden.

Inwieweit hat sich Ihre Arbeit in der Kirche durch Corona geändert?

Die Pandemie hat das kirchliche Leben doch sehr stark durchgerüttelt. Ich denke z.B. an das heurige Osterfest, das nur im kleinsten Kreis gefeiert werden konnte. Oder an die Firmungen und Erstkommunionen, die verschoben werden mussten und jetzt im Hebst unter hohen Auflagen stattfinden können. Unser Anliegen als Kirche ist und bleibt jedoch immer dasselbe: möglichst nahe an den Sorgen und Freuden der Menschen zu sein und ihnen zu sagen: Gott ist da – auch in deinem Leben. Viele Pfarren haben kreative Wege gefunden, dass Seelsorge auch unter diesen geänderten Umständen möglich bleibt.

Wie stehen Sie zu den einschränkenden Maßnahmen, und verstehen Sie Menschen, die dagegen aufbegehren?

Als Kirche haben wir von Anfang an unsere Verantwortung wahrgenommen und in sehr guter Zusammenarbeit mit den staatlichen Stellen gehandelt. Natürlich ist das nicht immer und überall auf hundertprozentige Zustimmung gestoßen, vor allem was die Maßnahmen rund um die Gottesdienste betrifft. Ich kann bei aller Skepsis, die manche Menschen haben, nur um Verständnis für die Maßnahmen werben. Ich erwähne in diesem Zusammenhang immer wieder meinen Amtskollegen, Bischof Francesco aus Bergamo. Er hat hautnah miterlebt, welche verheerenden Auswirkungen eine ungebremste Verbreitung des Virus haben kann. Ich bin froh und dankbar, dass es bei uns nicht so weit gekommen ist.

Wie sehen Ihre persönlichen Begegnungen mit den Menschen aus, wie bewerkstelligen Sie das?

Mir war und ist wichtig, als Bischof auch Seelsorger zu bleiben. Das ist mein Amtsverständnis und das versuche ich zu leben. Natürlich ist es manchmal schwierig, bei einem dichten Terminkalender auch Zeit zu finden für persönliche Begegnungen und Gespräche. Aber im Grunde ist das Mit-Sein mit den Menschen und ihnen so die Botschaft der Barmherzigkeit Gottes nahezubringen, der Grund, warum ich Priester geworden bin. Dafür möchte ich auch in Zukunft da sein.

Was wäre Ihr größter Geburtstagswunsch?

Mein größter Wunsch ist, dass mir die Freude und die Zuversicht erhalten bleiben und dass der eine oder die andere an meinem Geburtstag auch in einem Gebet an mich denken. Ich wünsche mir natürlich auch, dass das aufmerksame und achtvolle Miteinander unter uns Menschen wächst und wir darauf vertrauen können, dass Gott jeden Augenblick mit uns ist. Eine positive und frohe Einstellung zum Leben ist mir wichtig, und die gibt mir auch viel Kraft und Zuversicht.

Audienz bei Papst Franziskus: ein besonderer Höhepunkt im Leben von Bischof Benno.
Audienz bei Papst Franziskus: ein besonderer Höhepunkt im Leben von Bischof Benno.

Zur Person

Bischof Benno Elbs

Geboren: 16. Oktober 1960 in Bregenz

Priesterweihe: 16. Mai 1986 durch Bischof Bruno Wechner

Werdegang: 1986 bis 1989 Kaplan in Bregenz-Mariahilf; 1990 Rektor des Studieninternats Marianum in Bregenz; 1994 bis 2005 Pastoralamtsleiter; 2005 bis 2011 Generalvikar; 2013 von Papst Franziskus zum Bischof von Feldkirch ernannt; 30. Juni 2013 Bischofsweihe

Buchautor: erschienen sind „Im Stallgeruch der Schafe“, „Wie ein leises Berühren“, „Wo die Seele atmen lernt“, „Rückenwind“ und aktuell „Werft eure Zuversicht nicht weg“ (alle Tyrolia-Verlag)