Wie Lernspiele und Bücher zusammenpassen

Margret Paulmichl erweitert den Lernort für alle in der Stadtbücherei Dornbirn.
Dornbirn Was hat eine Gaming Zone in einer Bibliothek zu suchen? Sehr viel, wenn es nach Margret Paulmichl von der Stadtbibliothek Dornbirn geht. „Unsere Bibliothek ist ein Ort des Lernens und es gibt genügend Computerspiele, die in unsere Lernstrategie passen. Unsere Gaming Zone ist ein spannender Lernort für Kinder und Eltern“, erklärt Paulmichl, die seit Juni neu im Team und für die komplette digitale Schiene dieser Bibliothek verantwortlich ist. Sämtliche gängigen Spiele, die vorher gesichtet wurden, werden in der Gaming Zone zu bestimmten Tagen geboten. Diese sind in Altersgruppen eingestuft. Die Kinder dürfen maximal eine Stunde unter Aufsicht spielen. „So können Eltern sich die Spiele zuerst ansehen oder sogar mitspielen und sie sparen sich den Kauf eines Geräts“, zählt sie die Vorteile für Eltern auf. Am Samstag gibt es einen Spiele-Experten, der Erwachsenen die Computerspiele erklärt. Spiele seien nicht per se schlecht. „Wie es analoge Spielesammlungen gibt, die die kognitiven Fähigkeiten schulen, so gibt es dies auch bei PC-Spielen.“ Es gehe nur darum, das richtige Maß zu finden.
Inzwischen seien Filme, DVDs oder CDs, die es in der Stadtbibliothek auch zum Ausleihen gibt, schon Kulturgut. Warum sollten das digitale Spiele nicht sein? Eines ihrer Lieblingsspiele ist „Gehirnjogging“. Mit ihrer Enkelin spielt die zweifache Oma gerne „Animal Crossing“. Dies ist ein Spiel, bei dem die Spielenden positive Aufgaben zu erfüllen haben und so spielend Werte mitbekommen.
Ihren Jobwechsel inmitten von Corona sieht die Hotelierstochter, die im arabischen Ausland aufgewachsen ist, ganz entspannt. Ab März nahmen die Leserinnen und Leser die Onlinedienste der Stadtbibliothek vermehrt in Anspruch. Ein Lieferdienst brachte den Menschen die Bücher direkt vor die Haustür. „Wir haben festgestellt, dass sich die Menschen mehr Zeit zum Lesen genommen haben“, so Paulmichl. Im Juni öffnete die Stadtbibliothek Dornbirn wieder ihre Pforten. So war es der Medienpädagogin möglich, nicht nur die Spielekonsolen in Betrieb zu nehmen, sondern auch die neuen Arbeitskollegen kennenzulernen. „Ich kenne Kollegen aus den verschiedensten Abteilungen“, erklärt die 52-Jährige. Dies hat auch damit zu tun, dass sie seit dreieinhalb Jahren im Rahmen der stadteigenen Mitarbeitervorsorge „stadt-fit“ Kletterkurse anbietet.
Vor ihrem Wechsel arbeitete die Bergsportbegeisterte in der Sportabteilung der Stadt. Ihre Aufgabe dort war, die Förderungen digital zugänglich zu machen. In den Lern-Spiel-Bereich sei sie zufällig hineingekommen. „Ich habe im Jahr 2000 bei der liechtensteinischen Initiative IBC mitgearbeitet. Bei diesem internationalen Fernsehprogramm wurde auch ein Spielprogramm geplant“, schildert sie ihre ersten Schritte.
Mehrere Bücher parallel
Trotz ihrer Affinität für digitale Medien ist sie analogen Büchern treu geblieben. “Deshalb arbeite ich auch in einer Bücherei”, lacht sie. „Ich war und bin ein Bücherwurm, der ungern am eReader liest“, erklärt sie. Dieser kommt nur in den Urlaub mit, um Gewicht einzusparen. Margret Paulmichl liebt die Haptik der Bücher. „Ich lese meist mehrere Bücher parallel, auch Sachbücher über digitale Medien“, schildert sie mit einem Zwinkern. Neben ihrem Job und den Kletterkursen hat die energiegeladene Frau noch einen Verein gegründet. 2018 hatte sie nämlich eine Krebsdiagnose erhalten. Sie ließ keine negativen Gedanken aufkommen und nahm den Kampf auf. Die Obfrau des K1 Klettervereins ist sich sicher, dass sie das Klettern bei ihrer Genesung unterstützt hat. „Ich möchte meine Erfahrungen und Sachen, die mir gutgetan haben, weitergeben. Deshalb gibt es den Verein Karkinos.“ Aus der Krebstherapie hat sie geschärfte Lebensgeister mitgenommen. Ihr Fazit: „Das Leben macht Spaß.“
Margret Paulmichl
Sie ist für die digitale Schiene der Stadtbibliothek Dornbirn zuständig.
Ausbildung Hotelfachschule
Wohnort Dornbirn
Geboren 1967
Familie Drei erwachsenen Kinder, zwei Enkelkinder
Hobby Klettern, Bergsteigen, alles mit Outdoor und Bergen
Lebensmotto Geht nicht, gibt’s nicht
Lieblingsessen Alles, was ich selber koche