Eine Bahnfahrt Richtung Normalität

Vorarlberg / 13.06.2020 • 07:00 Uhr
Eine Bahnfahrt Richtung Normalität
Wie im Bilderbuch: Der Bregenzerwald präsentierte sich gestern von seiner schönsten Seite. Viele Wanderer nutzten den Traumtag für einen Ausflug in die Berge. VN/STEURER

Mit Maske und Desinfektionsmittel in der Bergbahn: Tagesausflügler und Urlauber kehren in die Wandergebiete zurück.

Bezau Der Parkplatz ist gut gefüllt. Vor zwei Wochen haben die Seilbahnen Bezau den Betrieb nach der Coronapause wieder aufgenommen. Trostlos seien die letzten Tage mit Schlechtwetter gewesen, macht Geschäftsführer Fidel Meusburger keinen Hehl aus dem holprigen Start. Gestern nun ein anderes Bild. Tagesausflügler und erste Touristen sind zurück. “So ein Tag macht wieder richtig Spaß und ist Motiviation für das ganze Team”, so Meusburger. Bahn für Bahn bringt Wanderer auf das Sonderdach und weiter zur Bergstation Baumgarten. Die Kabinen sind teils gut gefüllt. Übervoll sind sie aber nicht. Man habe die Kapazitäten freiwillig um ein Drittel auf 40 Personen reduziert. Das Sicherheitsgefühl der Gäste verlangt danach. Die Bahn wird regelmäßig gereinigt und desinfiziert. Masken sind Pflicht.

Reinhard Böhler (r.) beim Ausflug mit Familienmitgliedern zur Bergstation Baumgarten. "Ich fühle mich in der Kabine sicher. Jeder achtet schon aus Eigeninteresse auf die Vorschriften." <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Reinhard Böhler (r.) beim Ausflug mit Familienmitgliedern zur Bergstation Baumgarten. "Ich fühle mich in der Kabine sicher. Jeder achtet schon aus Eigeninteresse auf die Vorschriften." VN/Steurer

Ein Traumtag für eine Wanderung mit Weitsicht bis ans andere Ende des Bodensees: der Bregenzerwald präsentierte sich gestern von seiner schönsten Seite. Auch viele Einheimische nutzen dieser Tage die Infrastruktur in den Wandergebieten. “Wir achten darauf, Abstand zu halten. Ich habe hier jedenfalls kein schlechtes Gefühl. Es passt irendwie jeder schon aus eigenem Interesse gut auf”, beschreibt Reinhard Böhler aus Wolfurt die Bahnfahrt zurück in Richtung Normalität. Mit Familienmitgliedern ist er unterwegs zu einem Tagesausflug. Der Mund-Nasen-Schutz kann der guten Stimmung nichts anhaben.

Es kommt Leben in den Ort

Die Stimmung hellt sich auch bei Bahnchef Fidel Meusburger ein wenig auf. Auch wenn schon jetzt klar ist, dass es heuer keine erfolgreiche Saison mehr werden kann. Der Mai hat ein Loch in die Bilanz gerissen, bis wieder Urlauber in großer Zahl in den Bregenzerwald kommen, wird es noch dauern. Reisegruppen, die etwa mit Bussen zur Seilbahn anreisen, sind heute auch keine da. Firmenausflüge sind ebenfalls Fehlanzeige. Besonders die Gastronomie am Berg leidet darunter. “Wir werden dort auch nicht so viele Beschäftigte wie in den letzten Jahren haben”, beschreibt der Bahnchef. Aber eine erste Hochzeit sei gebucht. Und überhaupt spüre man seit Kurzem im Ort wieder eine Belebung: “Das macht Hoffnung.”

Geschäftsführer Fidel Meusburger freut sich nach einem verhaltenen Auftakt über einen Traumtag und gut gefüllte Parkplätze.
Geschäftsführer Fidel Meusburger freut sich nach einem verhaltenen Auftakt über einen Traumtag und gut gefüllte Parkplätze.

Die Touristen sind zurück – einige zumindest. Johannes aus dem baden-württembergischen Weil der Stadt bestaunt zusammen mit seinem Sohn Jonathan die imposante Landschaft. Sie haben es gar nicht erwarten können, endlich wieder in Vorarlberg zu sein. Mit der Bregenzerwald-Card werden sie sich noch einiges anschauen. “Wir werden den Sommerurlaub hier verbringen”, so der Urlauber. Der Bregenzerwald ersetzt in diesem Jahr die Toskana.

Johannes mit Sohn Jonathan vor der imposanten Kullisse oberhalb der Bergstation. <span class="copyright">VN/Steur</span>er
Johannes mit Sohn Jonathan vor der imposanten Kullisse oberhalb der Bergstation. VN/Steurer

Sicherheit hat oberste Priorität

Die Wandergebiete sind gerüstet. Die Bahnen bringen Tagesgäste und Urlauber auf die Bergstationen. Es läuft alles etwas gemächlicher ab. “Wir fahren nicht mehr nur jede halbe Stunde, sondern auch dann schon, wenn 20 oder 30 Fahrgäste da sind”, erklärt Meusburger. So soll auch im Wartebereich Platz geschaffen werden. Von den Gästen wird die Selbstbeschränkung und die höhere Fahrfrequenz jedenfalls geschätzt. “Wenn sich die Leute eingepfercht fühlen, dann sinkt die Akzeptanz sehr rasch”, ist Meusburger überzeugt. Die Gesundheit hat auch bei der Fahrt auf die Berge oberste Priorität.

Der gestrige Freitag hat Lust aufs Wandern gemacht. Bei traumhaften Bedingungen war auf den Wegen einiges los. <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Der gestrige Freitag hat Lust aufs Wandern gemacht. Bei traumhaften Bedingungen war auf den Wegen einiges los. VN/Steurer
Ein Erinnerungsfoto auf der Sonnenterrasse der Bergstation. <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Ein Erinnerungsfoto auf der Sonnenterrasse der Bergstation. VN/Steurer