Eine Bahnfahrt Richtung Normalität

Mit Maske und Desinfektionsmittel in der Bergbahn: Tagesausflügler und Urlauber kehren in die Wandergebiete zurück.
Bezau Der Parkplatz ist gut gefüllt. Vor zwei Wochen haben die Seilbahnen Bezau den Betrieb nach der Coronapause wieder aufgenommen. Trostlos seien die letzten Tage mit Schlechtwetter gewesen, macht Geschäftsführer Fidel Meusburger keinen Hehl aus dem holprigen Start. Gestern nun ein anderes Bild. Tagesausflügler und erste Touristen sind zurück. “So ein Tag macht wieder richtig Spaß und ist Motiviation für das ganze Team”, so Meusburger. Bahn für Bahn bringt Wanderer auf das Sonderdach und weiter zur Bergstation Baumgarten. Die Kabinen sind teils gut gefüllt. Übervoll sind sie aber nicht. Man habe die Kapazitäten freiwillig um ein Drittel auf 40 Personen reduziert. Das Sicherheitsgefühl der Gäste verlangt danach. Die Bahn wird regelmäßig gereinigt und desinfiziert. Masken sind Pflicht.

Ein Traumtag für eine Wanderung mit Weitsicht bis ans andere Ende des Bodensees: der Bregenzerwald präsentierte sich gestern von seiner schönsten Seite. Auch viele Einheimische nutzen dieser Tage die Infrastruktur in den Wandergebieten. “Wir achten darauf, Abstand zu halten. Ich habe hier jedenfalls kein schlechtes Gefühl. Es passt irendwie jeder schon aus eigenem Interesse gut auf”, beschreibt Reinhard Böhler aus Wolfurt die Bahnfahrt zurück in Richtung Normalität. Mit Familienmitgliedern ist er unterwegs zu einem Tagesausflug. Der Mund-Nasen-Schutz kann der guten Stimmung nichts anhaben.
Es kommt Leben in den Ort
Die Stimmung hellt sich auch bei Bahnchef Fidel Meusburger ein wenig auf. Auch wenn schon jetzt klar ist, dass es heuer keine erfolgreiche Saison mehr werden kann. Der Mai hat ein Loch in die Bilanz gerissen, bis wieder Urlauber in großer Zahl in den Bregenzerwald kommen, wird es noch dauern. Reisegruppen, die etwa mit Bussen zur Seilbahn anreisen, sind heute auch keine da. Firmenausflüge sind ebenfalls Fehlanzeige. Besonders die Gastronomie am Berg leidet darunter. “Wir werden dort auch nicht so viele Beschäftigte wie in den letzten Jahren haben”, beschreibt der Bahnchef. Aber eine erste Hochzeit sei gebucht. Und überhaupt spüre man seit Kurzem im Ort wieder eine Belebung: “Das macht Hoffnung.”

Die Touristen sind zurück – einige zumindest. Johannes aus dem baden-württembergischen Weil der Stadt bestaunt zusammen mit seinem Sohn Jonathan die imposante Landschaft. Sie haben es gar nicht erwarten können, endlich wieder in Vorarlberg zu sein. Mit der Bregenzerwald-Card werden sie sich noch einiges anschauen. “Wir werden den Sommerurlaub hier verbringen”, so der Urlauber. Der Bregenzerwald ersetzt in diesem Jahr die Toskana.

Sicherheit hat oberste Priorität
Die Wandergebiete sind gerüstet. Die Bahnen bringen Tagesgäste und Urlauber auf die Bergstationen. Es läuft alles etwas gemächlicher ab. “Wir fahren nicht mehr nur jede halbe Stunde, sondern auch dann schon, wenn 20 oder 30 Fahrgäste da sind”, erklärt Meusburger. So soll auch im Wartebereich Platz geschaffen werden. Von den Gästen wird die Selbstbeschränkung und die höhere Fahrfrequenz jedenfalls geschätzt. “Wenn sich die Leute eingepfercht fühlen, dann sinkt die Akzeptanz sehr rasch”, ist Meusburger überzeugt. Die Gesundheit hat auch bei der Fahrt auf die Berge oberste Priorität.

