Die Zukunft der Seilbahn Schnifis hängt an einer Frage

Seit Jahrzehnten trägt sie Menschen auf den Hensler. Jetzt drängt eine Frist, die nervös macht.
Schnifis „Je älter man wird, desto höher sind die Ausgaben für die Gesundheit“, sagt Markus Kühne, Obmann der Seilweggenossenschaft Schnifis. Diese Aussage trifft nicht nur auf Menschen zu, sondern auch auf die Seilbahn Schnifis, die bereits 65 Jahre auf dem Buckel hat. Kühne erzählt, dass die Seilbahn Schnifis die älteste Bahn Österreichs sei, die noch im Ursprungszustand fährt. Zwar wurden Trag- und Zugseile erneuert, doch Stützen, Stationen und Kabinen sind unverändert. 2032 läuft jedoch die Betriebsgenehmigung aus. Eine neue Bahn kostet 6,5 Millionen Euro – Geld, das weder die Seilweggenossenschaft noch der Unterstützungsverein hat.


Ein Blick ins vergangene Jahrhundert: Ende der 50er-Jahre wurde die Seilweggenossenschaft gegründet. 100 Genossenschaftsanteile standen zur Verfügung. 36 Anteile kaufte die Gemeinde, der Unterstützungsverein, der Mitte der 90er-Jahre gegründet wurde, übernahm 17 Anteile. „Damals ging es der Bahn sehr schlecht“, erinnert sich Markus Kühne. Man überlegte, die Bahn zu schließen, also sprang der Unterstützungsverein ein. Noch komme man zwar über die Runden, auch dank Sponsoren und Gönnern, doch die finanzielle Lage bleibt wackelig.


Mit den Jahren nehmen die technischen Gebrechen und damit auch die Geldsorgen zu. 2022 stand eine große Investition an, die nur mithilfe von Crowdfunding gestemmt werden konnte. Das Tragseil musste ausgetauscht werden, Kostenpunkt: 260.000 Euro. Innerhalb von nur zwei Monaten konnte der Verein das Geld aufbringen, auch dank des hohen Zuspruchs seitens der Bevölkerung. Alle zwei Jahre muss die Seilweggenossenschaft zudem das Zugseil wechseln. Die dafür nötigen 40.000 Euro kann sie selbst aufbringen, allerdings nur mit Mühe. „Wir sind auf Gönner angewiesen“, macht Kühne keinen Hehl aus der finanziellen Abhängigkeit der Bahn.


Generalrevision „unerfüllbar und unerschwinglich“
„Über allem schwebt das Damoklesschwert“, sagt er mit Blick auf das Jahr 2032, in dem der Betriebsbescheid ausläuft. Eine Generalrevision wäre dann erforderlich, die „unerfüllbar und unerschwinglich“ sei. Eine neue Pendelbahn mit zwei Kabinen und einer Kapazität von jeweils zwölf Personen samt neuen Stützen und Seilen kostet 6,5 Millionen Euro. Die Bergstation müsste erhöht und die Talstation neu gebaut werden. Die Anzahl der Stützen würde sich reduzieren, ihre Höhe jedoch in etwa gleich bleiben, damit sie kein Hindernis für Paragleiter darstellen. Mit größeren, moderneren Kabinen würde sich auch die Fahrzeit verkürzen. Doch das sei alles „Zukunftsmusik“, so Kühne. „Die Realität ist nicht sehr rosig.“ Denn auch die Gemeinde hat kein Geld für eine neue Seilbahn.


„Wir können nicht bis 2032 warten.“ Laut Kühne müsse man sich schon vorher Gedanken machen. Er würde sich wünschen, dass Land, Region und Gemeinde die Kosten jeweils zu einem Drittel tragen. Er könne sich aber auch vorstellen, dass sich Firmen finanziell an der Bahn beteiligen. Im Gegenzug gebe es dann Jahreskarten für Mitarbeiter.


Apropos Mitarbeiter: Das Schnifner Bähnle kann auf zwei Urgesteine zählen. Toni Lins und Hubert Rauch sorgen seit über 40 Jahren für einen sicheren Ein- und Ausstieg. Während Toni Lins die Talstation betreut, empfängt Hubert Rauch die Gäste an der Bergstation.


„Es ist ein wunderschöner Fleck hier oben“, schwärmt Markus Kühne, während er im Henslerstüble sitzt. Das Henslerstüble ist ganzjährig gut besucht – von Einheimischen ebenso wie von Gästen. Kühne will das alles nicht einfach aufgeben: „Ich will einen Beitrag dazu leisten, dass wir eine Chance auf eine Zukunft haben, auch wenn diese im unteren Promillebereich liegt.“

