Zivildiener: „Reserve für den Notfall“

Vorarlberg / 22.03.2020 • 15:00 Uhr
Zivildiener: „Reserve für den Notfall“
SYMBOLBILD: APA

Im Rettungswesen gibt es besonders viele Zivildiener. Gebraucht werden sie mehr denn je.

SCHWARZACH Das Drückeberger-Image sind Zivildiener längst los: Die Zahl dieser Wehrersatzdiener ist nicht nur stark gestiegen; im Sozial- und Rettungswesen leisten sie unverzichtbare Dienste. Und jetzt werden sie mehr denn je gebraucht: Die Bundesregierung setzt bei der Bewältigung der Corona-Krise auch auf sie: Zivildiener, deren Dienst mit Ende März ausgelaufen wäre, müssen bis Juni bleiben. Und „ehemalige“ sind aufgerufen, zu einem außerordentlichen Dienst zurückzukehren, um etwa den Pflegesektor zu entlasten.
Der Zivildienst ist 1975 eingeführt worden. Zunächst war die Nachfrage danach nicht besonders groß in Vorarlberg: Im ersten Jahr gab es 20 Zuweisungen, in weiterer Folge keine 100. Allerdings: Es gab auch eine Hürde. Zum Zivildienst durfte nur, wer glaubhaft machen konnte, dass er Waffengewalt ablehnt bzw. eine Gewissensprüfung bestand.

Bis 2000 stieg die Zahl der Zivildiener auf immerhin 314. Es sollte jedoch noch weiter nach oben geben. 2015 handelte es sich um 946. Bei diesem Niveau ist es geblieben. Im vergangenen Jahr waren es 953. Vorarlberg weist damit die mit Abstand stärksten Zuwachsraten im Bundesländervergleich auf. Gut jeder zweite Taugliche geht zum Zivildienst.

Zivildiener: „Reserve für den Notfall“

Weil die Jahrgänge aber immer schwächer werden und die Zivildiener unverzichtbar geworden sind, will die Regierung nun gegensteuern: Die Tauglichkeitskriterien sollen gelockert werden. Dadurch soll es nicht nur mehr Grundwehrdiener, sondern auch mehr Zivildiener geben.

Von den 953 Zivildienern waren im vergangenen Jahr 285 im Rettungswesen tätig; das entspricht knapp einem Drittel: „Für uns als Organisation und auch für das gesamte Gesundheitswesen handelt es sich um einen lebenswichtigen Nachwuchs“, bestätigt Rotkreuz-Direktor Roland Gozzi: „Immerhin bleibt ein Teil freiwillig in der Organisation tätig, ein anderer erkennt das Gesundheitswesen als einen Bereich, in dem er beruflich Karriere machen will. Und in Zeiten wie diesen sind besondere auch ehemalige Zivildiener eine ganz wichtige Personalreserve für den Notfall.“
198 Zivildiener waren 2019 in der Behindertenhilfe engagiert, 140 in der Altenbetreuung, 117 in der Sozialhilfe und 65 in Spitälern. „Ohne ihre Mithilfe wären viele Dienste und Angebote der Caritas von den Lerncafés bis zum Hospiz nicht in der gegebenen Qualität möglich“, betont Caritasdirektor Walter Schmolly: „Gerade jetzt in dieser Krisensituation leisten Zivildiener wertvolle Dienste, damit die Versorgung hilfsbedürftiger Menschen gewährleistet bleibt.“ Nachsatz: „Sie sind auch Botschafter für das, was es gerade in einer Krise wie der gegenwärtigen Corona-Epidemie braucht, nämlich das gesellschaftliche Miteinander.“