Nach irrer Flucht vor der Polizei: So hoch ist die Strafe

VN / 11.10.2023 • 17:00 Uhr
Die Angeklagte zeigte sich vor Richter Theo Rümmele vollinhaltlich geständig. <span class="copyright">vn/gs</span>
Die Angeklagte zeigte sich vor Richter Theo Rümmele vollinhaltlich geständig. vn/gs

Auf Beamte losgerast, Dienstautos gerammt: So rechtfertigte Deutsche (54) ihre Chaos-Fahrt quer durch den Bregenzerwald.

Feldkirch Der Fall sorgte für Schlagzeilen im In- und Ausland: Im Juli dieses Jahres flüchtete eine deutsche 54-jährige Autofahrerin vor einer Polizeikontrolle in Obermaiselstein im Allgäu, raste dann durch den Bregenzerwald bis nach Alberschwende, gefährdete dabei andere Verkehrsteilnehmer, fuhr auf einen Polizisten los und rammte zwei Dienstfahrzeuge. Das von ihr in Deutschland unterschlagene Elektroauto konnte erst kurz vor dem Achraintunnel gestoppt werden – durch gezielte Schüsse der Polizei.

Eines der lädierten Polizeiautos, die von der Flüchtenden in Alberschwende gerammt wurden. <span class="copyright">vol.at/pletsch</span>
Eines der lädierten Polizeiautos, die von der Flüchtenden in Alberschwende gerammt wurden. vol.at/pletsch

Einschlägig vorbestraft

Die Deutsche wurde sofort in U-Haft genommen. Wirr und ohne Perspektiven verlief das bisherige Leben der Frau. Arbeits- und obdachlos hatte sie sich in ihrer Heimat schon ein Dutzend gerichtliche Verurteilungen wegen Einmietbetrügereien eingeheimst, schlief in Autos und stand stets auf dem Fahndungsregister.

Dies war ihr auch an jenem 21. Juli bewusst, als sie sich einer Polizeikontrolle gegenübersah. Also drückte sie aufs Gas. Ihre Flucht wurde zum Himmelfahrtskommando. Nicht nur für die 54-Jährige selbst, sondern auch für die Beamten der deutschen und Vorarlberger Polizeistreifen, denen sie eine wilde Verfolgungsjagd lieferte.

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Nun angeklagt wegen der Vergehen des Widerstands gegen die Staatsgewalt, der Körperverletzung und schweren Sachbeschädigung zeigt sich die Beschuldigte bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch umfassend geständig. So geständig, dass die zahlreich als Zeugen geladenen Polizeibeamten gar nicht erst aussagen müssen.

Doch eines will Richter Theo Rümmele noch von der Angeklagten wissen, kurz und bündig. „Warum?“ lautet seine Frage, „warum sind Sie vor der Polizei geflüchtet? Selbst dann noch, als sie auf ihr Auto geschossen hat?“

“Einen Schalter umgelegt”

„Es hat mir oben einen Schalter umgelegt“, verweist die Angeklagte auf ihre damalige psychische Ausnahmesituation. Sie habe nur flüchten wollen und das mit den Schüssen gar nicht mitbekommen. „Es tut mir leid, ich wollte niemanden verletzen“, ergänzt sie. Sie glaubte, der Polizei entkommen zu können. Denn das sei ihr schon zwei- oder dreimal gelungen, wie sie bei einer früheren Einvernahme bemerkte.

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Da spricht Staatsanwalt Manfred Bolter der Beschuldigten eindeutig ins Gewissen: „Als erwachsene Person läuft man nicht davon. Und die Empathie ist bei Ihnen auch den Bach hinuntergegangen.“

“Einfach nur wahnsinnig”

Richter Rümmele wird ebenso deutlich: „In meiner bisherigen Richterkarriere ist mir noch nie ein solch krasser Fall eines Widerstands gegen die Staatsgewalt untergekommen. Es ist einfach nur wahnsinnig, was Sie da aufgeführt haben!“

Die 54-Jährige wird im Sinne des Strafantrages zu 14 Monaten unbedingter Freiheitsstrafe verurteilt, weder Verteidigung noch Staatsanwalt legen Rechtsmittel ein.

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