Mit „Unfalltrick“ immense Summen ergaunert

VN / 09.04.2026 • 17:08 Uhr
Angeklagter Goldbarren.jpg
eckertDie Justizwache führte den Angeklagten im Verhandlungssaal vor.

Etliche Opfer fielen auf serbischen Telefonbetrüger herein.

Feldkirch Die Masche ist alt, doch sie scheint nach wie vor zu funktionieren. Ein eloquenter Anrufer, der sich als Staatsanwalt oder Polizist ausgibt, kontaktiert meist ältere Menschen, erzählt von einem tödlichen Unfall, den der Sohn oder die Tochter des Angerufenen verursacht habe. Anschließend wird vorgegaukelt, es werde dringend eine Kaution benötigt, um das geliebte Kind aus dem Gefängnis zu holen. Ansonsten müsse es in Haft bleiben oder es passiere sonst etwas Schlimmes. Während das Telefonat gehalten wird, kommt ein weiterer angeblicher Polizist vorbei und nimmt Geld und Wertgegenstände entgegen. Die Opfer glauben, damit werde die Kaution gestellt.

Zumeist Ausländer

Die „Abholer“ können oft kein Deutsch, die Hintermänner bleiben meistens im Dunkeln. So auch in diesem Fall, der am Landesgericht Feldkirch verhandelt wird und bei dem ein 22-jähriger Serbe als Kurier tätig wurde. Er holte unter anderem in Satteins, aber auch in Klagenfurt und an anderen Orten Geld, Gold, Silber, Schmuck und andere Wertgegenstände ab. Auch in München wanderten mehrere Uhren eines betagten Herren in seinen Besitz.

Im Hintergrund war der Mann für eine kriminelle Vereinigung tätig. Den einzigen Kontakt, den er angeblich hatte, war zu einem Mann namens „Dragan“. Doch von dem fehlen sämtliche Daten, wie Name oder Aufenthaltsort. Versprochen wurden dem Angeklagten 2500 Euro als Lohn. „Den habe ich nie bekommen, denn man hat mich ja vorher verhaftet“, sagt der Serbe vor Gericht.

Vier Jahre Haftstrafe

Als der Angeklagte dereinst gegenüber einer Frau am Telefon behauptete, dass deren Sohn in Schwierigkeiten sei, wurde sie stutzig, weil sie nur eine Tochter hatte. Während die Mutter am Apparat blieb, verständigte die Tochter die Polizei, die den Serben verhaftete. Seine bis dahin ergaunerte Beute wird mit einem Wert von über 600.000 Euro bemessen. Dafür wird er zu vier Jahren unbedingter Haftstrafe verurteilt.

Einmal hatte der Serbe von einer älteren Dame im Oberland 60.000 Euro gefordert. Die Pensionistin hatte zwar kein Geld zu Hause, allerdings Goldbarren im Wert von über 30.000 Euro. Eine andere Frau aus Klagenfurt, ihr Mann war kurz zuvor verstorben und hatte ihr 12.000 Euro für seine Beerdigung hinterlassen, gab diesen Betrag in ihrer emotionalen Ausnahmesituation an den Abholer weiter.

„Als ich hörte, dass mein Sohn einen tödlichen Unfall verursachte hatte und nun im Gefängnis sitzt, hätte ich alles dafür gegeben, um ihn da raus zu holen“, erzählt eine Zeugin. Als es hieß, das reiche nicht aus, wollte sie zur Bank gehen, um weiteres Geld abzuheben. Doch dazu kam es nicht mehr. Die Bande fürchtete, aufzufliegen. Das gerichtliche Anerkenntnis von 30.200 Euro für die Oberländerin wird wenig bringen, denn der Verurteilte ist völlig mittellos. Die 80-jährige Klagenfurterin hingegen möchte nur noch eines: Ihre Ruhe haben und nicht mehr an die Betrüger erinnert werden. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.