Zwischen Daumendrücken, Hoffen und Beten

Sport / 19.05.2025 • 18:00 Uhr
Zwischen Daumendrücken, Hoffen und Beten

Acht Altacher Clublegenden sprechen über „Bauchweh“ und die richtige Einschätzung der Situation.

Altach Sie alle eint eines. Sie haben mehr als 190 Pflichtspiele für den SCR Altach absolviert und tragen den Club in ihrem Herzen. Und dennoch werfen sie im Gespräch mit den VN einen kritischen Blick auf den Istzustand vor dem “Endspiel” am Freitag (19:30 Uhr) in Linz gegen den LASK. Gleich acht SCRA-Legenden, mit insgesamt 2323 Spielen für den Verein, hoffen auf den Klassenerhalt des heimischen Bundesligaclubs, lassen aber auch durchklingen, dass vor allem die letzten Auftritte der Mannschaft die große Überzeugung haben schmelzen lassen.

Plakalovic
Rade Plakalovic arbeitete u. a. als Cotrainer unter Manfred Bender. gepa

Auch ein Rade Plakalovic (65), der “nur” 137 Spiele für die Rheindörfler absolvierte, aber in der Vergangenheit auch als Trainer bzw. Co-Trainer für den SCRA arbeitete, zeigte sich ob der Lethargie, die die Mannschaft im Heimspiel gegen Klagenfurt an den Tag legte, überrascht. “Ich hatte als Spieler einen Trainer, der sagte nur: Dieses Spiel musst du nicht spielen, dieses Spiel musst du gewinnen. Genau diese Überzeugung hat mir gefehlt. Warum? Das kann ich nicht beantworten. Dafür bin ich zu weit weg.” Seine Hoffnung? “Dass die Mannschaft im entscheidenden Moment Charakter zeigt.” Ein Satz, der von vielen ehemaligen SCRA-Spielern ebenfalls ausgesprochen wurde.

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Emanuel Schreiner, der zehn Jahre für Altach spielte und nun noch für Weißkirchen in der Oberösterreich-Liga aktiv ist, drückt es noch drastischer aus: “Ich hoffe für den Verein, dass es am letzten Spieltag gut ausgeht.” Der 36-Jährige, der aktuell in der Ausbildung zum Lehrer steckt, vermisste in den letzten Spielen vor allem den Mut zur Offensive. “Gegen Klagenfurt kam gefühlt kein Ball in der Box an.” Auch sein ehemaliger Teamkollege, Ex-Torhüter Martin Kobras, blickt im Gespräch noch einmal auf die Klagenfurt-Partie zurück. “Ehrlicherweise hatte ich nicht erwartet, dass nach dem Klagenfurt-Spiel schon alles erledigt ist.”
Eines ist allen Ex-Spielern gemein: Sie drücken ihrem SCR Altach im letzten Saisonspiel die Daumen, wenngleich mit Bähre und Gugganig zwei Spieler wegen Gelbsperre nicht dabei sind. “Ich habe kein Bauchweh, wenn einer fehlt”, sagt Alexander Guem, der den oder die Unterschiedsspieler vermisst.

Das sagen die Clublegenden

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Das Beste an der Situation ist: Die Mannschaft hat es noch immer in der eigenen Hand. Mit dem LASK wartet allerdings auch der schwerste Gegner. Altach muss gewinnen, ich glaube nicht, dass ein Punkt reichen wird. Das ist Druck, ja. Aber Druck gehört zum Job eines Fußballprofis dazu. Oliver Schnellrieder, 55 Jahre

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Für mich ist die aktuelle Diskussion Abstieg oder nicht viel zu früh. Altach ist noch immer vor der Austria aus Klagenfurt und hat alles selbst in der Hand. Mit diesem Gefühl muss die Mannschaft in das Spiel gehen. Auch wenn die Gefahr eines Abstiegs gegeben ist, der Fokus muss positiv ausgerichtet sein. Hannes Aigner, 44 Jahre

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Als Cotrainer beim GAK möchte ich folgendes sagen: Es würde mich persönlich sehr freuen, wenn der GAK und Altach die Liga halten würden. Beide Clubs verfügen über ein großes Zuschauerinteresse. Man darf jedoch nicht außer Acht lassen, dass die psychische Belastung in der jetzigen Phase für alle extrem ist. Andreas Lienhart, 39 Jahre

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Für mich fehlt einfach ein Torjäger. Die Mannschaft hat ganz gute Spiele abgeliefert, vor dem gegnerischen Tor jedoch war man zu harmlos. Dass man jetzt nach einigen Matchbällen auch auf fremde Hilfe angewiesen sein könnte, schmerzt wirklich. Es tut mir vor allem auch um die vielen Fans leid. Christian Schöpf, 49 Jahre

Fußball

Ich bin schon lange nicht mehr im Stadion gewesen. Leider höre ich immer viel Negatives, doch für eine persönliche Einschätzung bin ich zu weit weg. Wenn ich die Situation aus der Ferne betrachte, dann würde ich mir eigentlich einen kleineren, dafür qualitativ hochwertigeren Kader wünschen. Christian Ender, 56 Jahre

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Mir fehlt in der Mannschaft einfach der Unterschiedspieler. Ich glaube auch, dass die Verantwortlichen diesbezüglich ihr Denken ablegen müssen, das Gehaltsgefüge nicht sprengen zu wollen. Als Spieler akzeptierst du, wenn einer mehr verdient. Wenn er auch die entsprechende Leistung bringt. Alexander Guem, 48 Jahre

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Ein wenig Bauchweh bereitet mir die Aussage: Wir spielen gut, doch wir kriegen es nicht rüber. Ich mich an die ersten Tage unter Trainer Alex Pastoor. Er meinte: Eigentlich will ich schönen Fußball spielen, doch jetzt ist es egal, ob wir schön spielen. Ehrlich: Qualispiele sind gefühlt eine Messerstecherei. Emanuel Schreiner, 36 Jahre

Zwischen Daumendrücken, Hoffen und Beten

Ich habe nicht das Gefühl, dass die Mannschaft nach dem Herbst den Turnaround geschafft hat. Das war in den letzten Jahren der Fall. Im Moment lebt man davon, dass auch Klagenfurt und der GAK nicht gut spielen. Zudem schmerzt der Ausfall von Florian Dietz sehr. Jetzt hoffe ich einfach, dass es gut ausgeht. Martin Kobras, 38 Jahre