Die Macht der National Football League

Sport / 05.02.2023 • 18:30 Uhr
Der NFL-Besuch in München war ein voller Erfolg. <span class="copyright">APA</span>
Der NFL-Besuch in München war ein voller Erfolg. APA

Die finanzkräftigste Liga der Welt expandiert weiter.

Schwarzach Kurz nach dem Ende der Fußball-WM 2022 gab FIFA-Präsident Gianni Infantino bekannt, dass der Verband durch Vertragseinnahmen satte 7,25 Milliarden Euro erlöst hatte. Im vierjährigen WM-Zyklus, wohlgemerkt. Für alles. Irgendwo über dem großen Teich dürfte einem Vertreter der National Football League (NFL) angesichts dieser Summe wohl maximal ein müdes Lächeln entfleucht sein. Denn die NFL erlöst 9,30 Milliarden Euro. Pro Saison, nur aus Fernsehverträgen. König Fußball wirkt gegen die finanzielle Allmacht der NFL wie ein Zwerg.

Der vor wenigen Tagen zurückgetretene Tom Brady war eines der Gesichter der NFL.  <span class="copyright">USA Today</span>
Der vor wenigen Tagen zurückgetretene Tom Brady war eines der Gesichter der NFL. USA Today

Aggressive Expansion

Herzlich willkommen zur Super Bowl-Woche. Im bereits fünften Jahr in Serie darf ich für Sie an dieser Stelle am Weg zum Endspiel im American Football ein paar Geschichten aus der mächtigsten Liga der Welt aufbereiten. Bis zum Spiel der Spiele zwischen Kansas City und Philadelphia schildere ich Ihnen täglich Episoden aus dem Spannungsfeld zwischen Football-Sport, Politik, Wirtschaft und Medien.

Lange galt Baseball als die Nummer eins der amerikanischen Sportarten. <span class="copyright">APA</span>
Lange galt Baseball als die Nummer eins der amerikanischen Sportarten. APA

Die NFL als Zusammenschluss aus 32 Mannschaften bzw. Franchises war nicht immer die unangefochtene Nummer 1 in der nordamerikanischen Sportwelt. „America’s Pastime“ (zu deutsch: Amerikas liebster Zeitvertreib) wurde irgendwann im vergangenen Jahrhundert ein Synonym für Baseball. Viele Dekaden lang hielt es niemand für möglich, dass American Football die Major League Baseball (MLB) ein- geschweige denn überholen könnte. Dass es so weit kam, hat mehrere Gründe.

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Als eine der ersten Profi-Ligen in Nordamerika verfolgte die NFL eine bewusst aggressive Expansionspolitik. Nicht nur in punkto teilnehmender Mannschaften, sondern auch was die mediale Durchdringung anbelangt. Obwohl die NFL nur von September bis Februar kompetitive Spiele absolviert, ist das Drumherum mit Wechselgerüchten im Frühjahr, der Talente-Börse namens NFL Draft und vielen anderen Events ein sich selbst fütternder Mediengigant. Keine Liga weltweit versteht es so gut über sich selbst zu sprechen und andere Entitäten darüber berichten zu lassen. Technische Innovationen (Videobeweis seit den 90ern), eine Flexibilität bezüglich des Regelwerks (attraktiver Offensiv-Football wurde Anfang der 00er Jahre bevorteilt) und ein immenses Geschick Stars und Events zu vermarkten, sind da fast nur Beiwerk.

Stars wie Snoop Dogg spielten in der Halftime Show des Super Bowls. <span class="copyright">Reuters</span>
Stars wie Snoop Dogg spielten in der Halftime Show des Super Bowls. Reuters

Und all das dürfte für hiesige Entwicklungen nur der Anfang sein. Im vergangenen November durfte ich als Kommentator des ersten Deutschlandspiels der NFL hautnah erfahren wie ernst es die Liga mit ihrer internationalen Expansion meint. Mit München wurde eine deutsche Großstadt von der NFL eine Woche lang auf links gedreht, an der Football-Dauerbeschallung gab es kein Vorbeikommen. Im Kernland USA besteht mit den aktuellen TV-Verträgen (Gesamtvolumen von 101 Milliarden Euro über 10 Jahre) große finanzielle Sicherheit, aber wenn die 32 Teambesitzer etwas lieben, dann noch mehr Geld zu verdienen.

Die Allianz Arena platzte beim Besuch der NFL aus allen Nähten. <span class="copyright">USA Today</span>
Die Allianz Arena platzte beim Besuch der NFL aus allen Nähten. USA Today

Weitere Spiele in Deutschland

Darum trägt die NFL kommende Saison bereits zwei Spiele in Deutschland aus, der mutmaßlich lukrative Wechsel der TV-Rechteinhaber im deutschsprachigen Raum fügt sich passend ins Bild. Großen Verbänden und Sportarten sollte Angst und Bange werden, denn internationales Wachstum (mit Ausnahme des englischen Marktes) hatte für die NFL bisher eher niedrige Priorität. Dieser Paradigmen-Wechsel hat auch viel mit den Besitzern der NFL-Franchises zu tun. Warum dieser exklusive Club zumeist alter, weißer und stinkreicher Männer eine genauere Betrachtung verdient lesen demnächst auf V+.

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Autor

Martin Pfanner ist selbstständiger Journalist, TV-Kommentator und Sendungsproduzent. Er arbeitet u.a. für PULS 24 und das Streaming-Portal DAZN. American Football und Eishockey sind seine großen Passionen.