Wenn die Medienmeute losgelassen wird

Sport / 03.02.2026 • 17:00 Uhr
Wenn die Medienmeute losgelassen wird

Martin Pfanner über die Tage bis zum 60. NFL-Finale am 8. Februar im Levi‘s Stadium in Santa Clara.

San Francisco “Das ist ja hier wie im Zoo”, meinte Ex-NFL-Spieler Bernhard Seikovits mir gegenüber, als wir vergangenes Jahr in New Orleans im Caesars Superdome anlässlich von Super Bowl 59 zur sogenannten “Opening Night” gegangen waren.

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Dabei ist der gebürtige Wiener, der als Spieler vier Jahre in der National Football League (NFL) verbracht hat, eigentlich einiges gewohnt. Beispielsweise sogenannte “Beat Reporter”, die jeden Tag von einer Mannschaft berichten, sich häufig innerhalb der Team-Anlage frei bewegen können und oft direkt nach Trainings- oder Spielende in der Kabine stehen, um Stimmen und Reaktionen zu sammeln.

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Der „Pod“ von Patriots Quarterback Drake Maye 30 Minuten bevor es überhaupt losging. Und Kameras so weit das Auge blickt. VN

Doch “Opening Night” im Speziellen sowie die “Super Bowl Week” im Allgemeinen sprengen gleich mehrere solcher Rahmen und Vorstellungskräfte. Zwar stammen die letzten belastbaren Zahlen aus dem Jahr 2024, aber mit damals 6000 akkreditierten Personen wurde bei Super Bowl 58 in Las Vegas eine Schallmauer durchbrochen. Von Seiten der offiziellen NFL-Stelle in Deutschland hieß es für heuer nur, dass “so viele Akkreditierungsanträge aus dem deutschsprachigen Raum (Anm. d. Red.: Österreich, Deutschland, Schweiz) eingegangen sind, wie noch nie”. Insofern ist auch vor dem Hintergrund der internationalen NFL-Expansion fast davon auszugehen, dass bei Super Bowl 60 in der Bay Area wohl deutlich über 6000 Medienvertreter vor Ort sein werden.

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Teamfoto der Patriots zu Beginn der Opening Night. VN

Medienleute aus der ganzen Welt

Zurück zu “Das ist ja hier wie im Zoo”. Während sich die Seattle Seahawks und New England Patriots auf die wichtigste Football-Partie der Saison vorbereiten, müssen sie in der Woche vor dem Endspiel zahlreiche Medientermine wahrnehmen. Per ihrer Allmacht schreibt die NFL eine spätmöglichste Anreise zu einer Super Bowl am Montag vor dem Spiel vor. Und darüber hinaus tägliche (!) Verfügbarkeiten aller Spieler und Coaches für Interviews, damit Reporter aus Indien, Nigeria oder Mexiko exakt die gleichen Chancen haben, mehr oder minder gehaltvolle Interviews oder Inhalte mit den Protagonisten zu kreieren. Denn die auserwählten 6000 wollen nicht nur unterhalten werden (dazu mehr im Laufe der Woche hier in den VN), sondern auch etwas zu tun bekommen. So werden Spieler bei den sogenannten “Media Availabilities” förmlich belagert, je prominenter ein Athlet, desto größer der Ring an Pressemenschen und Kameras um ihn herum.

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Plakat eines „Journalisten“ bei Drake Maye. Ein unorthodoxer Weg, um Aufmerksamkeit zu kreieren. VN

Nur kein Skandal vor dem Endspiel

Die diesjährige Opening Night am Montagabend Ortszeit im San José Convention Center war diesbezüglich erneut ein Vorgeschmack, welche Spießrutenläufe die Repräsentanten von Seahawks und Patriots im Laufe der Woche noch erwarten wird. Denn oberstes Mantra ist, nur nichts Falsches zu sagen oder einen wie auch immer gearteten Skandal zu produzieren.

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Vielmehr heißt es, die Contenance zu bewahren, wenn man von kostümierten Reportern, eher unbedarften und nicht unbedingt gut vorbereiteten internationalen Medienvertretern bearbeitet wird oder Comedians wie Jimmy Kimmels “Live-Sidekick” Guillermo Rodriguez versuchen, einen auf das verbale Glatteis zu führen.

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Guillermo Rodriguez, mexikanischer und amerikanischer Talkshow-Star und Komiker, sowie Martin Pfanner. VN

Immerhin gibt es einen tröstenden Umstand für die Super-Bowl-Teilnehmer im Medien-Zoo angesichts der noch bevorstehenden Interview-Termine. Ein Zoo hat meist ganzjährig geöffnet, die Super-Bowl-Woche dauert nur sieben Tage.

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Interviews während des Trainings. apa

Lesen Sie morgen: Das Geschäft mit den Fans – die NFL und ihre Merchandise-Tempel.

Martin Pfannner

Martin Pfanner ist selbstständiger Journalist, TV-Kommentator und Sendungsproduzent. Er arbeitet unter anderem für das Streaming-Portal DAZN. American Football und Eishockey sind seine großen Passionen.