Anfüttern strengstens erwünscht

Martin Pfanner über die Tage bis zum 60. NFL-Finale am 8. Februar und den Umgang der NFL mit Journalisten und Medien.
San Francisco Ist man einer der Auserwählten, die von einer Super-Bowl-Woche berichten dürfen, dann eröffnet sich einem beim ersten Mal eine völlig neue Welt. Stefan Strauss, Pressesprecher vom österreichischen American-Football-Verband (AFBÖ), ist erstmals vor Ort und entsprechend überwältigt. “Es wirkt, als hätte die NFL das Thema ‚perfekte Show‘ durchgespielt. Es kommt richtige Sportfestival-Stimmung für eine ganze Woche auf, so etwas kenne ich aus Europa nicht.”
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Die NFL verfolgt einen klaren Plan
All das hat natürlich System. Die National Football League (NFL) ist, wie an dieser Stelle schon mehrfach beschrieben, eine Liga, die nichts dem Zufall überlässt. Das gilt natürlich auch für externe Faktoren, die das Meinungsbild der NFL beeinflussen könnten. Und diese Faktoren sind eben zumeist Journalisten, Influencer und Content Producer.

Wo Vertreter der Presse in vielen Bereichen der Berichterstattung oft nicht mehr über jene exklusiven Zugänge verfügen, die lange Standard waren, während Redaktionen leerer und Redaktionsmittel gekürzt oder gestrichen werden, während viele Privilegien wie Journalistenrabatte oder Vorteile eingestampft wurden, legt die NFL genau auf diese Bereiche besonders viel Wert. Denn Zugänge für die Medienmeute sind der Schlüssel für positive Berichterstattung. Die NFL feiert sich während der Super-Bowl-Woche klarerweise selbst, andererseits suhlt man sich selbstredend auch im Lob, das die Heerschar an Medienvertretern für die reibungslosen Abläufe, die hervorragende Organisation, aber auch für die vielen kleinen Aufmerksamkeiten übrig hat.

Beispiele für ebendiese Aufmerksamkeiten gibt es genug. Jede akkreditierte Person kann sich dank der zur Verfügung gestellten Busse gratis zwischen den vielen Super-Bowl-Stationen in der weitläufigen Bay Area bewegen. Ob zu den täglichen “media availabilities” der New England Patriots und Seattle Seahawks in Santa Clara bzw. in San José, ob zur Stadionführung ins Levi’s Stadium, wo Super Bowl LX ausgetragen wird, oder zur “Media Night”-Party am Campus von Videospielgigant Electronic Arts (EA), die Türen, die Berichterstattern geöffnet werden, sind welche, von denen Fans nur träumen können.

Natürlich wird weder bei besagter Party noch beim Stadionrundgang auf das kulinarische Wohl der Leute vergessen. Angefüttert wird hier somit nicht nur im übertragenen, sondern auch tatsächlich im kulinarischen Sinne. Spätestens beim Anblick der Reaktionen, der Social-Media-Posts oder Fernsehbeiträge der Medienvertreter, die sich im VIP-Bereich des 1,7 Milliarden teuren Stadion-Prunkbaus durch das eigenes für Super Bowl LX kreierte Menü probieren dürfen, erklärt sich auch das immens positive Image einer Liga, die allein schon ob ihres wirtschaftlichen Gebarens sehr viel Angriffsfläche bieten würde.

Zugänge somit als erster Schlüssel, Abhängigkeiten als zweiter. Allein in den USA verfügen mit FOX, CBS, NBC, ESPN, Amazon Prime und Netflix gleich sechs TV- bzw. Streaming-Anbieter über Live-Rechte. Obwohl diese erst 2032 neu verhandelt werden müssen, bringen sich die Player jetzt schon in Stellung, um ihre Rechtepakete tunlichst zu behalten oder drastisch auszubauen. Zumal Live-Sport und in den USA eben NFL-Football eine der letzten Bastionen mit Quotengarantie ist (Anm. d. Red.: 83 der 100 meistgesehenen TV-Sendungen 2025 waren NFL-Übertragungen). Zu viel Kritik und Tadel könnte da natürlich auch die eigene Verhandlungsposition beeinträchtigen.
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Die Show, die die NFL den angereisten Vertretern der Presse bietet, neigt sich aber schön langsam dem Ende zu. Nach so einer Super-Bowl-Woche vergisst man gerne mal, dass am Sonntag das wichtigste American-Football-Spiel des Jahres ansteht. Darüber lesen Sie morgen in den VN.

Martin Pfanner ist selbstständiger Journalist, TV-Kommentator und Sendungsproduzent. Er arbeitet unter anderem für das Streaming-Portal DAZN. American Football und Eishockey sind seine großen Passionen.