Dieter Alge über Austria Lustenau und den FC Dornbirn: Unterschiedliche Ansprüche

Für den FC Dornbirn endete die Saison in Österreichs zweithöchster Liga mit einer 0:4-Niederlage. Ein Ergebnis, das typisch für den Saisonverlauf der Messestädter war. Denn einem starken Start in die Meisterschaft mit Rang fünf nach 15 Runden folgte eine durchwachsene Rückrunde mit fünf Niederlagen in Folge. Tiefpunkt war wohl das 0:8 in Lafnitz. Doch die Rothosen kamen mit einem Derbysieg sowie einem guten Finish zurück und haben mit Platz sieben die eigenen Erwartungen sowie jene der Fans mehr als erfüllt.
Kompaktheit, Organisation und Teamgeist standen für den FC Dornbirn. Trainer Markus Mader (53) hat seine Mannschaft im Laufe der Meisterschaft in verschiedenen Grundordnungen aufs Spielfeld geschickt. Aus dem bewährten 5-4-1 (Defensiv) wurde ein 4-4-2 Flach bzw. ein 4-4-2 mit Raute. Die Spielidee: Den Gegner „bekämpfen“ und auf die richtigen Umschaltmomente warten. Ein Rezept, das dem Team zu Stabilität verholfen hat und im Konter für Torgefahr sorgte.
Der Erfolg lag aber nicht nur im technisch-taktischen Bereich, sondern auch in der Entwicklung einzelner Spieler. Die Neuzugänge Mario Jokic (30), Stefan Wächter (23) oder Tom Zimmerschied (22/7 Saisontore) waren eine große Bereicherung für die Rothosen. Zudem sind Spieler wie Lukas Katnik (31/9) oder Felix Gurschler (23) mit den Aufgaben gewachsen.
Bei der Austria wurde mit Trainer Alexander Kiene ein neues Trainergesicht präsentiert. Für den 43-jährigen Deutschen war es zugleich seine erste Profistation. Kiene forcierte eine 4-2-3-1-Grundordnung. In dieser sollte sein Team mit hohem Pressing die Gegner früh unter Druck setzen. Ein System, das mit großem Risiko bzw. viel Laufbereitschaft und einer sehr guten Organisation verbunden ist. Im Nachhinein muss ich klar sagen, dass mir die Spielidee zwar gut gefallen hat, die Austria aber nicht die richtigen Spieler dafür hatte. Oft wurden die Grün-Weißen im eigenen Stadion ausgekontert bzw. in der Defensive überlaufen. Hier hätte ich mir vom Trainerteam in taktischer Hinsicht mehr Feingefühl erwartet, um in der Mannschaft früher neue Impulse bzw. Reize zu setzen. Zudem hatte ich das Gefühl, dass im Team der Zusammenhalt fehlte. Zu oft ging nach einem Rückschlag (Gegentor) der Teamspirit verloren.
Mein Fazit: Die Ansprüche der beiden Ländle-Zweitligisten sind sportlich sowie wirtschaftlich gesehen sehr unterschiedlich. Dass der FC Dornbirn beide direkten Duelle in dieser Saison für sich entscheiden konnte, spricht für die Rothosen. Der Austria würde ich empfehlen, endlich wieder zu den Grundprinzipien des Fußballs zurückzukehren.
Dieter Alge (55) ist Fußballtrainer mit Erfahrung im Profi-, Amateur- und Nachwuchsbereich.