Insel der Höhlen und Grotten

Reise / 04.06.2021 • 11:20 Uhr
Unsplash/Massimo Virgilio

Sardiniens Berge sind durchlöchert wie ein Schweizer Käse und wollen entdeckt werden.

Sardinien – da war doch mal was: Aga Khan, Costa Smeralda, Jet Set. Doch Corona hat die Insel schwer getroffen, den Tourismus fast zum Erliegen gebracht. Ganz allmählich kommen die Reisenden zurück auf die Insel. Wer sich jetzt für Sardinien entscheidet, erlebt eine Insel ohne Hektik, eine Landschaft, die noch nicht durch die wuchernde Gewerbegebiete oder Landhausvillen verstellt ist und manchmal auch Menschen, die in einer anderen Zeit zu leben scheinen. Eine Reise zwischen Bergen und Meer.

Der Supramonte überragt alles. Der fast weiße Kalkstein-Gebirgszug prägt das Bild der Insel an der Ostküste. Wir fahren hinein mitten in die wilde Gebirgswelt. Unser Fahrer, der zwar als Schweizer zur Welt kam, aber am liebsten Sarde wäre, kennt hier jeden Schleichweg, und sein Range Rover macht auch auf Sträßchen nicht schlapp, die nur aus Schlaglöchern zu bestehen scheinen. Rolf kam vor fast einem Vierteljahrhundert per Zufall nach Sardinien, als er ein neues Ziel für Motorradtouren suchte – und er hat sich so in die Insel verliebt, dass er in Zürich alle Zelte abbrach und mit Frau und zwei Söhnen übersiedelte.

Sardiniens schönste Orte

Rolfs Leidenschaft für die Wahlheimat ist ansteckend. Denn Rolf weiß, wo es auf Sardinien am schönsten ist. Am Stausee, dem Lago del Cedrino, in dessen klarem Wasser der Supramonte Kopf steht. Am Aussichtspunkt unter dem Monte Moccione, wo man über Grün in allen Schattierungen blickt und hinauf auf den Sattel, dahin wo Szenen für die Film „Die Bibel“ gedreht wurden. Tatsächlich wirkt so manches hier, als komme es aus einer anderen Zeit. Die Hirtenhütte etwa, ein Steinhaus ohne Fenster und nur mit einer Feuerstelle in der Mitte. Es werde bis heute genutzt, erklärt Rolf. Die Hirten bräuchten nicht mehr. Manchmal kämen sie zusammen, tränken Wein und stimmten den sardischen Hirtengesang an, den schwermütigen und polyphonen Canto a Tenore, den die Unesco als immaterielles Welterbe adelte. Wir lernen auf dieser Tour zwar auch noch einen Schäfer kennen, aber er singt nicht. Er kocht stattdessen. Mitten im Nirgendwo ist der Tisch reichlich gedeckt mit regionalen Leckerbissen, Schinken und Salami, Lardo und Wildschweinwurst. Es gibt Spanferkel, kross gebraten, aber kein Lamm. Die Schafe, so Rolf, würden vorwiegend hier als Milchlieferanten für den berühmten Pecorino Sardo Käse gezüchtet – und wegen ihrer Wolle.

Strände und Grotten

An der Küste bei Cala Gonone reihen sich die schönsten Strände aneinander, doch die meisten sind nur mit dem Boot zu erreichen – oder auf einem langen, kräftezehrenden Fußmarsch. Wir sind mit dem Boot da, in dem die zierliche Elisa das Sagen hat, während der braungebrannte Gianfranco das Boot an die Hot Spots der Küste steuert und manchmal sogar hinein in eine der vielen spektakulären Höhlen – Millimeterarbeit. Elisa erzählt von der Grotta del Bue Marino, die lange