Geheimnis im Nebelwald Perus

Eine Seilbahn führt in die Bergfestung von Kuelap, das „Machu Picchu des Nordens“.
Es ist früher Morgen in Cajamarca. Die Luft ist glasklar, der Rauch aus den Kaminen steigt senkrecht in den blauen Himmel. Er vermischt sich mit den Dampfschwaden, die aus Gullys, Kanälen und Abwasserrohren entweichen – ein Nebenprodukt der Baños del Inca, der heißen Thermalquellen, die schon von den Ureinwohnern im Norden Perus genutzt wurden. Aus dem geöffneten Portal der Kathedrale mit ihrer prächtigen barocken Fassade dringt lauter Gesang.
Frauen mit wettergegerbten Gesichtern treiben Ziegen auf die Weide. Hühner flattern zur Seite, und Straßenhunde kläffen den zwei Geländewagen hinterher, mit denen es aus der 300.000-Einwohner-Stadt geht.
Maisfelder und Eukalyptushaine säumen die Strecke. Die Region ist die einstige Heimat der Chachapoya, eines bis heute rätselhaften Volkes von Ackerbauern und Kriegern. Die Inkas, denen sie sich lange widersetzten, nannten sie „Wolkenmenschen“, weil sie vor allem in den Nebelwäldern hoch oben in den Anden lebten. Wer hier zu einer Rundreise aufbricht, entdeckt noch eine Region im Dornröschenschlaf.
Im Herzen der Kordillere, auf 3000 Metern Höhe, liegt die Bergfestung Kuelap, die zwischen dem 8. und 13. Jahrhundert entstand. Touristiker schwärmen vom „Machu Picchu des Nordens“ oder dem „Angkor Wat Lateinamerikas“. Schon die Anreise ist ein Abenteuer auf einspurigen Straßen am Rand des Abgrunds – mit Höhenunterschieden zwischen 800 und 3600 Metern und Temperaturen von acht bis 35 Grad. Während der Fahrt wechseln die Klimazonen im Halbstundentakt: Bibbernd vor Kälte steht man auf kahlen, windumtosten Pässen, um eine Stunde später in der Schlucht des Marañón-Flusses in Schweiß auszubrechen. In einem Moment gleitet man durch liebliche Täler, in denen Papayas und Avocados wachsen, wenig später säumen riesige Kandelaberkakteen die Straße. In Kuelap angekommen, wandert man noch eine halbe Stunde durch den Urwald. Plötzlich steht man vor einer 20 Meter hohen, unüberwindlichen Mauer. Nur eine schmale Pforte führt ins Herz der Stadt. Der betagte Torwächter begrüßt die wenigen Besucher noch mit Handschlag. Rund 450 Häuser auf mehreren Ebenen gab es hier einmal vor
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