Freude bei Staudinger über die Vorsitzwahl in der SPÖ

Politik / 03.06.2023 • 18:09 Uhr
Martin Staudinger war als Mitglied des Bundesparteivorstands Delegierter am Parteitag. Über den Sieg Doskozils freute er sich sichtlich. <span class="copyright">Dietmar Stiplovsek</span>
Martin Staudinger war als Mitglied des Bundesparteivorstands Delegierter am Parteitag. Über den Sieg Doskozils freute er sich sichtlich. Dietmar Stiplovsek

Die Aussagen seiner Landesparteichefin kann der Harder Bürgermeister, Martin Staudinger, nicht nachvollziehen. Im VN-Interview freut er sich über den Sieg von Hans Peter Doskozil bei der Vorsitzwahl der SPÖ.

Linz Der Druck ist merklich abgefallen im Design-Center in Linz, nach der Verkündung des Ergebnisses der Wahl des neuen Bundesparteivorsitzenden. 316 Stimmen von Delegierten reichten, um Hans Peter Doskozil zum neuen Parteichef zu küren. Darüber freute sich – im VN-Interview kurz nach Ende der Veranstaltung – unter anderem der Harder Bürgermeister, Martin Staudinger, der als ehemaliger Landesparteichef immer noch Mitglied des Bundesparteivorstands ist.

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Wie nervtötend ist so ein Parteitag?
Staudinger Es war eine Anspannung zu spüren, die sich in den letzten Monaten aufgebaut hat: Wegen der Konflikte über die Führungsposition, die in den letzten Jahren aufgekommen sind. Die einzelnen Zwischenstufen mit der Mitgliederbefragung, die ein sehr ausgewogenes Ergebnis gebracht hat, leisteten ihren Beitrag. Nun haben wir aber endlich eine endgültige Entscheidung.

Eine Entscheidung, mit der Sie glücklich sind?
Staudinger Ja. Einerseits weil ich die positiven Seiten im Prozess sehe. Die Diskussionen im Hintergrund waren über Monate hinweg lähmend. Außerdem haben wir zahlreiche neue Parteimitglieder dazugewinnen können: Bundesweit, in Vorarlberg, aber auch bei mir in Hard. Jetzt gilt es natürlich, diese auch einzubinden. Und ich bin glücklich, dass sich beide Kandidaten die Hand gereicht haben und gemeinsam arbeiten wollen.

Sind Sie zuversichtlich, dass das klappt?
Staudinger Beide haben ihre persönliche Art und ihre persönlichen Themen eingebracht, aber prinzipiell brauchen wir Beides in der Sozialdemokratie. Diese muss nämlich eine Mehrheit der Bevölkerung ansprechen und das klappt nur, wenn alle mitmachen. Hans Peter Doskozil hat hier klar seine Strategie vorgelegt: Er wollte den Menschen eine Alternative bieten und ich freue mich, diesen Weg mit ihm gemeinsam zu gehen.

Steht jetzt die richtige Person an der Spitze der SPÖ?
Staudinger Definitiv, das hat der Parteitag heute entschieden, dass das so ist. Und Hans Peter Doskozil spricht auch eine Sprache, die die Bevölkerung versteht; er zeigt im Burgenland, dass er Wort hält und Dinge auch umsetzt; dass er Gestaltungsspielräume im Bereich des Mindestlohns und der Pflege findet, aber auch bei der Gesundheit und dem Umweltschutz. Das alles trauen wir ihm im Bund zu und diese Glaubwürdigkeit wird auch zum Erfolg führen.

Der Handschlag von Andreas Babler (l.) und Hans Peter Doskozil (r.) nach Verkündung des Ergebnisses war für Martin Staudinger ein wichtiges Zeichen. <span class="copyright">APA/Georg Hochmuth</span>
Der Handschlag von Andreas Babler (l.) und Hans Peter Doskozil (r.) nach Verkündung des Ergebnisses war für Martin Staudinger ein wichtiges Zeichen. APA/Georg Hochmuth

Was ist jetzt seine größte Aufgabe?
Staudinger Seine Aufgabe ist es, gemeinsam mit Allen diesen Prozess abzuhaken. Die Gruppe, die medial geäußert hatte, dass sie den anderen Kandidaten präferierte, sollte erkennen, dass wir alle Teil der Sozialdemokratie sind und in diese Partei gehören – mit teilweise unterschiedlichen Stilen und unterschiedlicher Art, wie man Dinge benennt: Von der marxistischen Analyse bis zur pragmatischen Umsetzung. Alle sollten sich in der Partei finden und miteinander an einem Strang ziehen: Damit können wir in Österreich eine bessere Regierung bilden – gemeinsam mit Grünen und Neos.

Landesparteivorsitzende Gabriele Sprickler-Falschlunger sieht die Gefahr, dass Hans Peter Doskozil die Parteijugend nicht ausreichend anspricht. Droht da etwa eine Spaltung?
Staudinger Nein, man sollte jetzt endlich einmal aufhören, Dinge ständig negativ zu sehen. Ich war selber in einer Jugendorganisation, dort sieht man Dinge oft radikaler und deutlicher. Diese Menschen haben sich dazu entschieden, in einer sozialdemokratischen Jugendorganisation zu sein, weil sie Teil der SPÖ sein wollen. Und sie kannten die SPÖ davor auch schon, die werden nicht jetzt sagen, dass sie zu einer anderen Partei gehen. Es gilt, aufzuhören, laufend Probleme herbeizureden.
Es hat mich auch in der Vergangenheit sehr gestört, dass manche so getan haben, als wäre ein mit absoluter Mehrheit ausgestatteter Landeshauptmann im Burgenland ein rechter Politiker. Das kann man nicht machen. Hans Peter Doskozil ist an Wahlergebnissen gemessen der erfolgreichste Landeshauptmann in ganz Österreich und wir können uns alle nur eine Scheibe von solchen Ergebnissen abschneiden.

“Es hat mich auch in der Vergangenheit sehr gestört, dass manche so getan haben, als wäre ein mit absoluter Mehrheit ausgestatteter Landeshauptmann im Burgenland ein rechter Politiker. Das kann man nicht machen.

Martin Staudinger, Bürgermeister Hard

Ist die Partei jetzt geeint?
Staudinger Ich glaube, es werden viele enttäuscht nach Hause gehen, es ist wie bei jedem Wettbewerb: Die Seite des anderen Kandidaten wird nicht innerhalb von zwei Minuten sagen, dass alles super ist. Aber ich glaube, dass es schon ein Signal gab: Am Schluss sind alle aufgestanden, haben geklatscht, auch die beiden Kandidaten sind aufeinander zugegangen. Man muss sich entscheiden: Wenn ich eine echte Demokratie will, besteht diese aus mehreren Kandidaten und ich muss akzeptieren, dass nicht jeder gewinnen kann. Einer wird Erster, am Schluss gewinnen jedoch alle durch diesen demokratischen Prozess und den Austausch von Inhalten. Und sind wir uns ehrlich: So weit inhaltlich auseinander sind wir alle nicht und so weit auseinander waren die beiden Kandidaten nicht. Ansonsten wäre das Ergebnis auch nicht so ausgewogen gewesen.
Teilweise waren es eher Stilfragen, aber ich sehe überhaupt kein Problem, dass man, wenn man das will, wieder zueinander findet.

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