Aus dem Leben eines Nikolausdarstellers

Menschen / 05.12.2023 • 17:50 Uhr
Knecht Ruprecht und der Nikolaus haben in diesen Tagen wieder einen vollen Terminkalender. <span class="copyright">VN/Stiplovsek</span>
Knecht Ruprecht und der Nikolaus haben in diesen Tagen wieder einen vollen Terminkalender. VN/Stiplovsek

Edgar Lecher (68) ist seit bald vier Jahrzehnten in Dornbirn ehrenamtlich als Heiliger Nikolaus unterwegs.

Dornbirn Für Edgar Lecher ist momentan wieder eine besondere Zeit. Seit fast vierzig Jahren schnappt er sich jedes Jahr Anfang Dezember Rauschebart, goldenen Stab sowie sein rotes Buch mit dem goldenen Kreuz und geht verkleidet als Nikolaus auf Tour. Dabei stattet er auch Kindergärten, Schulen und Seniorenheimen einen Besuch ab. Mitunter reist er dann schon mal mit Kutsche oder Motocross an. „Nur mit den Skiern war ich noch nicht im Einsatz”, scherzt der 68-Jährige. Diese schnappt er sich dann gerne in seiner Freizeit und schwingt damit die Pisten hinunter.

Für Edgar Lecher ist es wichtig, dass der Nikolausbesuch für alle ein positives Erlebnis wird. <span class="copyright">VN/Stiplovsek</span>
Für Edgar Lecher ist es wichtig, dass der Nikolausbesuch für alle ein positives Erlebnis wird. VN/Stiplovsek

Das Wichtigste ist für den erfahrenen Nikolausdarsteller, dass sein Besuch ein positives Erlebnis für die Kinder ist. „Daher geht auch Knecht Ruprecht und nicht der Krampus mit”, sagt Lecher und blickt in Richtung seiner Begleitung, die Glöckchen umgebunden hat und deren Haar und Bart in den vergangenen Jahren ergraut sind. Das Grau soll dazu beitragen, dass Knecht Ruprecht ebenso freundlicher erscheint.

Auf der Fahrt durch das verschneite Dornbirn. <span class="copyright">Privat/Lecher</span>
Auf der Fahrt durch das verschneite Dornbirn. Privat/Lecher
Der Nikolaus-Darsteller und seine Helfer reisten auch schon mit Kutsche an. <span class="copyright">Privat/Lecher</span>
Der Nikolaus-Darsteller und seine Helfer reisten auch schon mit Kutsche an. Privat/Lecher

Dann erläutert der Dornbirner weiter: „Der Nikolaus kann nicht in ein paar Minuten wieder gut machen, was während des Jahres von Eltern verabsäumt wurde.” Er sei schließlich kein Erzieher und Angstmache sei sowieso fehl am Platz. Selbst versucht er den Kindern auf Augenhöhe zu begegnen. Dies auch im buchstäblichen Sinn, indem er ihnen wenn möglich im Sitzen vorliest. Misst er doch knapp über 1,90 Meter.

Lecher erinnert die Menschen an das Leben des Heiligen Nikolaus. <span class="copyright">VN/Stiplovsek</span>
Lecher erinnert die Menschen an das Leben des Heiligen Nikolaus. VN/Stiplovsek

Besonders freut sich der Vertreter des Heiligen Nikolaus, wenn extra für ihn passend zum Fest dekoriert wird. „Früher waren in so manchen Haushalten beim Besuch sogar der Fernseher eingeschaltet”, erzählt Lecher. Dies habe sich glücklicherweise genauso zum Positiven gewendet, wie die einfühlsamen Vorbereitungen auf den Nikolaus-Besuch und die Gestaltung.

Ein Bild aus dem Privatarchiv erinnert an einen Kindergartenbesuch.
Ein Bild aus dem Privatarchiv erinnert an einen Kindergartenbesuch.

Lecher erklärt den Kindern bei seinen Besuchen, warum der Nikolaus heilig gesprochen wurde und liest Geschichten vor. Diese hat er in seiner Mappe über die Jahre gesammelt. „Das ist inzwischen ein richtiges Bilderbuch geworden”, sagt der 68-Jährige.

Für den nächsten Auftritt ist schon alles hergerichtet. <span class="copyright">VN/Stiplovsek</span>
Für den nächsten Auftritt ist schon alles hergerichtet. VN/Stiplovsek

Behutsam blättert der Mann im roten Pullover an seinem Küchentisch durch die Blätter. „Gerne hören die Kinder auch die Geschichte vom Siebenschläfer und auch die von Knecht Ruprecht”, erzählt er.

Zur Person

Edgar Lecher

Alter 68

Familie verheiratet mit Elisabeth, drei Kinder, vier Enkel

Wohnort Dornbirn

Hobbys Skifahren, Bergtouren

Lebensmotto Genießen, solange man es noch genießen kann.

Auch er selbst war in seinen Anfängen als Begleitung des Nikolaus unterwegs. „Meine Frau hat mich als Knecht Ruprecht kennengelernt”, erinnert er sich an die erste Begegnung mit seiner Elisabeth vor bald 50 Jahren und schmunzelt. Mittlerweile hat das Paar drei erwachsene Kinder und vier Enkel.

Früher waren in so manchen Haushalten beim Besuch sogar Fernseher eingeschaltet.

Edgar Lecher, erfahrener Nikolausdarsteller

Hauptberuflich war Lecher bis zu seiner Pensionierung bei der Stadt Dornbirn in der Verwaltung angestellt. Ehrenamtlich engagiert er sich nicht nur seit Jahrzehnten für die Pfarre St. Martin als Nikolausdarsteller. So war er auch für Essen auf Rädern unterwegs und ist Obmann der Seniorenbörse.

Zwei unterwegs, um mit ihrem Besuch Klein und Groß zu erfreuen. <span class="copyright">VN/Stiplovsek </span>
Zwei unterwegs, um mit ihrem Besuch Klein und Groß zu erfreuen. VN/Stiplovsek

Wenn der Gedenk- und Namenstag des Heiligen Nikolaus am 6. Dezember ansteht, ist nicht nur Lechers Terminkalender gefüllt, sondern auch seine Taschen. Er und Knecht Ruprecht haben nämlich immer auch eine Kleinigkeit für Kinder dabei, die nichts bekommen würden. Den Dornbirner freut es einfach genauso wie seine Begleitung, Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.