Der Kochberuf eröffnete Kornelia Wernbacher neue Welten

Menschen / 27.04.2022 • 14:00 Uhr
Bei der Gartenarbeit kann sich Kornelia von ihrem anstrengenden Beruf regenerieren.<span class="copyright"> kum</span>
Bei der Gartenarbeit kann sich Kornelia von ihrem anstrengenden Beruf regenerieren. kum

Kornelia Wernbacher (57) liebt ihren Beruf. Er brachte sie in ferne Länder. Die Köchin aus dem Montafon arbeitete vier Jahre auf einem Kreuzfahrtschiff.

St. Gallenkirch/Gortipohl Nach der Pflichtschule absolvierte Kornelia Wernbacher (57) im Restaurant “Muntanella Stöbli” in St. Gallenkirch eine Kochlehre. “Ich entschied mich fürs Gastgewerbe, weil ich gerne unter Menschen bin. Ich wusste aber, dass ich fürs Service zu wenig diplomatisch bin”, erklärt die Gortipohlerin, weshalb sie nicht Kellnerin, sondern Köchin wurde. Kornelia hat ihre Berufswahl nie bereut. Der Beruf erfüllt sie auch noch nach 43 Jahren. Denn: “Ich kann mit dem, was ich mache, Menschen Freude bereiten. Wenn den Gästen meine Gerichte schmecken und sie sich dafür bedanken, dann weiß ich, wofür ich es gemacht habe.”

Kornelia, die seit vier Jahren mit Freude im Posthotel Rössle in Gaschurn arbeitet, verhehlt aber nicht, dass man in ihrer Branche stressresistent sein muss. “Ich hatte mein Leben lang Stress im Job. Eine 7- oder 6-Tage-Arbeitswoche war die Regel.” Auch heute noch verlangt ihr der Beruf viel ab. “Zwischen 19 und 20.30 Uhr müssen meine Kollegen und ich 180 5-Gänge-Menüs und 70 à la Carte-Essen rausbringen”, macht sie deutlich, dass der Kochberuf anstrengend ist, geistig wie körperlich. Ihre Rückenschmerzen kommen nicht von ungefähr. “Früher habe ich Fleischwannen herumgeschleppt und 50-Liter-Suppenhäfen getragen. Das verzeiht der Körper nicht.”

Für hochrangige Politiker gekocht

Andererseits eröffnete ihr der Beruf neue Welten. Als Kornelia jung war, war es ihr ein Anliegen, fremde Länder und Kulturen kennenzulernen. “Ich wollte aus dem Tal hinaus. Deshalb bin ich zu meinem Vater nach Kairo gegangen. Er war dort für eine Baufirma tätig. Die ersten paar Wochen lag ich jeden Tag am Swimmingpool und schaute die Pyramiden an. Nächtens war ich mit meinem ägyptischen Freund unterwegs.”

Weil sie im Land bleiben wollte, suchte sie sich eine Arbeit. “Ich erfuhr, dass die Frau des amerikanischen Botschafters einen Koch sucht.” Kornelia bekam den Job und fand sich in einer gänzlich neuen Welt wieder. “Die Botschaftergattin lud gerne zu Galadinners. Ich habe auch für hochrangige amerikanische Politiker gekocht. Die Carters zum Beispiel gingen bei uns ein und aus.” Lächelnd erinnert sich die Montafonerin auch daran, wie der Chauffeur sie immer mit dem gepanzerten Auto zum Markt fuhr.

Kornelia verbrachte ein Jahr in Kairo. Mit ihrem Vater besichtigte sie unter anderem die Pyramiden.
Kornelia verbrachte ein Jahr in Kairo. Mit ihrem Vater besichtigte sie unter anderem die Pyramiden.

Als der Vater nach Österreich zurückkehrte, kehrte auch Kornelia heim. “Ich gehöre ins Montafon. Aber irgendwie fand ich hier keine Ruhe. Ich wollte noch mehr von der Welt sehen.” Der Zufall wollte es, dass es die junge Frau auf ein Kreuzfahrtschiff verschlug, auf die “Royal-Viking-Star”. “Wir waren 40 Köche, die für 800 Passagiere kochten.” Der Job forderte sie. “Wir hatten eine 7-Tage-Woche, sechs Monate lang. Das geht, wenn man zwischendurch ,bädala’ kann.” Wenn sie auf See war, sonnte sie sich in der Freizeit auf dem Deck. An Land besichtigte sie Sehenswürdigkeiten. In besonders eindrücklicher Erinnerung ist ihr zum Beispiel noch die chinesische Mauer. Kornelia kam durch ihren Job weit herum. Unter anderem war sie in der Karibik, in der Südsee, am Mittelmeer, in Hawai, Japan, Kanada, Amerika und Alaska. “Auf der Welt gibt es viele schöne Plätze.”

Auf der "Royal Viking Star" lernten sich Kornelia und Christian kennen. Das Paar heiratete und gründete eine Familie.
Auf der "Royal Viking Star" lernten sich Kornelia und Christian kennen. Das Paar heiratete und gründete eine Familie.

Bei der Arbeit begegnete Kornelia ihrem Lebensmenschen. “Christian war auf der Royal-Viking-Star Oberkellner.” Nach vier Jahren auf dem Schiff wurde sie mit ihm im Montafon sesshaft. Sie heirateten, gründeten eine Familie und suchten sich Arbeit in der Region. Die Mutter zweier Söhne arbeitete bereits in mehreren Häusern, auch als Küchenchefin. Im Posthotel Rössle gefällt es ihr gut. “Dort möchte ich bis zur Pensionierung bleiben.” Langeweile dürfte bei ihr in der Rente keine aufkommen. Denn die Köchin ist auch eine begeisterte Gärtnerin. Bei der Gartenarbeit kann sie sich von ihrem anstrengenden Beruf regenerieren.

Kornelia WErnbacher

geboren 22. Juni 1964 in Schruns

Wohnort Gortipohl

Familie verheiratet, zwei Söhne

Hobby Garten