Jenseits von Blau und Rosa

Die „bessere“ Hälfte im „Herr und Frau Klein“ setzt auf Fairness und Offenheit.
Wien „Ein liebevolles, offenes Elternhaus.“ Das fällt Beate Klein als erstes zu ihrer Kindheit ein. Liebevoll gestaltet und offen für alle wird Jahre später ihr Geschäft „Herr und Frau Klein“ internationale Kunden anlocken.
Einen Masterplan besaß Klein nie. Ihr Blick für Kreatives war jedoch schon früh geschärft. „Architektin, Designerin, ich wollte vieles werden. Es sind aber Zufälle und Begegnungen, die mir den Weg gewiesen haben.“ Dieser führte sie an die Werbe Akademie nach Wien. Das erste Bewerbungsschreiben nach dem Studium beeindruckte die Kreativköpfe bei Demner und Merlicek. „Ich habe Tarotkarten geschickt und ihnen so ihre erfolgreiche Zukunft mit mir als Texterin vorhergesagt.“ Die Werbebranche führte sie unter anderem nach Berlin und Barcelona. Klein hat renommierte Preise gewonnen. Auch den Löwen beim Cannes Lions International Festival of Creativity. „Wenn das Umfeld passt, geht es mir gut. Mit netten Leuten Schönes bewirken. Um das ging es mir immer.“ Nach zehn Jahren in der Branche vermisste Klein aber genau das. „Ich machte einen Schritt zurück, betrachtete mein Leben.“ Dem Urteil fremder Menschen wollte sie sich nicht mehr aussetzen. Die Frage nach Sinnhaftigkeit stellte sich. „Mein Mann und ich gründeten gerade eine Familie und wir fragten, was uns beruflich wieder Freude bereiten könnte.“ 2006 gründete das Ehepaar das Geschäft in Wien. 2019 in Dornbirn.
„Ich habe halb Europa bereist, um faire Produkte zu finden. In einem Laden in Amsterdam bin ich unter ein Bett gekrochen, weil ich die Marke wissen wollte.“ Nachhaltigkeit sei kein Werbeslogan. Die selbst produzierten Baby-Basics aus portugiesischer Biobaumwolle sind „weich wie Schlagrahm“, wirbt sie.
Und die Kunden seien Gäste. „Ich bin eine Gastgeberin. Bei uns wird man auf einen Kaffee eingeladen. Ich liebe das Gespräch und freue mich, neue Menschen kennenzulernen.“ Menschen stehen bei der 48-Jährigen generell im Fokus. Ihr soziales Engagement ist kein PR-Gag. „Ich will nicht, dass ein Kind in Asien leiden muss, damit wir ein schönes Produkt verkaufen können.“ Kunden schätzen den ethischen Zugang, sie kommen aus Monaco und dem Bregenzerwald. „Wir haben damals eine Marktlücke entdeckt. Unser Angebot erschöpft sich nicht in Blau und Rosa.“ Klein war in der Welt zuhause, Vorarlberg bleibt dennoch wichtig. „Ich wollte unbedingt auch dort eine Filiale eröffnen.“ In ihrer spärlichen Freizeit entspannt sie beim Radeln, unterstützt die Grünen in Neubau oder sitzt gerne im Zug nach Vorarlberg. „Auf einer langen Zugfahrt finde ich Zeit für mich selbst.“ TON
„Wenn das Umfeld passt, geht es mir gut. Mit netten Leuten Schönes bewirken. Um das ging es mir immer.“






Zur Person
Beate Klein
Geboren 12. Oktober 1973 in Lauterach
Familie verheiratet mit Stephan Klein, Mama von Lennard und Benno
Wohnort Wien, Neubau
Ausbildung BG Gallusstraße Bregenz, Werbe Akademie Wien
Beruf Unternehmerin