Der Fachhochschule Vorarlberg fehlt das Doktorat

Markt / 02.07.2023 • 11:00 Uhr
Der Fachhochschule Vorarlberg fehlt das Doktorat
An der FHV kann man promovieren – wenn man eine Universität findet, die es unterstützt. VN, FHV

In Bayern kommt es, in Österreich noch nicht: Das Promotionsrecht der Fachhochschule. Vorarlberg ortet Handlungsbedarf.

Dornbirn Bayern kennt es, Baden-Württemberg auch. Österreich und damit Vorarlberg nicht: Das Promotionsrecht an der Fachhochschule. Sprich, an der Fachhochschule Vorarlberg kann man zwar einen Bachelor oder Master machen, aber nur über die Partnerschaft mit einer Universität einen Doktor. Dies behindert aber den Forschungsstandort Vorarlberg.

Nikola Moosbrugger kennt das Problem aus erster Hand.<span class="copyright"> VN/Rauch</span>
Nikola Moosbrugger kennt das Problem aus erster Hand. VN/Rauch

Eine, die das aus erster Hand kennt, ist Nicola Moosbrugger. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Fachhochschule, betreut Forschungsprojekte und mehrere angehende Doktoranden, bzw. jene, die einen Promotionsplatz suchen – und muss sich selbst die Frage stellen, wie sie ihre akademische Laufbahn weiter gestalten will. „Da wäre jetzt halt dann, sobald das Masterstudium abgeschlossen ist, der nächste logische Schritt zu promovieren“, räumt die 25-jährige Fußacherin ein.

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„Es ist schwierig, weil die Studenten müssen sich alle rundum an Universitäten einen Platz suchen und das funktioniert nicht immer so einfach“, gibt sie Einblicke in den Alltag der Vorarlberger Studenten. Die Studenten würden dann an der FHV forschen, den Doktor aber über die Partner-Hochschule machen. Die Suche nach einer solchen Promotionsstelle dauere schon einmal auch ein Jahr. Auffallend sei auch, dass immer noch manche Universitäten einen Master der Fachhochschule nicht als gleichwertig zu ihren Studiengängen bewerten. Die Gefahr für den Forschungsstandort Vorarlberg: Die Abwanderung an eine Hochschule, an der die Promotion möglich ist. „Wenn man sowieso irgendwo hin muss, kann man sich natürlich auch überlegen, ob es nicht eine große Stadt in einem anderen Land gibt, in das man gehen möchte – und dann geht man“, betont Moosbrugger. Sprachbarrieren gibt es keine, einen PhD macht man in ganz Europa auf Englisch.

Auch die Fachhochschule kämpft um das Promotionsrecht. <span class="copyright">FHV</span>
Auch die Fachhochschule kämpft um das Promotionsrecht. FHV

Und: Das fehlende Promotionsrecht an der Fachhochschule bedeutet auch einen Fachkräftemangel in den Forschungseinrichtungen der Fachhochschule, wie Moosbrugger aufzeigt. Dass das Promovieren im Ländle zwar möglich, aber schwierig ist, weiß auch FHV-Forschungsleiter Markus Preißinger: „Am Forschungszentrum Energie hatten wir bereits einmal den Fall, dass ein herausragender Wissenschaftler vom Imperial College London sich gegen ein Angebot von uns entschieden hat, weil sein Heimatland Palästina eine kooperative Promotion mit einer Partneruniversität nicht anerkannt hätte.“

 FHV-Forschungsleiter Markus Preißinger warnt vor einem Wettbewerbsnachteil. <span class="copyright">VN/Lerch</span>
FHV-Forschungsleiter Markus Preißinger warnt vor einem Wettbewerbsnachteil. VN/Lerch

Ein Umstand, der auch Landeshauptmann Markus Wallner beschäftigt. Vorarlberg ist schließlich eines der wenigen Bundesländern, in der die Fachhochschule durch keine Universität ergänzt wird. „Wir haben eine der forschungsstärksten, wenn nicht die forschungsstärkste FH in Österreich“, betont er. Das lasse sich das Land auch etwas kosten, verweist er auf die Millioneninvestitionen in die Fachhochschule. Doch entsprechend gut seien die Voraussetzungen für eine Promotion in Vorarlberg. „Ich sehe nicht, warum die Universitäten das alleinige Recht auf die Promotion haben sollten“, betont Wallner.

Markus Wallner fürchtet um die Wettbewerbsfähigkeit des Forschungsstandorts.<span class="copyright"> VN/Paulitsch</span>
Markus Wallner fürchtet um die Wettbewerbsfähigkeit des Forschungsstandorts. VN/Paulitsch

Rückenwind erhält er durch einen gemeinsamen Beschluss der Bundesländer, besagtes Promotionsrecht vom Ministerium zu fordern – trotz der oft unterschiedlichen Interessen der Länder. „Wir sind uns bewusst, dass man da ein gewisses Level liefern muss, aber dieses ist in Vorarlberg gegeben“, ist Wallner überzeugt. Es mache für Vorarlberg keinen Sinn, Alternativen zu forcieren, wenn man Wissen im Land halten will. „Es ist uns klar, dass es ein langer Weg sein wird, auf dem es Widerstand geben wird.“ In dieselbe Kerbe schlägt Preißinger: „Bei einer Promotion sollte es im Endeffekt um die besten Köpfe, die besten Ideen und die beste Forschung gehen – nicht darum, ob man Fachhochschule oder Universität ist.“