“Ich wollte kein Schmuckstück schenken, das Leid verursacht” – wie eine Bergtour auf der Schesaplana alles veränderte

03.02.2026 • 17:39 Uhr
"Ich wollte kein Schmuckstück schenken, das Leid verursacht" – wie eine Bergtour auf der Schesaplana alles veränderte
Christopher Graf mit seinem selbst entworfenen Schmuck VN/Roland Paulitsch

Christopher ist der Mann, der Bergrouten aus dem 3-Ländereck auf Edelmetalle prägt und dabei auch noch einen nachhaltigen Aspekt verfolgt.

Darum geht’s:

  • Christopher Graf wechselte vom IT-Designer zum Goldschmied.
  • Schmuckidee entstand nach Bergtour in der Natur.
  • Verwendet fair zertifiziertes Gold und Silber aus Minen.

Bludenz Es beginnt mit einer Bergtour – und endet mit der Berg.Kette – einer Schmuckidee, die heute weit über Vorarlberg hinausreicht. Christopher lebte lange in Berlin und arbeitete im IT- und Designbereich, ebenso seine Vorarlberger Partnerin Silvia. Während der Corona-Zeit zog es viele Menschen in die Natur. Das war auch der Grund, warum sich die beiden für eine lange Wanderung entschieden haben. Eine Überschreitung von der Schesaplana über den Gletscher, eine Übernachtung und dann der Abstieg in den Nenzinger Himmel. “Eine anstrengende Tour”, erinnert sich Christopher. “Silvia wunderte sich damals über ihre Kondition – aber unterwegs denkt man nicht weiter darüber nach.”

Erst Wochen später, zurück in Berlin, wurde klar: Die beiden hatten die Wanderung nicht zu zweit gemacht. Silvia war schwanger. “Ganz klassisch”, sagt Christopher. “Wir hatten es geplant, der Test hat es bestätigt, die Freude war groß.” Und doch veränderte dieser Moment alles – auch beruflich.

Während Corona die Liebe zu den Bergen entdeckt

Silvia stammt ursprünglich aus Bludenz und so war Vorarlberg dem Paar nicht fremd. Für die gemeinsame Elternzeit entschieden sie sich schließlich, viel Zeit hier zu verbringen. Und während sich das Leben neu sortierte, kam ein Impuls von unerwarteter Seite: Christophers Mutter kam mit dem mütterlichen Rat: Er solle Silvia zur Geburt ein Schmuckstück schenken. “Ich fand das zuerst befremdlich”, sagt Christopher. “Das klang nach einem sehr alten Rollenbild.” Gleichzeitig ließ ihn der Gedanke nicht los.

"Ich wollte kein Schmuckstück schenken, das Leid verursacht" – wie eine Bergtour auf der Schesaplana alles veränderte
Wandern gehört nach wie vor zum Familienleben. Christopher Graf

Eine Geschäftsidee ist geboren

Mit dem Hintergrund aus dem Designbereich entstand eine Idee, die persönlicher kaum sein konnte: ein Schmuckstück, das die gemeinsame Wanderung abbildet. Lünersee, Schesaplana, Nenzinger Himmel – als abstrahierte Bergkette, reduziert, tragbar, unaufdringlich. Die ersten Schritte waren experimentell. Digitale Modelle, günstige Metalle, verworfene Prototypen. “Es musste sitzen. Wenn, dann richtig”, schwärmt Christopher.

"Ich wollte kein Schmuckstück schenken, das Leid verursacht" – wie eine Bergtour auf der Schesaplana alles veränderte
Der Schmuckliebhaber entwirft Ketten- und Armbandanhänger am Bildschirm. VN/Roland Paulitsch

Doch ein Punkt wurde schnell zum zentralen Konflikt: das Material. “Dieses Schmuckstück feiert die Geburt meiner Tochter”, sagt Christopher. “Das kann nicht auf Leid basieren.” Konventionelle Lieferketten kamen für ihn nicht infrage – weder undurchsichtige Herkunft noch bloßes “Recycling”-Labeling. Über Fairmined- und Fairtrade-zertifizierte Lieferketten bezieht er heute Gold und Silber aus Minen etwa in Peru oder Kolumbien – transparent, nachvollziehbar, mit direktem Bezug zu den Menschen, die das Metall abbauen.

"Ich wollte kein Schmuckstück schenken, das Leid verursacht" – wie eine Bergtour auf der Schesaplana alles veränderte
Die zarten Anhänger, als Relief in Gelbgold, Rosé oder Silber erhältlich. VN/Roland Paulitsch

Produziert wird über eine Gießerei in Pforzheim, mit 3D-Wachsmodellen und klassischem Guss. Entworfen wird in Bludenz, verkauft fast ausschließlich online. Und doch geht es Christopher um mehr als ein digitales Produkt. “Ich wollte immer einen Ort schaffen”, sagt er. Einen Raum, in dem Gestaltung erlebbar wird.

Dieser Wunsch rückt nun näher. In Bludenz ergeben sich neue Kooperationen, ein Geschäftslokal im Zentrum ist in Aussicht. Erste Schritte Richtung lokaler Nachbearbeitung sind geplant, langfristig soll mehr Wertschöpfung nach Vorarlberg geholt werden. “Wenn es an mir liegt, wächst das – und ich mache das nicht mehr alleine.”

Wer seinen Schmuck kauft, ist schwer zu kategorisieren. Nicht der Geldbeutel sei entscheidend, sagt Christopher, sondern die Geschichte. Verlobungen, Jahrestage, Orte, die verbinden. Berge, Seen, Fjorde – jede Landschaft wird zur Erinnerung in Metall.

Das erste Stück aber bleibt besonders. Es hängt noch immer um Silvias Hals. Eine Bergkette, die an eine Wanderung erinnert – und an den Moment, in dem aus zwei Menschen eine Familie wurde.

Zur Person

Name: Christopher Graf
Alter: 36
Familie: Lebensgefährtin Silvia und Tochter
Hobbys: in den Bergen sein
Lebensmotto: “Be the change you want to see in the world”