Lauter Knall beim Akustikprofi

Automobilzulieferer Carcoustics: Kein Betriebsrat, kein Sozialplan für die Mitarbeiter.
Klaus, Leverkusen Carcoustics entwickelt und produziert akustisch, thermisch und elektromagnetisch wirksame Bauteile für die Automobilindustrie. In Zukunft allerdings nicht mehr in Vorarlberg. Zu teuer sei der Standort, Das Unternehmen mit Hauptsitz im deutschen Leverkusen weicht auf Produktionsstandorte in Senec in der Slowakei und Wroclaw in Polen aus. Für 100 oft langjährige Mitarbeiter bedeutet das die Kündigung, 90 Mitarbeiter werden weiterhin in Klaus beschäftigt. Sie arbeiten in der Produkt- und Prozessentwicklung, dem Prototypenbau und den Supportbereichen, die in Klaus weitergeführt werden und sind, so das Unternehmen „ein wichtiger Bestandteil der Carcoustics-Gruppe“.
Großauftrag im Frühjahr
Noch im Mai 2022 schien die Situation für den Vorarlberger Standort rosig: Carcoustics hat für Klaus einen mehr als zehn Millionen Euro schweren Auftrag zur Herstellung von Bauteilen für Elektrofahrzeuge von einem großen internationalen Automobilhersteller, der spezielle Bauteile mit hohen Brandschutzanforderungen bestellt habe, an Land gezogen. „Es ist das erste Mal, dass Carcoustics in dieser Dimension Bauteile für Elektrofahrzeuge entwickelt und produziert.“ Der Auftrag hat die Arbeitsplätze nicht gerettet, wie seit Dienstag klar ist. Für die Mitarbeiter, die oft seit vielen Jahren für das Unternehmen arbeiten, heißt es im nächsten Jahr einen neuen Arbeitsplatz zu suchen.
Besonders bitter für die 100 Mitarbeiter, die im nächsten Jahr in mehreren Etappen gekündigt werden: Einen Sozialplan wird es nicht geben. „Den gibt es nur, wenn das betroffene Unternehmen einen Betriebsrat hat“, informiert Arbeiterkammer-Direktor Rainer Keckeis. Ohne Arbeitnehmervertreter im Unternehmen seien die Mitarbeiter jetzt auf das Goodwill des Noch-Arbeitgebers, der Carcoustics Belgien als Mehrheitseigentümer und Carcoustics International als weiteren Gesellschafter nennt, angewiesen.
Kein Kommentar
Ob sich das Unternehmen einen Sozialplan vorstellen kann, ist nicht klar. Am Mittwoch wurde beraten – sowohl Vorarlberg-Geschäftsführer Johann Hubert Kopf als auch Unternehmenssprecherin Mareike Poell in Leverkusen waren auf Dauersitzung und deshalb nicht erreichbar – ob es um die Kündigungen ging, war nicht zu erurieren.
Erreichbar war Arbeiterkammer-Direktor Rainer Keckeis, der auf die gemeinsamen Informationsveranstaltungen für die Mitarbeiter, die am Freitag und Dienstag stattfinden werden, hinwies. Dort werden, so AMS-Vorarlberg-Geschäftsführer Bernhard Bereuter, die Mitarbeiter über Rechte und Pflichten und die Dienstleistungen wie Qualifizierungsmaßnahmen und/oder das Arbeitslosengeld des Arbeitsmarktservices wie ihrer Interessenvertretung AK informiert. Auch Unternehmen, die Mitarbeiter suchen, können sich beim AMS melden, so Bereuter, man stehe mit einer Ansprechperson bei Carcoustics in Verbindung. Ein großer Wermutstrofpen sei, dass hier Arbeitsplätze dauerhaft abgebaut werden, so der AMS-Chef, der berichtet, dass 36 Prozent der Personen, die gekündigt werden, über 50 Jahre alt sind und rund zwei Drittel von ihnen angelernte Kräfte sind.
Ein großer Aderlass ist der Abbau von Arbeitsplätzen für die Gemeinde Klaus, so Bürgermeister Simon Morscher. „Jeder Arbeitsplatz, der verlorengeht, tut uns weh“, sagt Morscher. Die Gemeinde sei stark auf die Kommunalsteuer angewiesen und der Arbeitskräfteabbau kostet Klaus rund 200.000 Euro. Auch wenn die Botschaft keine gute sei, so sei es auch verständlich bei den Produktionskosten, die schon wegen der Energie ungebremst steigen.
Gegründet 1974
Gegründet wurde der Standort Klaus im Jahr 1974 als erste ausländische Produktionsstätte des Unternehmens. Firmengründer Wilhelm „Willi“ Gustav Illbruck war schon viele Jahre zuvor als passionierter Skifahrer ein treuer Gast Vorarlbergs – der Fleiß und die Qualifizierung der Vorarlberger waren für ihn Anlass, den Standort in Vorarlberg zu gründen. VN-sca
