Maßnahmen der Unternehmen gegen Corona-Krise

Mitarbeiter der Vorarlberger Firmen im Homeoffice, in Kurzarbeit und viele am Arbeitsplatz.
Schwarzach Große wie kleine Firmen profitieren von der Kurzarbeitszeitregelung, die bereits Anfang der Woche von der Bundesregierung beschlossen worden ist. Gestern Nacht wurden auch die Details ausgearbeitet. “Eine großartige Leistung aller Beteiligten”, stellt dazu AMS-Chef Bernhard Bereuter fest. Auch im Land arbeiten alle Sozialpartner eng zusammen, um in der Corona-Krise, die für viele Firmen existenzbedrohend ist, zu ermöglichen, dass keine Arbeitnehmer gekündigt werden und Firmen in ihrer wirtschaftlichen Existenz nicht akut bedroht sind. Den größten Applaus erhalten in dieser Situation aber die arbeitenden Menschen, die für die Aufrechterhaltung der Infrastruktur und Versorgung im Einsatz sind, von ihren Arbeitgebern, die in praktisch allen Unternehmen den starken Zusammenhalt aller hervorheben. Alle Informationen zur Kurzarbeitszeitregelung findet man auf der Homepage des AMS (ams.at/unternehmen). Bis heute haben sich rund 1340 Firmen beim Arbeitsmarktservice gemeldet, welche die Option Kurzarbeit in Anspruch nehmen wollen oder prüfen.
Immer mehr Kurzarbeit
Die Gewährleistung der Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie haben in den meisten Unternehmen eine völlige Umstellung der Arbeitsabläufe notwendig gemacht, wie die Berichte aus großen wie kleinen Firmen zeigen. Wo auch das aus verschiedensten Gründen – etwa die Unterbrechung der Lieferkette oder Betriebsschließungen wie in der Automobilindustrie – nicht mehr möglich ist, wurde auf Kurzarbeit und temporäre Betriebsschließungen umgestellt, wie in den heutigen Berichten aus den Unternehmen (siehe unten) zu entnehmen ist.
Bereits kommende Woche soll es einen Härtefonds in Höhe von einer Milliarde Euro für stark betroffene Einpersonen- und Kleinunternehmen geben. “Es gibt Menschen, die Angst haben um ihren Job. Wir setzen daher den Corona-Härtefonds auf”, dieser werde Kleinstunternehmen wie auch EPU unterstützen, verwies Wirtschaftsministerin Margarate Schramböck auf die Maßnahme.
Erne Fittings
Schlins Bei Erne Fittings wurde ein Covid-19-Krisenteam eingerichtet, welches Sorge trägt, dass die vorgegebenen Maßnahmen im Unternehmen auch entsprechend umgesetzt werden. Das Krisenteam informiert sich täglich über den aktuellen Stand, evaluiert die Lage für Erne Fittings neu und passt gegebenfalls die bereits getroffenen Maßnahmen tagesaktuell an. Das Team ist zudem für die Kommunikation der Maßnahmen und Informationen zuständig und ist zentraler Ansprechpartner für unsere Mitarbeiter zu allen Fragen im Hinblick zu Covid 19. Dienstreisen sind bis auf Weiteres untersagt sowie externe Besuche und Schulungen bis auf Weiteres verschoben. Generell sind die persönlichen Zusammentreffen auf ein Minimum zu reduzieren und wenn möglich telefonisch oder schriftlich zu regeln. Ansonsten gilt es den Mindestabstand von 2m einzuhalten, eigene Schreibgeräte zu nutzen und natürlich die entsprechenden Hygienevorschriften einzuhalten. Dort wo es möglich ist, haben wir mit den Mitarbeitenden Home- office vereinbart. In der Produktion wurde der Schichtbetrieb verkürzt, um eine Überschneidung zu verhindern.
Da Erne Fittings ein Produktionsbetrieb ist, kann man nicht alle Mitarbeiter ins Homeoffice schicken, es wurden aber alle denkbar möglichen Regelungen getroffen, damit die Mitarbeiter, die physisch anwesend sind, möglichst keiner Gefahr ausgesetzt werden. Bisher sind alle nicht gefährdeten Personen regulär zur Arbeit erschienen. Bisher wurden keine infizierten Personen bei Erne Fittings gemeldet. Falls Mitarbeiter Bedenken haben sollten und nicht zur Arbeit kommen möchten, können diese nach Rücksprache mit den Vorgesetzten Zeitausgleich oder Urlaub konsumieren.
Privatkäserei Rupp
Hörbranz Die Privatkäserei Rupp mit ihren Marken Rupp und Alma tut alles, um ihren Beitrag zur Bewältigung der aktuellen Situation zu leisten. Dort wo es möglich sei, arbeiten die Mitarbeiter von zu Hause. Die Produktion steht nicht still, um die Lebensmittelversorgung gewährleisten zu können. Die Rupp-Senner käsen weiterhin jeden Tag Vorarlberger Bergkäse g.U. Alles natürlich unter den gegebenen notwendigen Sicherheits- und Hygienestandards.
Lidl Österreich GmbH
Salzburg Lidl hat in den Filialen schon vor Wochen verstärkte Hygiene-Maßnahmen getroffen, um Mitarbeiter und Kunden zu schützen: Kritische Punkte werden regelmäßig desinfiziert. Die Filialen werden mit Desinfektionsmitteln ausgestattet, sodass sich die Mitarbeiter neben regelmäßigem Händewaschen auch ihre Hände desinfizieren können. Es steht jedem Mitarbeiter frei, einen Mundschutz oder Handschuhe zu tragen. In der Diensteinteilung achtet das Unternehmen individuell auf mögliche Risikogruppen. Darüber hinaus werden mit zusätzlichen Maßnahmen an den Kassen die Mitarbeiter geschützt (z.B. in Form von Bodenbeklebungen für den nötigen Abstand beim Bezahlen oder mit Plexiglaswänden für die Kassiererinnen). Auf Plakaten in und vor der Filiale sowie am Kassen-Screen informiert Lidl die Kunden und bittet sie, beim Einkaufen immer einen Mindestabstand zu halten und wenn möglich mit Karte statt Bargeld zu bezahlen. Lidl setzt außerdem, überall wo es möglich ist, auf Homeoffice für die Mitarbeiter in den zentralen Organisationen.
Josef Mäser GmbH
Dornbirn Der Geschirrspezialist hat ab Montag für zwölf Wochen Kurzarbeit angemeldet. “An Freitagen arbeiten wir gar nicht und versuchen dennoch für die verbleibenden Kunden mit vollem Engagement da zu sein und uns auf wieder bessere Zeiten vorzubereiten. Ansonsten wurden folgende Maßnahmen gesetzt: Informationen der Mitarbeiter zur Einhaltung aller notwendigen Hygienemaßnahmen (persönlich, über alle internen Medien), Desinfektion der WC-Anlagen, Aufenthaltsräume, Türgriffe und Handläufe, im Krankheitsfall zu Hause bleiben, Reiseverbot, Einrichtung vieler Heimarbeitsplätze (80 Prozent der Verwaltung), Vermeidung von Besprechungen (Nutzung digitaler Medien), Betrieb (Produktion, Logistik, Postversand) von Ein- auf Zwei-Schicht umstellen, um Kontakte möglichst zu minimieren. Der geschäftsführende Gesellschafter Otto G. Mäser: „Wir prüfen täglich neu.“
FHE Franke
Dornbirn Der Dornbirner Großküchenhersteller hat bereits am Montag den Betrieb heruntergefahren, auch deshalb, weil die gesamte Gastronomie und Hotellerie zugesperrt hat. Hauptgrund ist aber, so Prokurist Roland Hörmann, die Mitarbeiter so gut wie möglich zu schützen. Lediglich das Corona-Team trifft sich regelmäßig, um die Lage zu beurteilen. Bei der Kundschaft stieß die Entscheidung auf Verständnis, nur ganz wenige Auftraggeber zeigten sich uneinsichtig. FHE Franke ist telefonisch erreichbar, auch Notdienste werden, selbstverständlich unter Einhaltung aller Vorschriften, durchgeführt.
XXXLutz
Wels Der Möbelkonzern XXXLutz hat in Österreich und damit auch in Vorarlberg alle seine Niederlassungen stillgelegt, die rund 400 Mitarbeiter in Vorarlberg sind wie ihre Kollegen zur Kurzarbeit angemeldet, die, so Firmensprecher Thomas Saliger, in Österreich hervorragend geregelt sei. Als international tätiges Unternehmen habe man den Vergleich. Die Zentrale ist komplett auf Homeoffice umgestellt, bei täglichen Meetings beurteile man die Lage stets aktuell. Im Einsatz sind noch die Logistik und das Zentrallager, außerdem funktioniert E-Commerce auch weiterhin. Dabei werden die Vorschriften der Bundesregierung penibel eingehalten. Wenn die Baufirmen z. B. in Lauterach den Betrieb einstellen, werde man den Unternehmern keine Steine in den Weg legen, betont Saliger. „Jetzt müssen wir zusammenhalten, die Corona-Krise zeigt, wie man miteinander umgeht.”
Vorarlberg Tourismus
Dornbirn Bis auf zwei Mitarbeiter(innen) arbeiten derzeit alle in Telearbeit. Wenn es notwendig ist, ins Büro zu kommen, um beispielsweise Unterlagen zu holen, sind die Mitarbeiter nur kurz da bzw. stimmen die Arbeitszeiten vor Ort ab. Tourismusdirektor Christian Schützinger: “Wir sind generell sehr flexibel und mobil im Einsatz, technisch entsprechend ausgerüstet und können deshalb auch in dieser Situation kurzfristig reagieren. Wir sind guter Dinge, alle gehen mit der Situation sehr pragmatisch und gefasst um.” Gerade wenn es um aktuelle Entwicklungen und Informationen aus den verschiedenen Märkten geht, sei man natürlich in enger Abstimmung mit der Österreich Werbung mittels Telefonkonferenzen oder Videokonferenzen. Schützinger: “Als Kommunikationsdienstleister für die Branche sind wir derzeit in einer besonderen Verantwortung: Wir informieren seit gut drei Wochen unsere Gäste bei Anfragen, halten die Betriebe über die Entwicklungen, Erlässe und Verordnungen hinsichtlich Corona auf dem Laufenden und sind ständig in Bereitschaft.”