Lockere Radmuttern, gerissene Bremsscheibe: Kontrollteam stoppt mehrere Lkws auf der A14

Bei der Lkw-Kontrollstation in Nüziders ziehen Polizisten und Asfinag-Mitarbeiter Lkws mit gravierenden Mängeln aus dem Verkehr. „Es gibt nichts, was es nicht gibt“, sagt Polizist Siegfried Gsodam.
Nüziders Für den litauischen Lkw war bei der Lkw-Kontrollstation in Nüziders auf der A14 Endstation. Eine Weiterfahrt hätte eine akute Gefahr für den Straßenverkehr dargestellt. Polizist Benjamin Hämmerle entdeckte bei seinem Kontrollrundgang hinten rechts am Reifen lockere Radmuttern. Nur zwei von zwölf waren fest, auf drei Radschrauben fehlten die Radmuttern komplett. „Auf der S16 wäre es vorbei gewesen“, vermutete Polizist Siegfried Gsodam. Bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h wäre der lose Reifen nicht nur für den Lkw-Fahrer, sondern auch für andere Verkehrsteilnehmer lebensgefährlich gewesen. „Es gibt nichts, was es nicht gibt“, weiß Gsodam, der das wackelnde Rad bereits beim Einfahren in die Kontrollstelle bemerkte.


In Vorarlberg gibt es 35 speziell geschulte Polizisten für Schwerverkehrskontrollen; acht von ihnen sind ausschließlich dafür zuständig, die übrigen führen diese Kontrollen zusätzlich zum regulären Streifendienst durch. Mario Gmeiner leitet den Fachbereich Schwerverkehr bei der Landesverkehrsabteilung Vorarlberg. An diesem Tag kontrollierte er gemeinsam mit fünf Kollegen den Schwerverkehr. Unterstützt von drei Asfinag-Mitarbeitern wurden die Fahrzeuge vor Ort technisch überprüft.


„Der erste Blick ist entscheidend“
Zunächst begutachteten die Beamten die Fahrzeuge aus der Ferne. „Der erste Blick ist entscheidend“, sagte Gmeiner. Vor allem ältere Fahrzeuge und offensichtlich desolate Lkws mit ausländischen Kennzeichen weisen häufig Mängel auf – insbesondere bei Reifen und Bremsen. Der litauische Lkw stach allerdings heraus: Er ist erst ein halbes Jahr alt. Der Lenker aus Usbekistan erklärte, dass vor 14 Tagen die Reifen gewechselt wurden. Der Verdacht liegt nahe, dass der Reifen damals nicht korrekt montiert wurde. Auf der Straße war der Lkw eine tickende Zeitbombe.


Täglich werden bis zu zwölf Lkws überprüft. Die Hälfte dieser Fahrzeuge weist so gravierende Mängel auf, dass sie aus dem Verkehr gezogen werden müssen. Doch: „Auf diese Lkws warten wir gezielt“, betonte Gmeiner. Vorarlberger Unternehmen seien von den Maßnahmen meist nicht betroffen. Ihre Lkws seien regelmäßig auf den gleichen Routen unterwegs und gut gewartet.


Auch ein polnischer Lkw durfte seine Fahrt nicht fortsetzen. Benjamin Hämmerle leuchtete mit der Taschenlampe auf das Reifenprofil des Sattelaufliegers. An einem Reifen entdeckte er einen Schlitz – wie tief, konnte er zunächst nicht feststellen. Sollte der Schnitt bis zum Metallgewebe reichen, droht zeitnah ein Reifenplatzer.


Schwerer Mangel bei den Bremsen
Nach dem Wiegen – das Gesamtgewicht darf 40 Tonnen nicht überschreiten – wurden die Bremsen geprüft. Beim Bremsentest wies der polnische Lkw erhebliche Bremskraftdifferenzen auf, was laut Gmeiner einen schweren Mangel darstellt. Danach kontrollierten Andreas Orgler, Armin Omentisch und Wolfgang Schiffert von der Asfinag die Aufhängung, Radlager und Stabilisatoren des Fahrzeuges. Der Riss im Reifen reichte zwar nicht bis zum Gewebe, doch die Techniker entdeckten zusätzlich einen Riss in einer Bremsscheibe. Prüfleiter Andreas Orgler stellte nach Sichtung der Fahrzeugpapiere und des Zulassungsscheins ein Gutachten mit allen festgestellten Mängeln aus.


Währenddessen las Benjamin Hämmerle im Büro die Lenk- und Ruhezeiten aus. Daraus ist ersichtlich, wann der Lkw bewegt wurde, mit welcher Geschwindigkeit und welcher Fahrer am Steuer saß. Auch die genaue Fahrtstrecke kann nachvollzogen werden. Beim polnischen Lkw waren die Zeiten korrekt, Übertretungen lagen keine vor. Auch die Ladung war sauber gesichert.


Beim litauischen Lkw war neben dem lockeren Reifen auch die Bremsscheibe der zweiten Achse rechts gerissen. Zusätzlich waren drei Radlager ausgeschlagen. Erst nach erfolgter Reparatur durften beide Fahrzeuge weiterfahren. „Wir arbeiten mit Nachsorgeunternehmen zusammen“, erklärte Gmeiner. Gemeint sind Kooperationspartner wie Brems- und Reifendienste, die die Fahrzeuge wieder fahrtüchtig machen oder die Reparaturen überwachen. Die Reparaturkosten trägt das jeweilige Logistikunternehmen.



Wie hoch die Strafen sind
Zusätzlich wird eine vorläufige Geldstrafe verhängt – diese liegt zwischen 100 und 5000 Euro. „Die Strafsätze werden von der Behörde vorgegeben. Im Bedarfsfall kann aber je nach Ermessen die Sicherheitsleistung auch erhöht werden“, so Gmeiner. Für den polnischen Lkw wurden 150 Euro fällig, für den litauischen Lkw 580 Euro. An diesem Tag zogen die Polizisten fünf desolate Lkws aus dem Verkehr.


