Corona-Baustopp: “Bundesregierung muss klares Wort sprechen”

Markt / 20.03.2020 • 05:45 Uhr
Corona-Baustopp: "Bundesregierung muss klares Wort sprechen"
Die Asfinag hat ihre Baustellen bereits heruntergefahren. Bei den ÖBB stehen Entscheidungen noch aus. VN/LERCH

Sollen Baustellen runtergefahren werden? Heftige Diskussion in der Bauwirtschaft um die richtigen Maßnahmen geht weiter.

Schwarzach, Bregenz Die erhoffte Klärung hat der Baustopp auf Landesbaustellen, der gestern von Wirtschaftslandesrat Marco Tittler und Landeshauptmann Markus Wallner verkündet wurde, nicht gebracht. In der Branche wird hinter den Kulissen weiter heftig gestritten, wie es weitergehen soll. “Die Bundesregierung muss hier ein klares Wort sprechen”, sagt der Innungsmeister der Zimmerer und Obmann der Vorarlberger Holzbaukunst, Herbert Brunner, dazu und lässt nicht offen, welche Lösung er gerne hätte. “Man muss jede Baustelle für sich betrachten, denn es ist sehr wohl möglich, die Vorschriften umzusetzen.”

Klein versus Groß

Die Holz-Baustellen seien in der Regel nicht sehr groß, meistens privat und könnten in Bezug auf Corona-Sicherheit leichter abgewickelt werden als dies bei  Großbaustellen der Fall ist. Genauso argumentieren auch kleinere Bauunternehmer, die weiterhin arbeiten wollen. Es sei, das sagt auch Brunner, der betont, keineswegs Kritik am Land oder dem Bund für die bisherige Krisenarbeit üben zu wollen, ein Unterschied zwischen Großbaustelle und kleinen Baustellen, zwischen großen Firmen und kleinen, die um ihre Existenz kämpfen müssen. In Bezug auf Großbaustellen habe Gewerkschafter Josef Muchitsch (Interview rechts) auf jeden Fall recht, doch “es gibt kein Rezept für alle Baustellen”.

Die Gegner eines Baustopps betonen, dass alle Vorschriften eingehalten werden müssen, etwa durch die individuelle Anreise der Mitarbeiter zur Baustelle und eben genügend Abstand zwischen den Arbeitenden. Auch Elektriker, Installateure und Spengler, um nur einige zu nennen, könnten die Regeln gut einhalten, wird argumentiert. Was auch Tittler bereits am Mittwoch betonte. Doch der Riss geht durch die Branchen, wie Firmeninhaber berichten und in den Innungen auch artikulieren.

Eigene Entscheidung

Beim Meisterbäcker Ölz, der derzeit ein neues Werk baut, sieht Geschäftsführer Bernhard Ölz das pragmatisch. “Wir haben zwei Baufirmen im Einsatz, eine davon hat die Arbeit eingestellt, die andere arbeitet weiter. Das geht, weil sie an verschiedenen Teilen der Baustelle arbeiten. Doch letztendlich muss jedes Unternehmen das für sich selbst entscheiden.” Eine Pönale werde man nicht einfordern, “jetzt müssen wir zusammenstehen”.

Schwierig gestaltet sich die Situation für die ÖBB, die verschiedene Projekte in Arbeit hat, die unter dem Begriff “kritische Infrastruktur” fallen. Man werde sich die Baustellen anschauen und über einen Stopp entscheiden. Die Strecke Lauterach – Lustenau hat man bereits besichtigt. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen.