Lenin – Eine Neubewertung

Am Sonntag jährte sich der 100. Todestag von Wladimir Iljitsch Lenin.
Salzburg Wladimir Iljitsch Lenin, Architekt der Oktoberrevolution von 1917 und zentrale Figur bei der Gründung der Sowjetunion, ist eine der einflussreichsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Sein politisches Erbe und seine Ideologie, oft als Leninismus bezeichnet, prägten nicht nur Russland, sondern die politische Landschaft weltweit. Die neue Biografie „Lenin – Die Biografie. Eine Neubewertung“ von Verena Moritz und Hannes Leidinger anlässlich seines 100. Todestags am 21. Jänner stellt sich der Aufgabe, den Lebensweg und das Denken dieses Mannes neu zu bewerten.
Die neue Biografie
Die Autoren, beide mit einem soliden akademischen Hintergrund in Geschichte und speziellen Kenntnissen Russlands, haben nach umfangreichem Studium von Originaldokumenten ein facettenreiches und vielschichtiges Bild Lenins gezeichnet. Indem Moritz und Leidinger eingefahrene Vorurteile vom Fanatiker zum Hoffnungsträger infrage stellen und Zusammenhänge neu ordnen, bieten sie überraschende Erklärungen für den Aufstieg des politischen Außenseiters Lenin zum Führer des ersten sozialistischen Staates.
Die Biografie zeichnet sich durch eine Darstellung aus, die sich eng an Lenins eigene Aussagen hält, ohne zu dämonisieren oder zu beschönigen. Sie zeigt, wie Lenin als überzeugter Marxist daran arbeitete, seine Interpretation des Marxismus in Russland umzusetzen, was zur Gründung der Kommunistischen Partei führte. Knapp sieben Jahre nach der Oktoberrevolution errichtete Lenin den ersten Arbeiter- und Bauernstaat und leitete damit den Sozialismus in Russland ein. Im Bürgerkrieg, der auf die Revolution folgte, wurde nach dem Vorbild der bürgerlichen Französischen Revolution das Mittel des Terrors (Roter Terror) eingesetzt, um die russische Gesellschaft umzugestalten. Lenin unterstützte den Roten Terror im Bürgerkrieg vorbehaltlos und forderte trotz innerparteilicher Widerstände seine Intensivierung. Vor allem während des Bürgerkriegs fielen Millionen Menschen dem Roten und Weißen Terror zum Opfer.
Die im Buch enthaltenen Links zu Originalaufnahmen von Lenin und Wochenschauberichten aus der frühen Sowjetzeit bieten dem Leser eine wertvolle ergänzende Perspektive und eine Art beigefügte Dokumentation dieser Zeit. Das Buch ist nicht nur eine Ergänzung zu anderen Büchern über Russland und den Kommunismus, sondern auch eine spannende, informative und fesselnde Lektüre, die ein neues Licht auf die Person Lenins und die Zeit, in der er lebte, wirft.
Auch für Nicht-Historiker
„Lenin – Die Biografie. Eine Neubewertung“ ist auch eine Erzählung über eine Welt im Umbruch, die stark vom Handeln eines Einzelnen beeinflusst wurde. Nominiert auf der Longlist für das Wissenschaftsbuch des Jahres 2024 in der Kategorie Geistes-/Sozial-/Kulturwissenschaften, wirft das Buch einen neuen Blick auf eine der prägendsten Figuren des letzten Jahrhunderts.
Bei einem Umfang von rund 650 Seiten braucht man natürlich einige Zeit, um sich durch das Buch zu arbeiten. Dank des flüssigen und verständlichen Schreibstils ist es aber auch für Nicht-Historiker gut lesbar und ermöglicht einen zugänglichen Einblick in das komplexe Thema. Vn-ama