Ein Text, der den Kopf reisen lässt
Vorarlberger Schriftstellerin und bildende Künstlerin Sarah Rinderer gewinnt den Feldkircher Lyrikpreis.
Feldkirch Inspirierend war die Landschaft auf einer Halbinsel mit einem Leuchtturm, ein spezieller Spaziergang und ein spezielles Licht. Möglich wäre es auch gewesen, die Stimmung, die Sarah Rinderer, wie sie erzählt, während ihres Aufenthaltes auf Island aufnahm, in einem Prosatext zu verarbeiten. Durch die knappe Form der Wiedergabe, durch die Lyrik, erhält das Bild, das sie schafft, einen besonderen Ausdruck, es lässt den Kopf unweigerlich reisen. Für ihr Werk wird die Vorarlberger Autorin (geb. 1994) heuer mit dem Feldkircher Lyrikpreis ausgezeichnet.
Der von der Vorarlberger Schriftstellerin Erika Kronabitter mitinitiierte Preis wird bereits seit 19 Jahren vergeben, sein enormes Ansehen im deutschsprachigen Raum lässt sich heuer durch 1750 Einsendungen belegen und ist sicher auch auf das seriöse Verfahren der Auslober mit dem Leitungsteam um Geschäftsführerin Sabine Benzer am Feldkircher Saumarkttheater zurückzuführen. Der Jury gehören neben Marie-Rose Rodewald-Cerha (Germanistin und Vorstandsmitglied im Theater am Saumarkt), der Schriftsteller Herbert J. Wimmer, der Publizist, Kulturwissenschaftler und Literaturkritiker Klaus Zeyringer sowie Tobias Pagel, der letztjährige Preisträger, an. „In einer unaufdringlichen, reduzierten Sprache werden klare präzise Momentaufnahmen gemacht und immer wieder die Grenzen zwischen dem Ich und der Welt ausgelotet“, beschreibt Pagel den Siegerbeitrag: „Die verdichteten Bilder knüpfen an uralte Geschichten an und sind gleichzeitig in ihrer Art überraschend und frisch. Sie erstehen genauso leicht vor dem inneren Auge, wie sie geschrieben zu sein scheinen.“
Der zweite Preis geht an den deutschen Autor Martin Piekar.
Publikumspreis
Die ursprünglich für 27. November terminisierte Preisverleihung wird aufgrund der pandemiebedingten Veranstaltungsverbote in Österreich nicht stattfinden. Die Vergabe eines Publikumspreises wird erneut über ein Onlinevoting bestimmt, für das das Feldkircher Team eine Vorauswahl von Texten getroffen hat, die ab 22. November über saumarkt.at abrufbar sind.
Vielseitige Künstlerin
Sarah Rinderer ist derzeit künstlerisch-wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Kunstuniversität in Linz. Sie hat Experimentelle Gestaltung sowie Angewandte Kultur- und Kunstwissenschaften studiert und ein Semester an der Iceland University of the Arts in Reykjavik verbracht. Sie wurde bereits mit dem Vorarlberger Kulturpreis ausgezeichnet, erhielt mehrere Stipendien und veröffentlichte in mehreren Anthologien. „Die Kurzform wird immer eine gewisse Rolle spielen, sie ist auch ein gutes Ventil, ich habe früher recht viel lyrische Texte geschrieben, dann eine Pause gemacht und habe im letzten Jahr wieder zurückgefunden“, sagt sie. Im Gespräch mit den VN wies sie darauf hin, dass zu Beginn einer Arbeit zwar tagebuchartige Skizzen stehen, dass Wahrnehmungsaspekte und vor allem Farben jedoch einen entscheidenden Einfluss auf ihre Arbeiten haben. Prosatexte wie auch grafische und gestaltende Arbeiten werden weiterhin einen weiten Bereich ihres Schaffens einnehmen.
„Die Kurzform wird in meinem literarischen Schaffen immer eine Rolle spielen.“