“Ich lebe meinen Traum”

Kultur / 21.08.2020 • 19:23 Uhr
Der Vorarlberger Alex Ladstätter ist heuer auch wieder bei den Salzburger Festspielen tätig - in der „Elektra“-Produktion. Hirschbühl
Der Vorarlberger Alex Ladstätter ist heuer auch wieder bei den Salzburger Festspielen tätig – in der „Elektra“-Produktion. Hirschbühl

Der Vorarlberger Musiker spielt mit den
Wiener und Berliner Philharmonikern.

Bregenz Im Land ist er mit seiner Klarinette eine feste Größe, früher im Symphonieorchester Vorarlberg, nun bei seinem Festival Klassik Krumbach, das heuer der Coronakrise zum Opfer fiel. Seine Karriere führte Alex Ladstätter nach einem Engagement in Deutschland über Gastauftritte in internationalen Orchestern nun zum Bühnenorchester der Wiener Staatsoper.

 

Sie spielen derzeit beim Salzburger Opernereignis „Elektra“. Wie fühlt es sich an, inmitten von 110 Wiener Philharmonikern ein solches Werk zu musizieren?

LADSTÄTTER Es ist ein faszinierendes Klangerlebnis. Gerade für die Musik von Richard Strauss ist dieses Orchester einzigartig. Die Spannung und die Emotionalität bei Orchester, Dirigent und Publikum, die nach dieser langen Lockdown-Pause zu spüren waren, macht diese Produktion für mich zu einem ganz besonderen Erlebnis.

 

Sie sind beim Bühnenorchester der Wiener Staatsoper unter Vertrag – erklären Sie uns dessen Aufgabe?

LADSTÄTTER Die Wiener Staatsoper ist das einzige Opernhaus der Welt, das ein eigenes Bühnenorchester hat. Wir spielen auf der Bühne, im Orchestergraben, aber auch eigene Kinder- und Jugendprojekte. Durch den direkten Bezug zum Staatsopernorchester bzw. den Wiener Philharmonikern kommt man auch oft dort zum Einsatz wie z. B. jetzt in Salzburg bei „Elektra“ oder dem Orchesterkonzert unter Gustavo Dudamel nächste Woche.

 

Sie helfen auch immer wieder bei internationalen Orchestern aus – was waren da Ihre besonderen Erlebnisse?

LADSTÄTTER Dazu gehören sicher die Konzerte mit den Berliner Philharmonikern, die mich bereits mehrmals als Solobassklarinettisten eingeladen haben. Außerdem war ich öfters zu Gast bei den Münchner Philharmonikern und der Staatskapelle Dresden.

 

Sind für Sie durch den Lockdown interessante Konzerte entfallen?

LADSTÄTTER Ja, leider. Ich hätte im März im Musikverein zum ersten Mal unter Riccardo Muti gespielt. Auch die Konzertreise nach New York, wo drei Mahler-Symphonien unter Daniel Barenboim in der Carnegie Hall auf dem Programm standen, ist Corona zum Opfer gefallen. Besonders gefreut hätte ich mich auf den ersten kompletten Wagner-Ring in der Staatsoper auf der Bassklarinette.

 

Wegen Corona mussten Sie heuer auch auf Ihr jährliches Festival Klassik Krumbach verzichten.

LADSTÄTTER Das ist eine Herzenssache für meine Schwester, die Geigerin Natalia Sagmeister, für mich und unsere Freunde geworden. Aber das Risiko war heuer gerade in einer so kleinen Gemeinde einfach zu groß. Unser Erfolg beruht wohl darauf, dass wir den Leuten etwas Besonderes bieten können, in einer lockeren, familiären Atmosphäre, aber auf allerhöchstem Niveau. Das hat Kreise gezogen, und nächstes Jahr wollen wir unbedingt weitermachen.

 

Sie sind über Blockflöte und Klavier zur Klarinette gekommen. Wer hat Sie entscheidend geprägt?

LADSTÄTTER Ich hatte viele wichtige Wegbegleiter, sodass es mir schwerfällt, einen besonders hervorzuheben. Ich bin heute noch im ständigen Austausch mit meinen Orchesterkollegen und versuche mich weiterzuentwickeln. In frühen Jahren war es aber sicher die Bürgermusik Lauterach unter meinem ersten Klarinettenlehrer Martin Schelling, die mich geprägt und motiviert hat.

 

Man sagt, dass der Klang der Klarinette neben dem Cello der menschlichen Stimme am nächsten kommt?

LADSTÄTTER Ja, das stimmt. Man ist als Klarinettist sozusagen ein Sänger, nur anstelle der Stimme eben mit Hilfe eines Instrumentes. Beim Üben denke ich mir oft: Wie würde ich diese Stelle singen. Im Übrigen liebe ich besonders den in Österreich gelehrten dunklen, warmen Klang der Klarinette, wie er bei Mozart und Brahms gefragt ist.

 

Was sind Ihre Wunschvorstellungen für die Zukunft?

LADSTÄTTER Ich habe mir in meiner Musikerlaufbahn immer Ziele gesetzt, und die konnte ich Schritt für Schritt verwirklichen, vom SOV über eine Festanstellung bis zum Mitwirken in Klangkörpern wie den Wiener oder Berliner Philharmonikern. Also, ich lebe meinen Traum, aber es gibt noch weitere Stufen nach oben.

Zur Person

ALEX LADSTÄTTER

Geboren 1983 in Bregenz, wohnhaft in Wien

Ausbildung Studium an der Musik-Uni Wien (Peter Schmidl) und der Kunst-Uni Graz (Gerald Pachinger), Abschluss Masterstudium mit Auszeichnung, Postgraduate Studium bei Alois Brandhofer

Tätigkeit Seit 2018 Vertrag beim Bühnenorchester der Wiener Staatsoper, zahlreiche Gastengagements bei internationalen Orchestern, rege Kammermusiktätigkeit