Herwig Bauer verrät, wie der Poolbarbesuch 2020 aussehen wird

Digitaler VN-Stammtisch mit dem Poolbarchef: Worauf sich die Festivalbesucher in diesem speziellen Jahr freuen dürfen.
Feldkirch Es gehört für Musikfans und Kulturliebhaber seit 1994 zum Fixpunkt eines gelungenen Sommers: das Poolbar-Festival. Jährlich zieht das Alte Hallenbad in Feldkirch 25.000 Besucher aus ganz Europa an. Doch auch die Coronakrise geht an dem Festival nicht spurlos vorbei. Im digitalen VN-Stammtisch sprach Poolbarchef Herwig Bauer darüber, wie der Poolbarbesuch heuer aussehen wird.
Die Coronakrise hat viele Festivals zur Absage gezwungen. Wie groß ist die Erleichterung, dass es grünes Licht für das Poolbar-Festival gegeben hat?
Bauer Die Erleichterung ist riesig, weil für uns die Ungewissheit der schlimmste Gemütszustand war. Wir hatten schon sehr viel vorbereitet und schon in der Zeit der Coronakrise viele Ideen entwickelt. Aber ohne zu wissen, was tatsächlich gemacht werden kann, macht das wenig Sinn. Darum sind wir sehr erleichtert, dass wir in Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden und mit Hilfe der Politik ein Konzept entwickeln konnten, das das Poolbar-Festival ermöglicht.
Wie war die Zusammenarbeit mit den Behörden und der Rückhalt seitens der Politik?
Bauer Das war äußerst konstruktiv und wohlwollend von allen Seiten. Natürlich auch vorsichtig und kritisch, es war nicht von vornherein klar, dass das Ganze funktionieren kann. Aber es war spürbar, dass ernsthaftes Interesse besteht, dass man gemeinsam Wege findet, das Festival zu ermöglichen.
Die Coronapandemie wütet nach wie vor. Ist es überhaupt angebracht, in so einer Zeit ein Festival zu veranstalten?
Bauer Diese Frage haben wir uns auch im Team gestellt und da waren sich zunächst nicht alle einig, weil schon alle unter dem Eindruck der Horrormeldungen standen. Aber letztlich hat sich die Meinung durchgesetzt, dass es gut und wichtig ist, unter dem Eindruck der Virusbedrohung nicht den Kopf einzuziehen, sondern sich damit zu arrangieren. Das sehen wir auch als wichtiges Zeichen für die Zukunft, denn ich kann mir gut vorstellen, dass uns noch hin und wieder ähnliche Herausforderungen ins Haus stehen.
Wie kann man sich einen Besuch beim Poolbar-Festival dieses Jahr vorstellen?
Bauer Es wird in diesem Jahr beim Eintreffen insofern anders sein, als das Gelände im Außenbereich eingezäunt ist. Ein wichtiges Element der Prävention ist, dass man zu große Menschenansammlungen vermeidet, und wir müssen die Besucherkapazitäten streng limitieren. Den Menschen werden Sitzplätze im Reichenfeld zugewiesen, das ist gesetzlich so vorgeschrieben. Natürlich muss wie im Alltag auch die Abstandsregelung eingehalten werden. Vom Prinzip her ist das Poolbar-Festival so wie in regulären Jahren: Es werden laue Sommernächte im Grünen genossen.
Welche Maßnahmen werden getroffen, um die Lärmbelästigung der Anrainer in Grenzen zu halten?
Bauer Wir habe uns bemüht, bei der Auswahl der Bands in der Stilrichtung darauf zu achten, dass die nicht den Zorn der Anrainer auf sich ziehen. Und wir haben allen Bands entsprechende Dezibelwerte übermittelt und klar gemacht, dass die Situation eine völlig andere ist als bei einem normalen Festival. Wir sind in sehr enger Abstimmung mit der Stadtpolizei und haben extra Dezibelmessgeräte angeschafft, um die Pegel zu überwachen.
Generell haben wir das Programm so angelegt, dass es nicht zu intensiv wird. Wir haben bisher viele Konzerte im Freien gemacht. Bei den Jazzbrunchs ändert sich zum Beispiel nichts. Diese Schiene wird im gleichen Ausmaß weitergefahren. Wir haben einzelne Konzerte, hauptsächlich freitags und samstags, wo nationale und teilweise internationale Bands spielen. Grundsätzlich findet die Publikumsbeschallung im gleichen Rahmen wie in den Jahren zuvor statt. Der Unterschied ist, dass wir zusätzliche Boxen im Gelände aufstellen, weil sich das Publikum im ganzen Park aufhalten wird und wir so das Areal mit einer angemessenen Lautstärke beschallen können.
Das Programm startet generell um 19 Uhr und die Livekomponenten sind voraussichtlich um 21 Uhr schon beendet. Danach wird es wie in den vergangenen 27 Jahren Musikbeschallung geben. Ich glaube, wir haben da einen guten Kompromiss gefunden.
Welche Veranstaltungen sind im öffentlichen Raum geplant?
Bauer Der öffentliche Raum beginnt bei uns schon im Reichenfeld selbst. Heuer wird fast die gesamte Wiese zwischen Pförtnerhaus und Altem Hallenbad genutzt. Wir haben die Umzäunung so gestaltet, dass das Gelände außerhalb des Festivalbetriebs perforiert werden kann. Das Gelände ist also untertags auch zugänglich und eine Möblierung für die Leute steht zur Verfügung. Wir haben außerdem Kunstprojekte, die im Poolbargenerator entstanden sind, die für den öffentlichen Raum konzipiert sind, und wir haben das Raumfahrtprogramm, das wir letztes Jahr ins Leben gerufen haben. Im Zentrum des Raumfahrtprogramms steht unsere mobile Technik- und Gastroeinheit namens Poolcar. Das ist eine Piaggio Ape, die im Poolbargenerator gestaltet worden ist und die Möglichkeit bietet, mit wenigen Handgriffen an verschiedenen Orten Veranstaltungen anzubieten, hauptsächlich diskursives Programm. Das sind Diskussionen, Vorträge und ein Konzert in Kooperation mit den Montforter Zwischentönen und der Band Café Drechsler.
Werden Tickets durch die Coronakrise teurer?
Bauer Nein, im Gegenteil. Erstens haben wir viel mehr Veranstaltungen bei freiem Eintritt. Nur etwa zehn Tage sind mit Eintritt, an allen anderen ist der Eintritt frei. Die Ticketpreise werden sich an den Kosten der vergangenen Jahre orientieren. Innerhalb des 3000 Quadratmeter großen Geländes gibt es zudem drei Preiskategorien, weil nicht jeder Platz die gleiche Wertigkeit hat.
Was passiert bei einem positiven Coronafall eines Besuchers, Bandmitglieds oder Mitarbeiters?
Bauer Das entscheiden letztlich die Behören. Es wird auch darauf ankommen, wie sehr unser Angebot angenommen wird, dass sich die Leute namentlich registrieren lassen können. Grundsätzlich weisen wir jedem Besucher einen Platz zu, aber die Menschen sind nicht verpflichtet, ihren Kontakt zu hinterlassen. Wenn das Angebot von vielen genutzt wird, ist das Contact Tracing kein Problem, weil man sofort feststellen kann, wer im Bereich der Infektion war. Bei unseren Mitarbeitern wird es so sein, dass wie im Besucherbereich auf Desinfektion und die Hygienemaßnahmen sehr streng geachtet wird. Innerhalb des Poolbarteams werden die Kontakte reduziert sein. Wir sind in engem Kontakt mit dem Amtsarzt der Bezirkshauptmannschaft und haben vereinbart, dass er ständig erreichbar sein wird. Wenn uns eine Infektion vor Ort bekannt werden sollte, werden die Behörden sofort informiert.
Musste beim Poolbarpersonal eingespart werden aufgrund der Krise?
Bauer Eingespart in dem Sinne, dass wir nicht das volle Programm fahren. Gerade den Leuten, die beaufsichtigen, kommt nun eine noch wichtigere Rolle zu.
Was steht dieses Jahr auf dem Programm?
Bauer Wir lassen zum Beispiel am Mittwoch immer das Popquiz hochleben. Der Donnerstag ist dem Wort auf der Bühne gewidmet, da haben wir zum Beispiel den Tagebuchslam. Ein Highlight wird der Auftritt von Maschek sein. Freitags treten lokale und regionale Bands auf, samstags nationale und internationale Headliner wie Lou Asril, Oehl, Manu Delago Ensemble oder Fink. Am ersten Freitag haben wir die österreichische Band Buntspecht zu Gast.
Neu ist auch die Gestaltung am Sonntag: Am Abend gibt es zwar kein Programm, aber ab 11 Uhr die Jazzbrunch-Liveband und ab 14 Uhr richten wir einen entspannten Wiesen-Dancefloor namens Sonntanz ein, wo bekannte DJs wie zum Beispiel Möwe oder Wolfram auflegen werden.
Was wird Ihr persönliches Highlight des diesjährigen Poolbar-Festival sein?
Bauer Für mich wird die Nutzung des Parks das große Highlight sein, wenn im ganzen Gelände Leute in lockerer Aufteilung in gemütlicher Einrichtung sind. Das ganze Ambiente wird für mich ein Highlight sein. Auch die Verleihung des Vorarlberger Musikpreises wird ein Highlight.