Mary Rose: „Unsere Lehrlinge bringen frischen Wind hinein“

Stefan Grabher, Geschäftsführer von Mary Rose in Dornbirn war selbst Lehrling und hat seine Berufung gefunden. Das wünscht er auch seinen Lehrlingen.
Mary Rose bildet seit 1990 Lehrlinge aus. Wie lange sind Sie schon Lehrlingsausbilder?
In meinem Team gibt es verschiedene Lehrlingsausbilder. Es ist mir wichtig, dass das nicht meine Aufgabe ist und das hat klassische Gründe – ich glaube, dass Geschäftsführer und Lehrlingsausbilder unterschiedlich sein sollten, weil sie unterschiedliche Vertrauensverhältnisse zum Lehrling haben. Und da unsere Lehrlinge meistens weiblich sind, bin ich der Meinung, dass es besser ist, wenn auch der Ausbilder weiblich ist.
Was muss man als Ausbilder für Stärken aufweisen?
Ich spreche jetzt für Diana, unsere Ausbildnerin. Ein wesentlicher Punkt ist es, eine Mischung zu finden zwischen Verständnis, aber auch einem Beharren auf Regeln und Umgangsformen im Team, die man nicht überschreiten darf; Klarheit in der Kommunikation und den Vorstellungen ist ein ganz wichtiger Punkt.
Wie wichtig sind die Lehrlinge für den Betrieb?
Sie haben bei uns eine wichtige (soziale) Rolle. Unser Team ist altersmäßig von 16, 17 Jahren bis über 60 Jahre strukturiert. Diese Durchmischung ist sehr wichtig für ein Unternehmen, um den Anschluss an gewisse Altersgruppen nicht zu verlieren. Gerade im Einzelhandel ist dies wichtig, um den Kundenwünschen aus unterschiedlichen Alters- und Sozialgruppen gerecht werden zu können. Unsere Lehrlinge bringen definitiv frischen Wind hinein.
Wie kommen Sie an gute Mitarbeiter?
Teamverstärkungen funktionieren gut, denn wir haben ein äußerst gutes Betriebsklima. Man muss an solchen Dingen arbeiten und lernen, dass das Umfeld und das Klima für den Erfolg eines Unternehmens entscheidend sind. Wenn das Klima passt, kommen Team-Nachbesetzungen über Mundpropaganda selbst zustande. Und oft kommen andere, gerade auch junge Menschen, die am Thema Nachhaltigkeit interessiert sind, auf uns zu.
Was wünschen Sie sich von Ihren Lehrlingen?
Von ihnen eigentlich nichts, aber ich wünsche meinen Lehrlingen etwas – und zwar, dass es ihnen so geht wie mir: Ich war auch Lehrling. Es war lange nicht alles perfekt, aber ich habe meine Berufung gefunden und das ist ein unglaubliches Privileg – wenn man nicht verzweifelt suchen muss, was man gerne tut, sondern einen Job findet, der zu einem passt. Er begeistert mich bis zum heutigen Tag, und das wünsche ich ihnen.
Wie schaffen Sie es, dass High Potentials Ihnen die Treue halten – was wird ihnen geboten?
Das hat sich stark verändert. Als Allererstes habe ich meinen eigenen Zugang zu Mitarbeiterführung und mein Verständnis für Mitarbeiter in vielen Dingen ändern müssen. Wenn ich gute Mitarbeiter behalten will, muss ich als Chef dafür sorgen, dass das Umfeld ein gutes ist. Das ist sehr wichtig, aber auch schwierig. Und: Ich muss auf die individuellen Bedürfnisse von Mitarbeitern jeder Altersgruppe eingehen. Wir haben zum Beispiel viele Mütter, die große Herausforderungen mit Kinderbetreuung haben, auch da müssen wir Modelle und Flexibilität finden und auf die neuen Erfordernisse der Gesellschaft eingehen. Und es ist wichtig, den Leuten flexible Arbeitszeiten, Arbeitsplätze und Situationen zu ermöglichen.
Was ist den Lehrlingen wichtig?
Im Gegensatz zu früher haben die Lehrlinge viel weniger Berufsvorstellung als vor 20 bis 30 Jahren und so sollte man nicht erschüttert sein, wenn der Lehrplatz auch einmal gewechselt wird. Meiner Meinung nach sollte den Menschen in den letzten ein bis zwei Jahren der Schule mehr Zeit für berufliches Ausprobieren ermöglicht werden. Statt einer Schnupperwoche wäre es beispielsweise gut, Kooperationen zu finden, bei denen man über Monate in einen Beruf reinschnuppern kann.
Stefan Grabher
Ausbildung: Lehre zum Einzelhandelskaufmann
Laufbahn: Lehre, danach direkt in die Selbstständigkeit
Alter: 57
Familie: verheiratet; 2 Kinder
Hobbys: eine unendliche Liste