“Lohnschere in Österreich ist nach wie vor viel zu groß”

Markt / 02.02.2026 • 18:31 Uhr
"Lohnschere in Österreich ist nach wie vor viel zu groß"
Roland Paulitsch

Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner über Gehaltstransparenz und ökonomische Unabhängigkeit.

Schwarzach Ab Juni müssen Unternehmen mehr Transparenz bei Gehältern schaffen. Eva-Maria Holzleitner (32), Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung, sieht darin einen Meilenstein.

Mit Juni tritt die EU-Entgelttransparenz-Richtlinie in Kraft. Sie soll die Gehaltsschere zwischen Männern und Frauen verkleinern. Wie ist Ihre Erwartungshaltung?

Die Lohnschere in Österreich ist nach wie vor viel zu groß. Da sind wir EU-weit unter den Schlusslichtern. Die Entgelttransparenz-Richtlinie ist hier ein wichtiger Meilenstein, denn wir sehen, dass insbesondere Frauen bisher noch nicht in den Genuss von gleichem Lohn für gleichwertige Arbeit kommen. Frauen sind bestens gebildet, nun braucht es auch ein zeitgemäßes Lohnschema, in dem nach Leistung und nicht mehr nach Geschlecht bezahlt wird.

"Lohnschere in Österreich ist nach wie vor viel zu groß"
Roland Paulitsch

Aktuell liegt Österreich beim Gender Pay Gap mit rund 18 Prozent an vorletzter Stelle im EU-Vergleich. Warum ist der Abstand hierzulande so groß?

Da gibt es unterschiedliche Ursachen – von klassischen Frauenbranchen, die schlechter bezahlt werden, bis hin zur fehlenden Möglichkeit von Vollzeittätigkeit aufgrund mangelnder Kinderbildungsplätze. Aber selbst wenn man alles herausrechnet, sagt sogar die Statistik Austria, dass ein gewisser Anteil allein deshalb besteht, weil zwischen den Geschlechtern unterschieden wird – also durch reine Diskriminierung.

Die Entgelttransparenz-Richtlinie gilt erst für Unternehmen ab 100 Mitarbeitenden. Was ist mit jenen Frauen, die in kleineren Betrieben arbeiten?

Da sind wir gerade mitten in den Verhandlungen mit den Koalitionspartnern. Ich denke, man kann auf jeden Fall von den Besten lernen. Island etwa hat eine Regelung ab 25 Mitarbeitenden und hat dadurch sehr rasch die Lohnschere zwischen Männern und Frauen geschlossen.

"Lohnschere in Österreich ist nach wie vor viel zu groß"
Roland Paulitsch

Island ist auch bei der Väterkarenz Vorbild, während Österreich EU-weit zu den Schlusslichtern zählt. Braucht es verbindlichere Modelle?

Die Kampagne von Helga Konrad (“Ganze Männer machen halbe-halbe”), bei der man mit Appellen und dem Versuch eines Umdenkens begonnen hat, ist mittlerweile über 30 Jahre alt. Wir sehen, dass die Väterkarenz nach wie vor sehr wenig in Anspruch genommen wird. Einerseits wäre eine verpflichtende Aufteilung ein Ansatz, andererseits braucht es auch den Abbau von Stereotypen. Ich bin überzeugt, dass Kinder davon profitieren, wenn beide Elternteile ihre Erziehungsaufgaben wahrnehmen.

Viele Frauen arbeiten Teilzeit – nicht nur wegen der fehlenden Kinderbetreuung, sondern weil sie rechnen. Durch Mehrarbeit steigen Steuerlast und Betreuungskosten.

Es ist kein besonders sympathisches Modell, wenn ich das, was ich durch Mehrarbeit verdiene, in Betreuungskosten investieren muss. Hier haben wir als Regierungskoalition mit dem zweiten verpflichtenden Kindergartenjahr zumindest einen Schritt in die richtige Richtung getan. Denn gerade in Zeiten, in denen wir die Rezession überwunden haben, sollte man am Arbeitsmarkt nicht auf das Know-how und die Fähigkeiten von Frauen verzichten.

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Gleichstellung ist ein großer Begriff. Was steht bei Ihnen ganz oben auf der Prioritätenliste?

Im Herbst haben wir den Nationalen Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen auf den Weg gebracht. Einer der wirksamsten Schutzmechanismen vor Gewalt – oder um aus einer Gewaltbeziehung ausbrechen zu können – ist ökonomische Unabhängigkeit. Frauen haben nach Trennungen oft einen Schuldenrucksack, etwa weil sie Bürgschaften unterschrieben haben. Im Regierungsprogramm haben wir außerdem für die sensible Phase nach einer Trennung den Unterstützungsfonds für Alleinerziehende verankert, der noch heuer umgesetzt werden soll.

"Lohnschere in Österreich ist nach wie vor viel zu groß"
Roland Paulitsch

Wann kommt die Fußfessel für Hochrisiko-Gewalttäter?

Hier laufen die Gespräche mit Justiz- und Innenministerium, wie man das gut umsetzen kann, denn wir wollen damit nicht die Untersuchungshaft aushebeln. Vielmehr soll es ein Lückenschluss zwischen Betretungsverbot und U-Haft sein.

Ihr Ziel sind flächendeckende Gewaltambulanzen – Vorarlberg hat keine.

Die Steiermark rollt gerade die telemedizinische Beweisaufnahme aus. Diesem Beispiel könnten auch andere Regionen ohne eigene Gerichtsmedizin folgen. Zudem könnte man die Allgemeinmedizin stärker einbinden. Ziel von Gewaltambulanzen ist es, gerichtsfeste Beweise zu sichern. An europäischen Beispielen sieht man, wie dadurch die Verurteilungsrate gestiegen ist.

"Lohnschere in Österreich ist nach wie vor viel zu groß"
Im Herbst wurde der Nationale Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen vorgestellt.APA

Landeshauptmann Markus Wallner hätte gern das Promotionsrecht für die Fachhochschule. Wird das umgesetzt?

Was wir schaffen werden, ist, eine bessere Implementierung kooperativer Doktorate, insbesondere im europäischen Hochschulraum. Ein eigenes Promotionsrecht würde erhebliche Investitionen erfordern, die in meinem Ressort derzeit finanziell nicht möglich sind. In der Industriestrategie sind jedoch 2,6 Milliarden Euro für Forschung vorgesehen. Hier könnte Vorarlberg durchaus eine gewichtige Rolle einnehmen.

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