Millionen Schindeln als Visitenkarten

VN / 03.02.2026 • 16:00 Uhr
Albert Hager – seit mehr als 30 Jahren als „der Schindeler“ Botschafter des Bregenzerwälder Schindeler-Handwerks. PETER STRAUSS
Albert Hager – seit mehr als 30 Jahren als „der Schindeler“ Botschafter des Bregenzerwälder Schindeler-Handwerks. stp

Albert Hagers „Handschrift“ sieht man nicht nur im Wald – er hat auch andere „Qualitäten“

Mellau Schindeln sind ein Stück Bregenzerwälder Identität und werden weit über die Region hinaus geschätzt. Vor 80 Jahren hat Hedwig Ender-Kohler die für den Wald so typischen Schindeln sogar in ihrer Wälder Hymne „Ein Wälderdorf“ verewigt: „Ich sah das Meer in böser Zeit, die große Stadt und Länder weit, dort träumte ich vom Schindeldach, zur Maienzeit in Schönenbach . . .“

Albert Hagers größtes Projekt: Rund 800.000 Schindeln hat er für das Projekt Neue Seeschanze in Lochau-Tannenbach verlegt.   
Albert Hagers größtes Projekt: Rund 800.000 Schindeln hat er für das Projekt Neue Seeschanze in Lochau-Tannenbach verlegt.  

Nicht nur davon geträumt

Von diesem besungenen Schindeldach nicht nur geträumt hat der Mellauer Albert Hager, der weit über die Talschaft hinaus zum Botschafter des Bregenzerwälder Schindeler-Handwerks wurde. Die Liebe dazu ist bei ihm schon erwacht, als er in seiner Jugend bei einem Ferialjob half, den Auer Kirchturm neu zu schindeln. Später war er bei verschiedenen Firmen im Außendienst tätig, war Skilehrer und verdiente als Musiker gutes Geld. 1994 hat er sich unter dem einprägsamen Firmennamen „Der Schindeler“ selbständig gemacht und seither seine „Handschrift“ auf Dächern und vor allem Fassaden unzähliger Häuser hinterlassen. Wie viele es in den mehr als 30 Jahren geworden sind? „Grob überschlagen waren es 1.200 bis 1.300 . . .“, meint er stolz, denn zum typischen Erscheinungsbild der Wälder Dörfer hat er einen wesentlichen Beitrag geleistet.

Unzählige Schindeln hat Albert Hager in seiner Werkstatt eigenhändig gefertigt. Aus Holz von ausgesuchten Gebirgsfichten, die langsam wachsen und deshalb lange Haltbarkeit gewährleisten.   
Unzählige Schindeln hat Albert Hager in seiner Werkstatt eigenhändig gefertigt. Aus Holz von ausgesuchten Gebirgsfichten, die langsam wachsen und deshalb lange Haltbarkeit gewährleisten.  

Der Tradition verbunden

Schindeln sind für Alber Hager ein wichtiger Teil der Tradition, der er sich verbunden fühlt. Bei Sanierungen ebenso wie bei spektakulären Neubauten – millionenfach verlegte Schindeln sind seine Visitenkarte. Vom sanierten Mesmerhaus in Hohenweiler bis zum Hotel Jägeralpe auf Hochkrumbach, vom imposanten sanierten Stubenberghaus in Graz bis zur Wohnanlage in Krumbach, vom sanierten Pfarrhof in Schnepfau bis zu seinem größten Vorhaben, der Wohnanlage Neue Seeschanze in Lochau-Tannenbach, wo rund 800.000 Schindeln verlegt wurden. Zwischen 150.000 und 330.000 waren es beispielsweise für ein Feriendorf in Furx, eine Wohnanlage in Krumbach, für das Hotel Die Wälderin in Mellau oder für die ersten Häuser der unvollendeten The Heimat auf Nesslegg und zuletzt für sein jüngstes Prestigeprojekt, das Egger Posthus.

Die Betriebsnachfolge ist gesichert – noch heuer soll Sohn Christian in der Schindeler-Firma Verantwortung übernehmen, in Nazes Hus übernimmt Christiane die Leitung.
Die Betriebsnachfolge ist gesichert – noch heuer soll Sohn Christian in der Schindeler-Firma Verantwortung übernehmen, in Nazes Hus übernimmt Christiane die Leitung.

Wenn möglich selbst produziert

Auf seiner Homepage erinnert Albert Hager an den Heimatdichter Gebhard Wölfle: das vielzitierte „Meor ehrod das Ault, meor grüoßod das Nü und blibod üs sealb und dor Hoamad trü.“ ist für ihn Richtschnur. „Nach Möglichkeit verwende ich selbstgefertigte Schindeln. Bei Großaufträgen ist das leider nur zum Teil machbar, da müssen wir Schindeln zukaufen.“ Schindeln verarbeitet er auch in eigener Sache, denn 2004 erwarb er eines der ältesten Häuser in Mellau (Hager: „Vielleicht sogar das allerälteste.“), investierte rund 9.000 Arbeitsstunden in die behutsame Restaurierung und eröffnete zwei Jahre später eine Pension mit zwölf Gästebetten und ein originelles Gastlokal mit etwa 50 Sitzplätzen in drei Räumen.

Albert Hager – im Bild mit Gattin Christiane und Bedienung Lina Hänsler – wurde bei der jüngsten Wälder-Win-Kür von Alex Feurstein als Wäldar-Win-Premium-Partner ausgezeichnet.
Albert Hager – im Bild mit Gattin Christiane und Bedienung Lina Hänsler – wurde bei der jüngsten Wälder-Win-Kür von Alex Feurstein als Wäldar-Win-Premium-Partner ausgezeichnet.

Nazes Hus – so benannt nach dem früheren Besitzer Ignaz „Naze“ Dietrich, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts hier seine Küferwerkstatt eingerichtet hatte, war von 2012 bis 2023 verpachtet und wird seither wieder von Albert und seiner Gattin Christiane geführt.

Schindeler Albert Hager im Foyer von Nazes Hus. Den mächtige Adler hat Josef Felder, Großvater von Alberts Gattin Christiane, vor mehr als 100 Jahren erlegt.
Schindeler Albert Hager im Foyer von Nazes Hus. Den mächtige Adler hat Josef Felder, Großvater von Alberts Gattin Christiane, vor mehr als 100 Jahren erlegt.

Und wenn er weder schindelt noch wirtet, dann trifft man ihn am ehesten auf Dosegg, wo er Nebenerwerbslandwirt ist und u. a. den Ziegenkäse für Nazes Hus selbst produziert. STP

Zur Person

Albert Hager

Wohnort Mellau

Geboren 29. Juli 1962

Familie verheiratet mit Christiane, drei Söhne

Beruf selbständiger Unternehmer als Schindeler, Gastronom

Hobbys Musik, Natur, Nebenerwerbslandwirtschaft

Lebensmotto „Z´früoh gföot ischt ou gschtoabo“ (zu früh gefürchtet ist auch gestorben)

Jeden Samstag wird der adaptierte ehemalige Stall in Nazes Hus ab 17.30 Uhr zur Après-Ski-Location und Albert Hager erinnert sich an seine Jugendzeit und spielt mit Kollegen zum Tanz auf.
Jeden Samstag wird der adaptierte ehemalige Stall in Nazes Hus ab 17.30 Uhr zur Après-Ski-Location und Albert Hager erinnert sich an seine Jugendzeit und spielt mit Kollegen zum Tanz auf.
Christiane Hager erzählt die Geschichte, wie der Adler von ihrem Großvater erlegt wurde und wie er später in Nazes Hus gekommen ist.   
Christiane Hager erzählt die Geschichte, wie der Adler von ihrem Großvater erlegt wurde und wie er später in Nazes Hus gekommen ist.  
Ehrensache, dass bei Albert und Christiane der Wälder Win auf der Getränkekarte in Poleposition angeführt wird.   
Ehrensache, dass bei Albert und Christiane der Wälder Win auf der Getränkekarte in Poleposition angeführt wird.  
Jüngstes Leuchtturmprojekt von Albert Hager: das Posthus in Egg, für das rund 175.000 Schindeln verlegt wurden.   
Jüngstes Leuchtturmprojekt von Albert Hager: das Posthus in Egg, für das rund 175.000 Schindeln verlegt wurden.  
Nazes Hus - ein Juwel der Mellauer Gastro-Landschaft. Gemütlich, urig, originell und neuerdings auch mit einer Après-Ski-Location, in der es jeden Samstag ab 17.30 Uhr rund geht. Chef Albert Hager spielt höchstpersönlich mit Kollegen zur Unterhaltung auf.   
Nazes Hus – ein Juwel der Mellauer Gastro-Landschaft. Gemütlich, urig, originell und neuerdings auch mit einer Après-Ski-Location, in der es jeden Samstag ab 17.30 Uhr rund geht. Chef Albert Hager spielt höchstpersönlich mit Kollegen zur Unterhaltung auf.  
Nazes Hus – wahrscheinlich Mellaus ältestes Haus – wurde von Albert Hager behutsam renoviert und beherbergt heute eine Pension mit 12 Gästebetten, ein originelles Gastlokal und neuerdings im alten Stall eine Location, in der Albert mit Kollegen jeden Samstag, ab 17.30 Uhr, zum Après-Ski aufspielt.
Nazes Hus – wahrscheinlich Mellaus ältestes Haus – wurde von Albert Hager behutsam renoviert und beherbergt heute eine Pension mit 12 Gästebetten, ein originelles Gastlokal und neuerdings im alten Stall eine Location, in der Albert mit Kollegen jeden Samstag, ab 17.30 Uhr, zum Après-Ski aufspielt.