Millionen Schindeln als Visitenkarten

Albert Hagers „Handschrift“ sieht man nicht nur im Wald – er hat auch andere „Qualitäten“
Mellau Schindeln sind ein Stück Bregenzerwälder Identität und werden weit über die Region hinaus geschätzt. Vor 80 Jahren hat Hedwig Ender-Kohler die für den Wald so typischen Schindeln sogar in ihrer Wälder Hymne „Ein Wälderdorf“ verewigt: „Ich sah das Meer in böser Zeit, die große Stadt und Länder weit, dort träumte ich vom Schindeldach, zur Maienzeit in Schönenbach . . .“

Nicht nur davon geträumt
Von diesem besungenen Schindeldach nicht nur geträumt hat der Mellauer Albert Hager, der weit über die Talschaft hinaus zum Botschafter des Bregenzerwälder Schindeler-Handwerks wurde. Die Liebe dazu ist bei ihm schon erwacht, als er in seiner Jugend bei einem Ferialjob half, den Auer Kirchturm neu zu schindeln. Später war er bei verschiedenen Firmen im Außendienst tätig, war Skilehrer und verdiente als Musiker gutes Geld. 1994 hat er sich unter dem einprägsamen Firmennamen „Der Schindeler“ selbständig gemacht und seither seine „Handschrift“ auf Dächern und vor allem Fassaden unzähliger Häuser hinterlassen. Wie viele es in den mehr als 30 Jahren geworden sind? „Grob überschlagen waren es 1.200 bis 1.300 . . .“, meint er stolz, denn zum typischen Erscheinungsbild der Wälder Dörfer hat er einen wesentlichen Beitrag geleistet.

Der Tradition verbunden
Schindeln sind für Alber Hager ein wichtiger Teil der Tradition, der er sich verbunden fühlt. Bei Sanierungen ebenso wie bei spektakulären Neubauten – millionenfach verlegte Schindeln sind seine Visitenkarte. Vom sanierten Mesmerhaus in Hohenweiler bis zum Hotel Jägeralpe auf Hochkrumbach, vom imposanten sanierten Stubenberghaus in Graz bis zur Wohnanlage in Krumbach, vom sanierten Pfarrhof in Schnepfau bis zu seinem größten Vorhaben, der Wohnanlage Neue Seeschanze in Lochau-Tannenbach, wo rund 800.000 Schindeln verlegt wurden. Zwischen 150.000 und 330.000 waren es beispielsweise für ein Feriendorf in Furx, eine Wohnanlage in Krumbach, für das Hotel Die Wälderin in Mellau oder für die ersten Häuser der unvollendeten The Heimat auf Nesslegg und zuletzt für sein jüngstes Prestigeprojekt, das Egger Posthus.

Wenn möglich selbst produziert
Auf seiner Homepage erinnert Albert Hager an den Heimatdichter Gebhard Wölfle: das vielzitierte „Meor ehrod das Ault, meor grüoßod das Nü und blibod üs sealb und dor Hoamad trü.“ ist für ihn Richtschnur. „Nach Möglichkeit verwende ich selbstgefertigte Schindeln. Bei Großaufträgen ist das leider nur zum Teil machbar, da müssen wir Schindeln zukaufen.“ Schindeln verarbeitet er auch in eigener Sache, denn 2004 erwarb er eines der ältesten Häuser in Mellau (Hager: „Vielleicht sogar das allerälteste.“), investierte rund 9.000 Arbeitsstunden in die behutsame Restaurierung und eröffnete zwei Jahre später eine Pension mit zwölf Gästebetten und ein originelles Gastlokal mit etwa 50 Sitzplätzen in drei Räumen.

Nazes Hus – so benannt nach dem früheren Besitzer Ignaz „Naze“ Dietrich, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts hier seine Küferwerkstatt eingerichtet hatte, war von 2012 bis 2023 verpachtet und wird seither wieder von Albert und seiner Gattin Christiane geführt.

Und wenn er weder schindelt noch wirtet, dann trifft man ihn am ehesten auf Dosegg, wo er Nebenerwerbslandwirt ist und u. a. den Ziegenkäse für Nazes Hus selbst produziert.
Zur Person
Albert Hager
Wohnort Mellau
Geboren 29. Juli 1962
Familie verheiratet mit Christiane, drei Söhne
Beruf selbständiger Unternehmer als Schindeler, Gastronom
Hobbys Musik, Natur, Nebenerwerbslandwirtschaft
Lebensmotto „Z´früoh gföot ischt ou gschtoabo“ (zu früh gefürchtet ist auch gestorben)





